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KärntenAmerikaner graben nach totem Kriegspiloten

In Hohenthurn führen US-Amerikaner derzeit Ausrabungen durch. Sie wollen die Überreste eines 1944 abgestürzten Piloten finden.

Teile des Wracks haben die Studenten schon ausgegraben
Teile des Wracks haben die Studenten schon ausgegraben © KK/Elena Ricci
 

Dezember 1944: Einen Tag vor Weihnachten startet im italienischen Fioggia eine Flugzeugstaffel der Amerikaner einen Erkundungsflug in Richtung Prag. Über Kärnten gerät eine Maschine in Schwierigkeiten. Sie stürzt ab. Der Leichnam des Piloten wurde nie geborgen. Doch das könnte sich bald ändern.

Eine Gruppe amerikanischer Studenten ist dieser Tage in Kärnten, um in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck Ausgrabungen durchzuführen und das Gehemnis um den verschollenen Piloten zu lüften.

„Die Absturzstelle konnte dank Hinweisen auf ein Waldgebiet bei Hohenthurn eingegrenzt werden“, sagt Professor Harald Stadler vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck. Eine maßgebliche Rolle spielten dabei der Lienzer Hobbyhistoriker Roland Domanig und der Einheimische Hermann Kandutsch.

Wir haben die Stelle als Kinder oft erkundet und Metallteile, Hebel sowie Teile der Flugzeug-Armaturen ausgegraben.

Hermann Kandutsch, Einheimischer

Metallteile ausgegraben

Im Ort war die Geschichte des Flugzeugs, das am Tag vor Weihnachten niederging, schon längst bekannt. Kandutsch war es, der das Team aus den Vereinigten Staaten jetzt an die Absturzstelle geführt hat. „In meiner Kindheit war ich oft mit einem Kumpel dort“, erzählt der 72-Jährige. „Wir haben die Stelle erkundet und Metallteile, Hebel sowie Teile der Flugzeug-Armaturen ausgegraben.“

Amerikaner im Gespräch

Archäologe Ryan Gray über das Projekt © Kleine Zeitung

Jahrzehnte später erforscht jetzt Archäologe Ryan Gray, Professor der University of New Orleans, mit seinen Studenten sowe zwei des Institutes für Archäologien der Uni Innsbruck das Gebiet. Es ist ein heißer Julitag. Dutzende gelbe Fähnchen stecken im Waldboden, ein paar Meter weiter hantiert ein junger Mann mit einem Metalldetektor. „Wir sind das Gebiet abgegangen. An den markierten Stellen haben die Geräte angeschlagen“, sagt Gray. Für sein Team ist diese Aufgabe eine ganz besondere Erfahrung. „Normalerweise arbeiten wir im urbanen Raum in New Orleans“, sagt Studentin Alahna Moore. „In dieser schönen Gegend zu sein, mit dem Ziel, die Überreste eines Soldaten zu finden, ist komplett neu für uns“, fügt ihre Kollegin Brittany Waggener hinzu.

Amerikaner im Gespräch

Studentin Brittany Waggener über das Projekt © Kleine Zeitung

Mitten durch das Gebiet führt ein Forstweg. Gleich daneben ist ein unscheinbarer Krater. Hunderte Spaziergänger haben ihn schon passiert, wohl ohne zu ahnen, was sich an dieser Stelle Jahrzehnte zuvor zugetragen hat. „Wir gehen davon aus, dass hier der Rumpf des Flugzeuges aufgeschlagen ist“, sagt Gray. Für die Gruppe ein wichtiger Anhaltspunkt: „Ich bin zuversichtlich, dass wir finden werden, wonach wir suchen.“ Das wäre laut dem Flugzeughistoriker Wolfgang Falch entweder die Seriennummer des Fliegers, die Erkennungsmarke des Piloten, oder ein Knochenstück: „Damit könnte man den Flugzeugtyp und seinen Piloten eindeutig zuordnen.“ Noch bis August laufen die Ausgrabungen. Es bleibt also spannend. Kandutsch: „Schon als Kinder haben wir immer nach der Marke des Piloten gesucht. Wenn sie jetzt tatsächlich gefunden wird, wäre das was ganz Besonderes.“

Noch bis Anfang August führt die Gruppe Ausgrabungen durch
Noch bis Anfang August führt die Gruppe Ausgrabungen durch Foto © Pacheiner

Übrigens: Roland Domanig begibt sich derzeit auch auf die Spuren eines anderen Fliegers. "Nach einem Fliegerarchiv sollte im Bereich Penk, Hohe Tauern, Salzburg oder Kärnten, am 22. Februar 1944 eine deutsche Messerschmitt Bf-109 abgestürzt sein", sagt der Flugzeughistoriker, der herausfinden will, wo die Maschine niederging und nun um Hinweise bittet. "Pilot Heinrich Block überlebte mit dem Fallschirm." Zu erreichen ist Domanig unter der Telefonnummer 0676 386 90 65 oder der E-Mail-Adresse domanig.tirol@utanet.at.

 

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