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Umweltskandal

Zechner: „HCB-Wert noch erschreckend hoch“

Trotz Ersatzfutters wurde bei seinen Rindern erhöhte HCB-Belastung festgestellt, sagt Sonnenalm-Chef im U-Ausschuss. „Hätten uns von den Behörden raschere Hilfe gewünscht.“

„Es geht um unsere Existenz“, sagt Sonnenalm-Chef Hannes Zechner beim HCB-U-Ausschuss
„Es geht um unsere Existenz“, sagt Sonnenalm-Chef Hannes Zechner beim HCB-U-Ausschuss © Gert Eggenberger
 

Altlasten im Boden und der heiße Sommer 2013. Das waren monatelang die Erklärungen der zuständigen Abteilungen des Landes für die erhöhten HCB-Werte im Görtschitztal. Ein folgenschwerer Irrtum, wie man heute weiß.

Ein Irrtum, der früher hätte bemerkt werden können. Eine der Schlussfolgerungen aus den Aussagen von Hannes Zechner vor dem HCB-U-Ausschuss. Bereits in einer Krisenbesprechung am 18. April 2014, an der Fachbeamte des Landes und der Landwirtschaftskammer teilgenommen haben, „hat einer unserer Bauern auf das Zementwerk als möglichen Verursacher hingewiesen“, sagte der Geschäftsführer der Sonnenalm-Molkerei. Erfolglos.
Alle Verantwortlichen hätten zu sehr an die Altlasten-Theorie geglaubt, sagte Zechner vor dem U-Ausschuss. Giftige Reste von Pflanzenschutzmittel im Boden, aus Zeiten, in denen noch HCB-haltige Produkte verwendet werden durften. „Für uns nicht ganz verständlich, da das Görtschitztal nie ein intensives Ackerbaugebiet war.“

Auch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit Experten der Umwelt-, Veterinär- und Argrabehörde, wie sie die Sonnenalm-Bauern nach Bekanntwerden der HCB-Belastung Ende März 2014 gefordert hatten, ist gescheitert. „Uns wurde gesagt, dass eine solche Arbeitsgruppe rund 200.000 Euro kostet, und dass das Budget in den Ressorts ohnehin knapp ist“, erzählt Zechner aus der Besprechung vom 18. April. „Wir hätten uns rasche Hilfe der Behörden gewünscht.“

Werden Tiere getauscht?

Düster ist Zechners Prognose für die Zukunft: „Wir hoffen, dass es nicht so weit kommt, dass wir unsere Tiere austauschen müssen.“ Besonders zuversichtlich, zumindest für seinen eigenen Betrieb, ist Landwirt Zechner nicht. Er habe in den vergangenen Wochen fünf Tiere geschlachtet. „Die in ihrem Fleisch festgestellten HCB-Werte waren erschreckend hoch.“ Auch unter Berücksichtigung, dass HCB in Fleisch nur langsam abgebaut werde. Und dies, obwohl seine Tiere seit längerer Zeit Ersatzfutter bekommen. „Es gibt eine Riesen-Resignation, wir dachten, wir kriegen das rascher in Griff.“ Landesveterinär Holger Remer macht wenig Hoffnung: Das Fleisch werde das ganze Jahr belastet bleiben.

Die Frage, ob das aus Italien und Deutschland stammende Ersatzfutter auf HCB getestet werde, konnte Zechner mit „Ja“ beantworten – mit Einschränkungen. Es gebe Stichproben, er glaube nicht, dass „jede Charge untersucht“ wird. Er, Zechner, lasse jede Futtermittellieferung testen.

Dass nur die Sonnenalm-Molkerei HCB-belastete Milch bekommen habe, schließt Zechner aus: „Jeder unserer Bauern hat nicht nur uns, sondern, wie die übrigen Landwirte aus dem Görtschitztal, auch andere Molkereien mit Rohmilch beliefert.“

JOCHEN HABICH

Kommentare (8)

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Die Sonnenalm ( Zechner ) ist nicht nur Geschädigter , er ist auch , wenn schon nicht Rechtlich , zumindest moralisch ein Mittäter. Und auch bei seinen Lieferanten , finden sich nicht nur Opfer , nein , es sind auch Täter dabei.

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als man wusste, dass die Werte zu hoch waren....

wurde den Sonnenalmbauern geraten ander Molkereien zu beliefern.
-
Begründung: Dort fällt es aufgrund der Masse nicht auf....

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zigarre
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die haben sowieso immer einen Teil ihrer Milch an die Bergland und die OKM geliefert

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7wk9eaf3eids2jhqjj84tg848xjjos0n
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na dann ist es eh egal oder???

aber, dass jemand auf den Gedanken kommt, dass das eventuell strafbar ist, wenn ich bewusst belastete Milch einen Abnehmer liefere. Auf den Gedanken kommst du nicht?

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zigarre
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Das musst mir jetzt aber mal erklären, wie der ein zumindest moralischer Mittäter sein soll?
Soweit ich informiert bin, war er es der unter anderem die Müllverbrennung im Zementwerk verhindern wollte. Die Bürger haben dann aber dafür gestimmt. Man kann Bauern vieles unterstellen, aber das die mit Absicht Ihren eigenen Besitz schädigen, dann doch nicht. Wenn die Argumentation in Richtung Futtermitteltausch vor dem bekannt werden des HCB Skandales geht,
so muss dazu festgehalten werden, dass im Jahr davor durch große Trockenheit zu wenig Heu produziert werden konnte.
Die Bauern die zuwenig Heu hatten, haben im Winter & Frühjahr darauf Futter zukaufen müssen.
Das war übrigens auch in der Kleinen Zeitung falsch dargestellt.

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Digitaluser
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zigarre

Dass der Sonnenalm-Zechner eine "Müllverbrennung" verhindern wolllte ist doch klar. Das kommt von seiner agrarischen Industriefeindlichkeit generell. Dem tut es bei einer solchen Einstellung auch keinen Abbruch, dass etliche seiner Lieferanten - selbst im Zementwerk beschäftigt sind.

Nur: Hie geht es eben um keine "Müllverbrennung" sondern um die umweltgerechte Nutzung der Ablagerungen aus einer kritischen Altdeponie (350.000 Tonnen) von kontaminiertem Blaukalk als Sekundarrohstoff zur Zementerzeugung.

Das ist keine sprachliche Haarspalterei sondern ein Recycling- und nicht ein Entsorgungsverfahren.

Es wäre wohl zu viel verlangt, wenn sich hier Leute zu Wort meldeten, die auch nur eine geringste Ahnung haben worum es im konkreten Fall geht. Zu schön wäre es...

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rosmar
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Vorher hat ER

noch schnell den Sonnenalm-Topfen Preis erhöht, um den Schaden etwas in Grenzen zu halten ! ?
Das ist mir vor allem aufgefallen !

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Politshow

Folgt man den hingenuschelten Halbsätzen("haben vertraut", Holub) und gemurmelten Andeutungen("EMAS-zertifiziert", Jochen), so hat es vom Land Kärnten aus keine Kontrolle der Durchführung gegeben, also der Einbringung, außer den Messungen. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren.
Angesichts des Cocktails an Schwermetallen und toxischen organischen Verbindungen ist das eine grobe Fahrlässigkeit!

Das zu klären wäre eigentlich die Aufgabe der Funk-Kommission! Für eine transparente Darstellung im Zwischenbericht wäre ich dankbar, ich blättere aber natürlich selbst in den Gesetzen!

Daneben gibt es eine Reihe kompetenter Stellungnahmen, die eine HCB-Messung für notwendig erachtet hätten!

Die mögliche Verfälschung von Messdaten hat mit der HCB-Verbrennung nichts zu tun!

Insgesamt muss man sagen, dass der U-Ausschuss nur noch eine Politshow ist. Diese Fragen lassen sich nur durch ein Gericht klären!

Ich eröffne daher hiermit den Seen-Workshop, wo mir bereits die

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