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FamilienfreundlichMamas dürfen Babys mit in die Schule nehmen

Im Massage-Ausbildungszentrum in Klagenfurt nehmen Schülerinnen ihre Kinder zum Unterricht mit. In einer Klasse sind manchmal sogar zwei Babys.

Carina Strugger und Sabine Hanschitz mit Nachwuchs. Bei den Kollegen herrscht ein Griss um die Kinder.
Carina Strugger und Sabine Hanschitz mit Nachwuchs - inmitten der verzückten Kollegen. © KLZ/Markus Traussnig
 

Sie schauen in die Luft, sie spielen  - und sie schlafen während des Unterrichts einfach ein. Und das Beste ist: Sie dürfen das sogar. In der „Kneipp-Akademie“ in Klagenfurt, einem Ausbildungszentrum für Masseurinnen, sind derzeit regelmäßig ein bis zwei Babys oder ein Kleinkind in den Klassenzimmern. Während die Mamas die Schulbank drücken, dürfen sie ihre Kleinen mit in den Unterricht nehmen.

Das hat sich eher zufällig so ergeben. „Denn zwei unserer Schülerinnen sind im ersten Ausbildungsjahr schwanger geworden“, erzählt Ulrike Herzig, Leiterin der Kneipp-Akademie. Damit beide Frauen ihre Ausbildung fertigmachen können, schlug sie den Mamas Folgendes vor: „Nehmt Eure Kinder doch einfach mit in die Schule.“ Sie richtete einen Wickelraum ein, brachte Spielzeug mit – und los ging es.

Babys im Klassenzimmer: Familienfreundlich

Die Kinder im Kreise der Schüler.

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Petra Bernhardt mit Baby Samuel. Bernhardt wurde im ersten Ausbildungsjahrgang schwanger. "Im zweiten Jahr bekam ich die Möglichkeit, meinen Sohn mitzunehmen." Ihr Unterricht ist vor allem Abends. "Ich bin sehr froh, dass ich mein Baby mitnehmen darf." 

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Carina Strugger (links) mit Luca (eineinhalb Jahre). Strugger ist Juristin und macht in der Bildungskarenz den Tageskurs zum medizinischen Masseur, weil ihr Mann eine Frühstückspension hat. Nach dem Kurs arbeitet die zweifache Mutter wieder als Juristin.

Sabine Hanschitz mit Baby mit Lea-Marie (viereinhalb Monate). "Im Herbst 2017 begann ich mit der Ausbildung und wurde später überraschend schwanger." Im September 2018 kam Lea-Marie. Jetzt macht Hanschitz mit ihrer Tochter gemeinsam die Ausbildung weiter - bis die Mama im Juni 2019 eine abgeschlossene Ausbildung als Heilmasseurin hat.

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Auch die anderen Schüler freuen sich über die Babys. "Die Mitschüler unterstützen uns sehr", sind die Müter froh.

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"Wenn ein Kind einmal weint oder in Ruhe gewickelt werden muss, können wir in einen anderen Raum gehen. Das wurde extra so organisiert", schildern die Mamas.

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Im Alter von zweieinhalb Monaten wurde Lea-Marie (rechts) das erste Mal zum Unterricht mitgenommen. Ihre Mama fährt mit ihr vom Mölltal nach Klagenfurt.

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Auch die Kinder dürfen das Massagebett ausprobieren.

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Petra Bernhardt sagt: "Zuerst habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht, ob alles klappen wird. Aber jetzt bin ich froh, dass ich es versucht habe, mit Baby gemeinsam die Ausbildung zu machen."

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Fast alle machen die Kneipp-Akademie im zweiten Bildungsweg. Sabine Hanschitz (37) sagt: „Ich wurde während der Ausbildung überraschend mit Lea-Marie schwanger. Vielleicht auch, weil wir bei den Massagen mit Energiefeldern arbeiten und das so entspannend wirkt“, lacht sie. „Angeblich gibt es ja fast in jedem Lehrgang eine Schwangere.“ Im September 2018 brachte Hanschitz ihre Tochter zur Welt. „Als Lea-Marie zweieinhalb Monate alt war, nahm ich sie erstmals zur Schule mit. Anfangs war ich sehr aufgeregt. Aber Kollegen und Vortragende unterstützen mich voll. Selbst wenn Lea-Marie mal weint, bleiben alle entspannt.“ Heuer finden die meisten Unterrichtseinheiten abends statt und dauern vier Stunden. Hanschitz fährt mehrmals wöchentlich vom Mölltal bis Klagenfurt: Jedes Mal, wenn der Papa keine Zeit hat, bringt sie ihre Tochter zum Unterricht mit. Ganz zur Freude der Kollegen.

Petra Bernhardt mit Baby Samuel, das einen skeptischen Blick in die Kamera unseres Fotografen wirft. Foto © KLZ/Markus Traussnig

Manchmal sind sogar zwei Babys in einer Klasse. Denn neben Hanschitz wurde noch eine weitere, angehende Heilmasseurin schwanger: Petra Bernhardt (41) aus Maria Saal brachte ihren Samuel zur Welt. Er ist rund drei Monate alt und darf ebenfalls mit in die Schule. „Samuel hat dort alles, was er braucht.“ Von den Schulkolleginnen wird „das Baby richtig umschwärmt“, lächelt Bernhardt. Natürlich sei es manchmal stressig – mit Baby und Ausbildung und dem Lernen. „Aber ich bin froh, dass wir die Chance haben, unsere Kinder mitzunehmen und so die Ausbildung abschließen können.“ Wenn alles klappt, sind Hanschitz und Bernhardt ab Juni 2019 ausgebildete Heilmasseurinnen.

Mama, Juristin und Zusatzausbildung

Etwas anders ist die Situation bei der zweifachen Mutter Carina Strugger (32) aus Krumpendorf. Sie ist studierte Juristin und macht nun eine Zusatzausbildung als medizinische Masseurin. „Mein Mann hat eine Frühstückspension und künftig wollen wir den Gästen auch Wellness bieten“, erklärt sie. Sie besucht derzeit einen Tageskurs und wird  danach wieder als Juristin arbeiten. Ihre Söhne Marco (dreieinhalb) und Luca (eineinhalb) darf Strugger in die Schule mitnehmen, wenn sie will. „Das ist toll und erleichtert vieles“, sagt Strugger. Stundenweise hat sie ab und zu eines ihrer Kinder im Unterricht mit. Die packen dann ihr Lego aus und spielen.

So (kinder-)leicht kann Familienfreundlichkeit sein.

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