Neu sind sie nicht, die Querschüsse innerhalb des Zentralverbandes slowenischer Organisationen (ZSO), der aus sechs Teilorganisationen besteht. Doch nun kommen sie zu einem brisanten Zeitpunkt: Am 19. November stellt sich bei der Generalversammlung Manuel Jug als Vorsitzender der Wiederwahl. Der junge Pädagoge (25) folgte im März 2019 Marjan Sturm nach, der die Volksgruppenorganisation 27 Jahre als Obmann geführt hat. Sturm war es auch, der neue Wege eingeschlagen hat, den Dialog und Konsens suchte. Im Vorfeld der Ortstafellösung von 2011 wurde er zum wichtigen Mitglied der Konsensgruppe. Zum Kärntner Heimatdienst und dessen damaligem Obmann Josef Feldner wurden Brücken geschlagen, wurde Vergangenes aufgearbeitet, versöhnt und Verständigungs- und Zukunftsarbeit geleistet.

Scharfe Kritik

Genau in diesem Punkt haken jetzt der Verband Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstandes ein. Mit einer Presseaussendung wird im Vorfeld der Generalversammlung gefordert, dass der ZSO die Konsensvereinbarung mit dem Kärntner Heimatdienst, dessen Obmann jetzt Andreas Mölzer ist, aufkündigt. Mölzer sei "Exponent des europäischen Rechtsextremismus", kritisiert der Partisanenverband. Der KHD habe jahrzehntelang als "aggressiv-intolerante Organisation dem Deutschnationalismus den Weg bereitet". Weil der KHD nun Verbündete in den Reihen der slowenischen Volksgruppe suche und finde, so geschehe das "auf Kosten unseres Ansehens in der demokratischen, antifaschistischen Öffentlichkeit und vor allem auch auf Kosten der Widerständigkeit der slowenischen Gemeinschaft", heißt es. "Wir haben nichts, womit wir uns mit den Vertretern des Rechtsextremismus versöhnen könnten, nichts, was uns an die Ideologie des Heimatdienstes bindet." Scharf kritisiert wird, dass der Heimatdienst zum 100-Jahr-Jubiläum der Volksabstimmung ein Denkmal für Hans Steinacher (für dessen Verdienste zur Volksabstimmung 1920, Anm.) setzen ließ. Die Proponenten des Partisanenverbandes bezeichnen Steinacher als "Führer der plebiszitären großdeutschen Propaganda und Naziterroristen". Die Gedenktafel müsse um diesen Part ergänzt oder entfernt werden, lautet die Forderung.

"Einzelstimmen"

Marjan Sturm, in dessen Zeit die Annäherung mit dem Heimatdienst geschah, kennt die Kritik aus den Reihen des Partisanenverbandes seit Langem. "Sie kommen von Kommunisten und Udba-Leuten, das waren immer schon Dialogverweigerer. Sie leben vom Konflikt", spricht er harte Worte. Es seien Einzelstimmen in den ZSO-Reihen, nicht mehrheitsfähig, so Sturm. Er richtet den Kritikern aus: "Der Heimatdienst hat in der Vergangenheit eine üble Rolle gespielt und ist jetzt konstruktiv. Mölzer sagt, die slowenische Volksgruppe muss gefördert werden, sie ist Teil der Kärntner Identität." Jede der sechs ZSO-Teil-Organisationen, darunter etwa der Arge österreichischer Volksgruppen in der SPÖ, habe zehn Stimmen für die Generalversammlung. Jene zehn des Partisanenverbandes seien immer Nein-Stimmen gewesen, auch in seiner Zeit. Die Wiederwahl von Jug, der den Konsensweg von Sturm fortsetzt und bis jetzt ohne Gegenkandidaten ist, sieht Sturm nicht gefährdet.

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Wobei Jug nach Gesprächen mit vielen ZSO-Mitgliedern betont, dass es sein Ziel sei, dass der ZSO sich "jetzt wieder inhaltlich stärker und breiter positioniert. Viele hatten in den letzten Jahren den Eindruck, im ZSO dreht sich alles nur um den Heimatdienst und um Dialogfloskeln. Es müsste aber mehr sein." Jug will jedenfalls am Dialog festhalten. Wenn bei der Generalversammlung eine Resolution eingebracht und beschlossen werde, dann habe er sich als Vorsitzender daranzuhalten, so Jug.