KlagenfurtKärntnerin klagte die Rechtsanwaltskammer

Anwalt soll Geld abgezweigt haben, Opfer zog vor Gericht. Der Vorwurf: Die Anwaltskammer habe Berufsverbot zu spät verhängt.

Der Jurist soll Geld in die eigene Tasche gesteckt haben, das ihm nicht zustand. Ein nicht rechtskräftiges Strafurteil gibt es bereits. © KLZ/Weichselbraun
 

Die Kärntner Rechtsanwaltskammer braucht selbst rechtliche Hilfe. Denn eine Kärntnerin klagte die Anwaltskammer auf 48.000 Euro. Der Grund: Sie und ihr Lebensgefährte wurden Opfer eines – offenbar – kriminellen Anwaltes. Der Mann hat mittlerweile ein Berufsverbot und wurde am Landesgericht Klagenfurt zu einer Haftstrafe verurteilt (noch nicht rechtskräftig).

Die Anwaltskammer hätte dem Juristen viel früher ein Berufsverbot erteilen müssen, argumentiert die Klägerin. Sie wird von der Wiener Anwältin Brigitte Stampfer vertreten. Die Standesvertretung hätte – trotz mehrerer Disziplinaranzeigen – nichts gegen den Anwalt unternommen. So lauten die Vorwürfe der Klägerin. Gab es Versäumnisse vonseiten der Anwaltskammer? Diese Frage muss nun Zivilrichterin Daniela Bliem klären. Wenn ja, haftet die Anwaltskammer.

Die Klägerin und ihr Lebensgefährte hatten ein altes Haus. „Das wollten wir abreißen und Eigentumswohnungen bauen“, schildern sie. „Der Anwalt hat gesagt, das machen wir alles.“ In der Folge wurde er Treuhänder des Bauprojektes. „Wir haben diesem Anwalt vertraut. Zu sehr, wie wir jetzt wissen.“

Anwalt Bernhard Fink ist Vizepräsident der Kärntner Anwaltskammer und vertritt die Kammer in diesem Fall vor Gericht. Er sagt: „Das, was der Anwalt getan hat, hätte die Anwaltskammer nicht verhindern können.“ Außerdem sei die Klägerin selbst schuld an ihrem Dilemma. Denn der Anwalt habe ein Konto eröffnet, das er nach außen hin als Bauträgerkonto der Klägerin bezeichnete. „Die Frau setzte sogar mehrfach ihre Unterschrift darunter“, betont Fink. Doch in Wahrheit war es das Konto des Anwaltes. So kam er ans Geld der Klägerin.

„Der Anwalt sagte, er braucht ein Konto, damit er Zahlungen für das Bauprojekt tätigen kann. Die Geldsachen hat alle er gemacht“, sagt der Lebensgefährte der Klägerin.

„Aber wie hätte die Anwaltskammer ein Konto prüfen sollen, das auf den Namen der Klägerin läuft?“, fragt Fink.

Die Gegenseite meint, dass die Anwaltskammer „alles unter den Tisch kehren wollte“. Denn schon 2011 und 2012 habe es wegen des Bauprojektes von anderen Wohnungskäufern Disziplinaranzeigen gegen den Anwalt gegeben. Zudem sei bekannt gewesen, dass der Anwalt Zahlungsprobleme hat. „Aber noch 2013 sagte der Anwaltskammerpräsident in einem Interview, es ist alles in Ordnung. Der Anwalt wurde geprüft,“ schildert der Lebensgefährte der Klägerin. „Wir dachten, es passt alles.“ Doch 2014 flog auf, „dass der Anwalt unser Geld genommen hat“. Es wurde vertagt.

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GordonKelz
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