Dossier
Untreueverdacht

Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen zu Bischof Schwarz aus

Bisher war nur der umstrittene Vertrag mit Ex-Bildungshauschefin Andrea Enzinger ein Thema. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Graz auch die Prüfberichte zum Bistum Gurk angefordert.

Es ist ein einzigartiger Kriminalfall: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bischof – wegen Untreue.

Begonnen hat die ungewöhnliche Causa am 3. Oktober 2018: Andrea Enzinger, von der neuen Kärntner Kirchenleitung unter Administrator Engelbert Guggenberger gekündigte Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee, zog vor Gericht. Sie klagte gegen ihre Kündigung. Der Schuss, ging allerdings nach hinten los: Richter Helfried Kandutsch leitete die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft (StA) Klagenfurt weiter. Er sah einen Untreueverdacht bei Enzinger.

Um sich nicht dem Verdacht der Befangenheit auszusetzen „wanderte“ der Akt an die StA Graz. Die begann im Oktober zu ermitteln: Im Zentrum stand damals „nur“ das Gehalt von Enzinger als Bildungshausleiterin (91.000 Euro brutto pro Jahr plus Dienstwagen und -wohnung) und ihr Dienstvertrag.

Zusatzvereinbarung

Dieser wurde, nach dem Wechsel von Alois Schwarz von der Diözese Gurk-Klagenfurt in die Diözese St. Pölten, mit einer Zusatzvereinbarung abgeändert und damit gültig bis zur Neubestellung eines Gurker Bischofs. Zudem sei der Vertrag vorab nicht den zuständigen Gremien vorgelegt worden. Mittlerweile haben sich Enzinger und Bistum außergerichtlich geeinigt.

Der juristische Ärger ist der ehemaligen Bildungshaus-Chefin Enzinger aber geblieben – und hat auch Bischof Schwarz erfasst. Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt gegen ihn, ebenfalls wegen Untreueverdachts.

Die Ermittlungen wurden nun ausgeweitet und umfassen nicht mehr nur Enzingers Vertrag. Die Staatsanwaltschaft hat, wie aus Kirchenkreisen zu hören ist, die insgesamt drei Prüfberichte zum Bistum angefordert. Schon die sechsseitige, veröffentlichte Zusammenfassung zeichnet ein ungutes Bild des Bistums in den Jahren 2014 bis 2017. Die Rede ist von fehlender Kontrolle, Millionenabgängen, verfehlten Planungen und umstrittenen Projekten.

"Prüfen in jede Richtung"

„Wir werden alle sich aus den Prüfberichten ergebenden Sachverhalte in jede Richtung auf ihre strafrechtliche Relevanz prüfen“, sagt Christian Kroschl, Sprecher der StA Graz. Man stehe erst am Anfang der Ermittlungen in dem, selbst für die Staatsanwaltsschaft Graz aufsehenerregenden Fall.

Der könnte noch mehr Aufsehen erregen: Geprüft werden sollen auch „Liegenschaftsverkäufe, die im Zusammenhang mit Großspenden für kirchliche Projekte stehen“, wie sie Finanzkammerdirektor Franz Lamprecht Ende des Vorjahres öffentlich machte. Dabei geht es auch um fünf Wohnungen am Wörthersee, die 2014 von der Kirche um 1,5 Millionen Euro an Gaston Glock verkauft worden sind. Angeblich zu günstig.

Außer Schwarz und Enzinger gibt es derzeit keine weiteren Verdächtigen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Untreueverdacht

Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen zu Bischof Schwarz aus

Bisher war nur der umstrittene Vertrag mit Ex-Bildungshauschefin Andrea Enzinger ein Thema. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Graz auch die Prüfberichte zum Bistum Gurk angefordert.

Es ist ein einzigartiger Kriminalfall: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bischof – wegen Untreue.

Begonnen hat die ungewöhnliche Causa am 3. Oktober 2018: Andrea Enzinger, von der neuen Kärntner Kirchenleitung unter Administrator Engelbert Guggenberger gekündigte Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee, zog vor Gericht. Sie klagte gegen ihre Kündigung. Der Schuss, ging allerdings nach hinten los: Richter Helfried Kandutsch leitete die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft (StA) Klagenfurt weiter. Er sah einen Untreueverdacht bei Enzinger.

Um sich nicht dem Verdacht der Befangenheit auszusetzen „wanderte“ der Akt an die StA Graz. Die begann im Oktober zu ermitteln: Im Zentrum stand damals „nur“ das Gehalt von Enzinger als Bildungshausleiterin (91.000 Euro brutto pro Jahr plus Dienstwagen und -wohnung) und ihr Dienstvertrag.

Zusatzvereinbarung

Dieser wurde, nach dem Wechsel von Alois Schwarz von der Diözese Gurk-Klagenfurt in die Diözese St. Pölten, mit einer Zusatzvereinbarung abgeändert und damit gültig bis zur Neubestellung eines Gurker Bischofs. Zudem sei der Vertrag vorab nicht den zuständigen Gremien vorgelegt worden. Mittlerweile haben sich Enzinger und Bistum außergerichtlich geeinigt.

Der juristische Ärger ist der ehemaligen Bildungshaus-Chefin Enzinger aber geblieben – und hat auch Bischof Schwarz erfasst. Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt gegen ihn, ebenfalls wegen Untreueverdachts.

Die Ermittlungen wurden nun ausgeweitet und umfassen nicht mehr nur Enzingers Vertrag. Die Staatsanwaltschaft hat, wie aus Kirchenkreisen zu hören ist, die insgesamt drei Prüfberichte zum Bistum angefordert. Schon die sechsseitige, veröffentlichte Zusammenfassung zeichnet ein ungutes Bild des Bistums in den Jahren 2014 bis 2017. Die Rede ist von fehlender Kontrolle, Millionenabgängen, verfehlten Planungen und umstrittenen Projekten.

"Prüfen in jede Richtung"

„Wir werden alle sich aus den Prüfberichten ergebenden Sachverhalte in jede Richtung auf ihre strafrechtliche Relevanz prüfen“, sagt Christian Kroschl, Sprecher der StA Graz. Man stehe erst am Anfang der Ermittlungen in dem, selbst für die Staatsanwaltsschaft Graz aufsehenerregenden Fall.

Der könnte noch mehr Aufsehen erregen: Geprüft werden sollen auch „Liegenschaftsverkäufe, die im Zusammenhang mit Großspenden für kirchliche Projekte stehen“, wie sie Finanzkammerdirektor Franz Lamprecht Ende des Vorjahres öffentlich machte. Dabei geht es auch um fünf Wohnungen am Wörthersee, die 2014 von der Kirche um 1,5 Millionen Euro an Gaston Glock verkauft worden sind. Angeblich zu günstig.

Außer Schwarz und Enzinger gibt es derzeit keine weiteren Verdächtigen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Interview

Erzbischof Lackner: "Ein klares Nein für Schönfärberei"

Erzbischof Franz Lackner zur Visitation der Kärntner Kirche. Mit Vorwürfen, wie es sie gegen Bischof Alois Schwarz gibt, könnte er nicht leben. Der nächste Termin in Kärnten ist für 25. und 26. Jänner fixiert.

Sie haben das erste Gespräch mit der Kärntner Diözesanführung hinter sich: Wie ist es gelaufen?
FRANZ LACKNER: Wir haben uns ausführlich und sehr ehrlich auseinandergesetzt. Es war viel wahrzunehmen und auszuräumen. Ich bin innerlich über das Gehörte fast ein bissl erschüttert. Wir haben an einer Vertrauensbasis gearbeitet; für einen Minimalkonsens, der niemanden überfordert: Wir alle wollen uns ehrlich der Wahrheit stellen. Das Domkapitel, aber ich auch, sind mit großen Bedenken ins Gespräch gegangen. Nun ist Erleichterung da.

Gibt es eine Vertrauensbasis?
Ich verneine es nicht. Wir sind uns auf ehrlichem Terrain begegnet. Einige Befürchtungen sind ausgeräumt und Sorgen klar beantwortet worden.

Wie geht es weiter?
Wir brauchen jetzt viele Unterlagen, um sie zu studieren. Am 25. und 26. Jänner gibt es einen Doppeltermin in Kärnten. Mitte Feber soll es einen Sprechtag geben.

Die Kärntner Kirchenleitung hat sich im Vorfeld als „maximal kooperativ“ erklärt, aber rote Linien abgesteckt: Sollte es Verschleierung, Schönfärberei oder Weichspülerei geben, werde man auch in Zukunft nicht schweigen.
Das verstehen wir. Ich zitiere Bischof Benno Elbs, der beim Gespräch gesagt hat: Wir fahren nicht durch Lawinengebiete nach Kärnten, um dann Schönfärberei zu machen. Das gilt für alle im Team.

Wenn so schwerwiegende Vorwürfe gegen einen amtierenden Bischof öffentlich und mit Zahlen unterlegt da sind: Wäre es nicht angebracht, dass Bischof Alois Schwarz sein Amt in St. Pölten für die Zeit der Überprüfung ruhend legt?
Das geht kirchenrechtlich nicht so einfach. Ich will keinem Bischof eine Botschaft ausrichten. Ich könnte mit solchen Vorwürfen nicht leben.

Sie kündigen größtmögliche Transparenz an. Werden Sie sich in Rom dafür einsetzen, dass Ihr Prüfbericht öffentlich wird?
Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Rohbericht der Kärntner Kirchenleitung zur Stellungnahme zugestellt wird. Ob der Schlussbericht öffentlich wird, das ist mit Rom abzuklären.

Was sagen Sie jenen, die ihren Kirchenaustritt vom Ausgang der Visitation abhängig machen?
Man soll nicht austreten. Ich habe Verständnis für Ärger, Enttäuschung. Es geht um die Glaubensgemeinschaft. Wir werden uns bemühen, die Wahrheit so gut wie möglich zu erringen. Sie fällt uns nicht in den Schoß. Die Arbeit verlangt viel ab, sie kostet Substanz.

Missstände in der Kirche: So denkt die Bevölkerung

Die Kärntner Kirchenführung wird aktuell unter die Lupe genommen. Anlass sind die heftigen Turbulenzen seit dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz von Klagenfurt nach St. Pölten im Juli des Vorjahres. Schwarz ist mit schweren Vorwürfen zu seiner Ära in Kärnten konfrontiert. Wir haben uns in Klagenfurt umgehört, wie die Bevölkerung darüber denkt.

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Visitation hat begonnen

Ära Schwarz: Bischof Lackner bittet um Verzeihung

Im Auftrag des Papstes führt der Salzburger Erzbischof am Montag erste Gespräche mit der Kärntner Kirchenführung. Im Vorfeld präsentiert er der Öffentlichkeit Infos zur Prüfung.

Tag eins der apostolischen Visitation der Kärntner Kirche durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner.  Anlass sind die heftigen Turbulenzen seit dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz von Klagenfurt nach St. Pölten im Juli des Vorjahres. Schwarz ist mit schweren Vorwürfen zu seiner Ära in Kärnten konfrontiert. Lackner gab im Vorfeld der ersten Gesprächsrunde mit der interimistischen Diözesanführung eine Pressekonferenz in Klagenfurt und stellt die von ihm zusammengestellte Arbeitsgruppe vor.

Grundsätzlich stellte Lackner klar, dass die Visitation "eine Sachverhaltserhebung und nicht Urteilsfällung" sei. Die Visitation laufe in enger Abstimmung mit der Kongregation für die Bischöfe in Rom. Die Lage der Ortskirche in Kärnten und ganz Österreich sollte gemäß dem Dekret mit in den Blick kommen. Als erster Schritt gelte es "zu hören, wahrzunehmen, die Ursachen zu finden, die zu dieser leidvollen Entwicklung geführt haben". Man fange so vorurteilsfrei wie möglich an. Erneut betonte Lackner, dass die Visitation das Ganze betreffe: Geprüft werde der Zeitraum ab 2008, also die Ära Alois Schwarz aber auch die Sedisvakanz. Das ist der Zeitraum unter Administrator Engelbert Guggenberger, der seit dem Weggang von Schwarz die Kärntner Kirche leitet.

Lackner kündigte an, "dass wir so transparent wie nur möglich sind". Doch laufende Untersuchungen würden nicht öffentlich kommentiert.

Auffallend war, dass der Erzbischof als Metropolit (also für die Diözese Gurk-Klagenfurt Zuständiger) gleich in seinem ersten öffentlichen Statement "aus tiefstem Herzen um Verzeihung bat: Jene, denen Unrecht geschehen ist, aber auch alle, die durch Intransparenz kirchenbehördlichen Handelns das Vertrauen in die Kirche verloren haben."

Bemerkenswert auch der Hinweis, dass er Informationen über Alois Schwarz in der Vergangenheit zwar an die zuständige kirchliche Oberbehörde weitergegeben habe. Er hab es aber verabsäumt, dazu das direkte Gespräch mit Schwarz zu suchen. Später, als sich Lackner umfassend den Fragen der Journalisten stellte, begründete er weiter: "In der Kirche sind wir von der Würde, von Ehrfurcht geprägt; dass man als Person unangreifbar ist. Das war auch mein Fehler als Mitbruder."

Die Visitation solle "zum vertrauensvollen Neuanfang verhelfen", so Lackner. Herangezogen werde auch der Prüfbericht der Arbeitsgruppe Bistum, der wider die Weisung von der jetzigen Kirchenführung öffentlich gemacht wurde und Bischof Schwarz im Bistum Misswirtschaft vorwirft. In der Zeit der Visitation müsse Administrator Guggenberger bei wichtigen Fragen und Entscheidungen Rückfragen stellen. "Die Diözesanleitung ist handlungsfähig. Autark kann man nicht sagen", so Lackner. Ohne das Wort Befangenheit auszusprechen, die ihm als Visitator im Vorfeld vorgeworfen worden war, betonte er: "Ich bin nicht bester Freund von Bischof Schwarz. Das stimmt nicht. Ich bin mit keinem Bischof bester Freund."

 Um 10.30 Uhr begann das erste Visitationsgespräch im Bischofshaus in Klagenfurt. In der Prüfgruppe von Lackner sitzen der Vorarlberger Bischof Benno Elbs, der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck, der Grazer Spitalsleiter Christian Lagger,  Kirchenrechtsexperte Helmuth Pree aus München sowie Elisabeth Kandler-Mayr, Ordinariatskanzler der Erzdiözese Salzburg.  . Von Seiten der Kärntner Kirchenleitung sitzen Administrator Engelbert Guggenberger und die Mitglieder des Gurker Domkapitels, darunter Jakob Ibounig, Gerhard Kalidz und Peter Allmaier am Tisch, ebenso der Chef der Finanzkammer Franz Lamprecht sowie Rechtsreferent Burkhard Kronawetter.

Foto ©

"Maximal kooperativ" und rote Linie

Von Kärntner Seite heißt es, man werde "maximal kooperativ" sein. Es wird allerdings auch unmissverständlich klargestellt, dass man für Verschleppung, Schönfärberei und Weichspülerei" nicht zur Verfügung stehen werde. Da würde es "eine rote Linie geben. Sollte die überschritten werden, so wird das Domkapitel auch in Zukunft nicht schweigen", wird klargelegt. Bekanntlich hat Guggenberger, vom Domkapitel assistiert, wider die Weisung aus Rom den Prüfbericht zum Bistum der Ära Schwarz veröffentlicht. Der bisherige Weg "der Transparenz, Klarheit und Ehrlichkeit wird fortgesetzt und ist bis zum Ende der Visitation alternativlos", hält die Kärntner Diözesanleitung fest.

 

Kärnten

Start der Visitation mit Fragen zum Prüfauftrag

Dekret aus Rom, das der Kleinen Zeitung vorliegt, hat nicht Prüfung der Ära Schwarz als Schwerpunkt, sondern derzeitige Kirchenführung. Aufregung sorgte für Nachbesserung. Jetzt wird hinterfragt, welche Zusatzaufträge es noch gibt.

In der Katholischen Kirche Kärnten wird der 14. Jänner 2019 zum besonderen Datum. Es ist Tag eins der apostolischen Visitation durch den vom Papst beauftragen Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Die schweren Vorwürfe zur Kärnten-Ära von Bischof Alois Schwarz waren der Anlass. Lackner wird heute Vormittag bei einem Pressetermin darstellen, wie die Prüfung der Kärntner Kirche ablaufen soll und sein Prüfteam vorstellen. Danach beginnen die Gespräche im Bischofshaus, die bis zum Nachmittag dauern sollen.

Nachbesserung

Die brisante Frage ist, was dezidiert im Prüfauftrag aus Rom steht und was nachträglich ausgeweitet wurde, nachdem es innerkirchliche wie mediale Empörung gab. Der Kleinen Zeitung liegt das Dekret vom 18. Dezember 2018 in lateinischer Sprache wie in der deutschen Übersetzung vor. Es wird deutlich, dass der Schwerpunkt der Visitation auf die Zeit der Sedisvakanz, also auf die interimistische Kirchenführung nach der Ära Schwarz, hätte gelegt werden sollen. „Papst Franziskus überträgt das Amt des Apostolischen Visitators Erzbischof Franz Lackner, damit er den Zustand der Diözese Gurk in Bezug auf die katholische Doktrin und die Regierung der Diözese untersuche und nach der Untersuchung der tieferen Ursachen der gegenwärtigen Verwirrung Bericht erstatte.“ Für die Kärntner Kirchenführung bedeutete das, dass von ihr gesetzte Maßnahmen auf kirchenrechtliche Rechtmäßigkeit hin überprüft werden – nicht aber die Ära Schwarz im Bistum. Die Formulierung „tiefere Ursachen der gegenwärtigen Verwirrung“ gilt als Hinweis, dass es auch um die Ära Schwarz gehe. Wobei Bischof Schwarz im Dekret nicht genannt wird.

Vollmacht fürs Revidieren

Dass es Rom vor allem um die Sedisvakanz geht, macht auch die Vollmacht des Papstes an den Visitator deutlich, „Handlungen des Administrators, die gegen die Vorschriften des Kanons 428 §1 gesetzt wurden, zu revidieren“. Laut Kanon 428 darf in der Sedisvakanz nichts verändert werden, was eine Beeinträchtigung der Diözese oder der bischöflichen Rechte mit sich bringen könnte. In Kärnten wird hinterfragt: „Hätte der rechtswidrige Zustand im Bistum, wo Kontrollgremien ausgeschaltet waren, belassen werden sollen?

Erweiterung auf "das Ganze"

Vergangenen Freitag stellte Erzbischof Lackner klar, dass „das Ganze“ geprüft werde, auch die Ära Schwarz zurück bis ins Jahr 2008. Die Kärntner Kirchenführung hinterfragt, ob es noch weitere Ergänzungen zum ursprünglichen Dekret gibt. Diese Frage soll im montägigen ersten Gespräch geklärt werden.

Ära Bischof Schwarz

Zehn Fragen zur Mission des Visitators

Im Auftrag des Papstes startet Erzbischof Lackner am Montag mit der Kontrolle der Kärntner Kirche. Es geht um die Ära von Bischof Schwarz und die jetzige Kirchenleitung. Viele Konsequenzen sind möglich.

1. Was bedeutet die apostolische Visitation der Kärntner Kirche, die am Montag beginnt?
Es soll eine „transparente Klärung“ sein, die im Auftrag des Papstes erfolgt. Während jeder Bischof routinemäßig seine Pfarren visitiert, ist eine apostolische Visitation selten und anlassbezogen. In Kärnten sind die Vorwürfe gegen Bischof Alois Schwarz in seiner Ära in der Diözese Gurk-Klagenfurt der Anlass. „Eine Unruhe, die die Diözese seit Jahren erfasst hat, ist mit der Sedisvakanz (Zeit ohne Bischof, Anm.) aufgebrochen“, heißt es. Durch die Prüfung von übergeordneter Stelle soll eine gute pastorale Entwicklung ermöglicht werden.

2. Wann gab es zuletzt eine apostolische
Visitation in Österreich?
2004 visitierte der damalige Vorarlberger Bischof Klaus Küng die Diözese St. Pölten. Anlass war die Affäre im Priesterseminar. Bischof Krenn trat in der Folge zurück, Küng wurde Bischof von St. Pölten.

3. Warum wurde der Salzburger Erzbischof Franz Lackner von Rom zum Visitator für Kärnten bestellt?
Im Normalfall wird der Metropolit, also der für eine Diözese zuständige Erzbischof, bestellt. Für Gurk-Klagenfurt ist es Franz Lackner. Hätte Rom nicht Lackner ernannt, wäre das als Misstrauen ihm gegenüber ausgelegt worden. Allerdings gibt es Kritik, zuletzt auch vom Salzburger Dogmatikprofessor Hans-Joachim Sander: Lackner wäre gut beraten gewesen, zu sagen, dass er befangen sei. Auch in Priesterkreisen wird darauf hingewiesen, dass Lackner und Schwarz eine persönliche Freundschaft verbinde. Zudem sitzt Lackner seit Jahren in der Bischofskonferenz und sei deshalb bestens über die Causa Schwarz und die Vorwürfe gegen diesen informiert gewesen.

4. Wie reagiert der
Visitator auf die Vorwürfe der Befangenheit?
Erzbischof Franz Lackner deponierte, dass er Sorge tragen werde, dass die Visitation „in großer Objektivität stattfinden wird“. Aus Salzburg heißt es, „der Herr Erzbischof wird an seiner Arbeit zu messen sein“. Seine erste Aufgabe in Kärnten sei es, zu hören. „Mit größtmöglicher Offenheit werde ich auf alle Seiten zugehen und alles prüfen.“ In Kärnten betonen manche, dass der Prüfbericht der Arbeitsgruppe Bistum zur Ära Schwarz ohnehin bereits vorliege.

5. Wie lautet der Prüfauftrag aus Rom?
Der Prüfauftrag aus Rom wurde per päpstlichem Dekret an Erzbischof Lackner übermittelt. Laut Kathpress soll „der Zustand der Diözese Gurk-Klagenfurt in Bezug auf die katholische Lehre und Leitung in Augenschein genommen werden, das heißt, die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten, zu erforschen und dem Heiligen Stuhl zu berichten“. In Kärnten herrschte zuletzt Aufregung, weil es hieß, dass nur die Zeit der Sedisvakanz, also jene von Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger als Interimsleiter, geprüft werde. Freitag stellte Erzbischof Lackner klar, dass „das Ganze“ geprüft werde: das Wirken der jetzigen Kirchenleitung und die letzten zehn Jahre der Ära Schwarz. In Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom sei der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt worden. Innerkirchlich wird Letzteres von manchen als Ausweitung des ursprünglichen Prüfauftrages gesehen.

6. Stimmt es, dass der Visitator auch den Auftrag hat, Akte der jetzigen Kirchenleitung zu revidieren, die gegen das Kirchenrecht verstoßen, wonach während der Sedisvakanz nichts verändert werden darf?
Einen entsprechenden Passus im Prüfauftrag zitiert „Die Presse“. Es sei dem Diözesanadministrator untersagt, etwas zu tun, was eine Beeinträchtigung der bischöflichen Rechte mit sich bringen könnte. Guggenberger und das Domkapitel als Entscheidungsgremium haben seit Juli Dienstverträge beendet und die Chefsessel im Bildungshaus St. Georgen/Längsee, im Bistum und in der Finanzkammer der Diözese neu besetzt. Als Paket präsentiert wurde zudem: Die Verwaltungseinheiten von Diözese und Bistum wurden verschränkt, um künftig bischöfliche teure Alleingänge zu verhindern. Erstmals soll es eine Offenlegung des Rechnungsabschlusses des Bistums geben. Diese Maßnahmen gelten für die Zeit der Sedisvakanz, betonte Kanzler und Kirchenrechtsexperte Jakob Ibounig bei der Bekanntgabe Mitte Dezember. Über die Zeit danach habe der neue Kärntner Bischof zu entscheiden. Wobei man davon ausgehe, „dass dieser die Korrekturen dankend annimmt, um unbefangen starten zu können“.

7. Wie lange soll die
Überprüfung dauern?
Erzbischof Lackner sprach zuletzt davon, dass er und die von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe bis zum Beginn der Fastenzeit (der Aschermittwoch fällt auf den 6. März) tätig sein wolle. Details zur Prüfung wird er Montagvormittag mit dem Visitationsteam bei einem Pressetermin in Klagenfurt der Öffentlichkeit bekannt geben. Da soll klar werden, ob Guggenberger und das Domkapitel in der Zeit der Visitation Entscheidungen treffen dürfen. Oder ob diese der Visitator trifft. Oder ob dieser nur ein Fragender und Hörender ist. Montag findet das erste Arbeitsgespräch mit Guggenberger und dem Domkapitel statt.

8. Wer ist im Prüfteam mit dabei?
Bis jetzt sind der Vorarlberger Bischof Benno Elbs und der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck offiziell bestätigt. Im Team sollen zudem der Grazer Spitalsleiter Christian Lagger und Kirchenrechtsexperte Helmuth Pree aus München sein.

9. Was passiert in der Folge mit dem Prüfbericht?
Der Visitator muss ihn dem Papst übermitteln, er ist nur diesem gegenüber verpflichtet. Die Kärntner Kirchenleitung müsste den Prüfbericht gar nicht erhalten, erwartet das allerdings im Sinne von Transparenz.

10. Was können Konsequenzen aus der apostolischen Visitation sein?
Das ist selbst für Kirchenexperten „völlig offen“ und deshalb Anlass für Spekulationen: Es könnte „eh alles passen“. Es könnte eine Rücktrittsaufforderung für Bischof Schwarz geben. Guggenberger könnte als Administrator abgesetzt werden und Rom einen apostolischen Administrator einsetzen. Viele rechnen damit, dass Rom eher rasch nach der Visitation einen neuen Bischof für Kärnten ernennt, um eine neue Ära einzuläuten.

Analyse

Das System eines angezählten Bischofs

Enge Berater, enge Beziehung, fehlgeleitete Macht und Misswirtschaft. Die Ära von Alois Schwarz als Kärntner Bischof ist von schweren Vorwürfen begleitet. Jetzt steht die vom Papst angeordnete Überprüfung bevor.

Es war drastisch und für manche in der Klarheit bereits befremdlich, was in den letzten Monaten und Tagen an Details über die Ära von Bischof Alois Schwarz in Kärnten öffentlich wurde. Für andere waren die Fakten, die medial längst über die Grenzen Österreichs hinaus reichen, nichts Neues; seit Jahren sind sie auch durch Berichte der Kleinen Zeitung bekannt, bekamen aber in der Zusammenfassung neue Wirkung.
Vom „System Schwarz“ ist die Rede. Was das ist? Es geht nicht um Einzelereignisse in der Kärntner Kirche seit 2001, seit Alois Schwarz hier Egon Kapellari ablöste. Es geht um den Führungs- und Lebensstil des Bischofs, um das Abhängigkeitsverhältnis von einer Frau, jetzt als „Schattenbischöfin“ bezeichnet, um Vorwürfe der Misswirtschaft im Bistum, dem millionenschweren Mensalgut, also der Privatschatulle des jeweiligen Kärntner Bischofs.

Der leutselige Niederösterreicher Schwarz, Bauernsohn und Jäger, folgte auf den intellektuellen, kunstsinnigen Kirchenchef Kapellari, fand schnell Zugang zu den Kärntner Gläubigen, zu Liedgut und Brauchtum, war für seine Predigten geschätzt.

Enge Berater

Bald wurde auch anders wahrgenommen. Schwarz, im Grunde seines Wesens misstrauisch, begab sich in enge Abhängigkeiten von Beratern, was kirchenintern für Unmut sorgte. Zuerst war es ein Coach aus Deutschland, dann Priester und Psychotherapeut Hermann Josef Repplinger, ehe Andrea Enzinger (vorerst intern als Frau E bezeichnet), eine Lehrerin, auftrat. Sie begann im neu geschaffenen Pilgerbüro der Kirche. Fortan gab es kein Projekt, kein Gremium, bei dem „die E“ nicht dabei und zunehmend machtvoll an der Seite des Bischofs auftrat.

Gerüchte über eine Beziehung entstanden. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden die Nuntiatur, der Kardinal und Bischofskollegen informiert. Anonym aber auch unmittelbar von Priestern und hohen Amtsträgern, die die Abhängigkeit des Bischofs aufzeigten. Anonym zugespielte Liebesbriefe kursierten.

Erste Visitation

Eine bischöfliche Visitation 2008 durch Alois Kothgasser hatte zwar die Order zur Folge, dass Enzinger aus dem Umfeld des Bischofs abzuziehen sei. Doch das war nicht lange der Fall. Sie wurde Projektassistentin des Bischofs, hatte ihren Schreibtisch in dessen Büro, stieg zuletzt zur Leiterin des Bildungshauses St. Georgen am Längsee auf, ein Bistumsbetrieb, wo sie Seite an Seite mit Schwarz ihre Dienstwohnung hatte. „Obszön“, so bewertete Kanzler Jakob Ibounig das im Zuge des Arbeitsgerichtsprozesse öffentlich gewordene Jahresgehalt von 91.000 Euro plus Dienstwagen und Dienstwohnung. Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Schwarz und Enzinger.

Rufe nach Rücktritt

„Affären, Macht, Intrigen“, titelte das Magazin News im Sommer vor dem Wechsel von Schwarz nach St. Pölten. Im Offenen Brief der ehemaligen Präsidentin der Katholischen Aktion und Studienkollegin von Schwarz, Gerda Schaffelhofer, hieß es zuletzt in der Kleinen Zeitung: „Die Spatzen pfiffen es vom Dach, dass du deiner Lebensfrau ausgeliefert, wie Wachs in den Händen bist. In jedem kleinen Bergdorf wurde man auf euer Verhältnis angesprochen. Wie sehr die Frau Bischöfin das Sagen in allem und jedem hatte, das ging zu weit“.
Das, was lange intern ausgesprochen worden war, wurde zuletzt auch öffentlich in aller Deutlichkeit deponiert. Schaffelhofer legte Schwarz nahe, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen. Andere Stimmen riefen bereits nach Rücktritt.

Fehlgeleitete Macht

Das Problem der Amtsführung von Bischof Schwarz in Kärnten war die Macht, die er abgab und wie er Enzinger gewähren ließ. Dass Schwarz mit 1. Juli 2018 nach St. Pölten versetzt wurde, sollte der Entflechtung der Beziehung dienen - und weniger der Heimkehr ins Heimatbundesland. Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte davor sein Engagement des ehemaligen Geheimdienstchefs Gert-Rene Polli. Durch ihn ließ Schwarz den Verfassern anonymer Schreiben aus Mitarbeiterkreisen nachspüren, wie die Kleine Zeitung aufzeigte.

Millionenverluste

In der Bischofskonferenz ist Schwarz für Wirtschaft und Finanzen zuständig. Im millionenschweren Bistum Gurk, wo er ein Ethikinstitut installierte, lief vieles aus dem Ruder: Finanziell, personell, im Umgang mit den Mitarbeitern, Kündigungen, enorme Personalfluktuation. „Misswirtschaft“ zeigt der Prüfbericht auf, der in der Phase der interimistischen Kärntner Kirchenführung von einer Arbeitsgruppe samt Wirtschaftsprüfer seit Sommer erstellt wurde. 2016 und 2017 gab es Millionenverluste. Hohe Abgänge auch im Bildungshaus, wo groß investiert wurde.

Schwarz weist Vorwürfe zurück

Schwarz weist alle Vorwürfe zurück. Man müsse Jahre haben, in denen man investiert und Jahre, in denen man Gewinne mache. Säen und Ernten. Im Sommer deponierte er in einem ORF-Interview: „Ich habe einen korrekten Umgang mit Frauen in der Diözese. Gerüchte kommentiere ich nicht.“

Engelbert Guggenberger, in der Ära Schwarz loyaler Generalvikar, wurde nach dessen Abgang zum Diözesanadministrator und damit interimistischen Kirchenchef gewählt. Er überraschte mit dem Domkapitel ab Tag eins mit forschem Durchgreifen. „Es geht um Transparenz und die Wiederherstellung von Glaubwürdigkeit der Kirche“, lautet die Vorgabe. In Interviews sagt er jetzt, dass er, wie andere auch, Bischof Schwarz mehrfach persönlich auf Missstände aufmerksam gemacht habe. Ohne Ergebnis. Auch Wien und Rom seien informiert gewesen. Auf die Frage, die jetzt viele stellen, warum hochrangige Kirchenvertreter nicht viel früher öffentlich Klartext gesprochen haben, heißt es: Es gab die Sorge, dass die Kärntner Kirche auseinanderbricht. Andere meinen: Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus.

Eine der ersten Maßnahmen der Interimsführung war die Wiedereinsetzung des von Schwarz ausgesetzten Aufsichtsorgans im Bistum und die Rückkehr zum rechtsgültigen Statut. Enzinger wurde beurlaubt, ehe sie gekündigt wurde. Ihr Vertrag sei unrechtens entstanden. In einem von ihr angestrebten Prozess vor dem Arbeitsgericht gab es eine außergerichtliche Einigung.

Rom griff in die Zügel

Der Prüfbericht selbst aber auch die Geschehnisse rundherum wurden vor Weihnachten zum Knaller. Rom untersagte eine Pressekonferenz von Guggenberger und den Prüfern. Bischof Schwarz aber auch Kardinal Christoph Schönborn haben Einfluss genommen, lautete in Kärnten die Interpretation. In der Folge zitierte Schwarz öffentlich aus dem Rohbericht und stellte alles als korrekt dar. Da schritt Guggenberger, flankiert vom Domkapitel, zur Tat. Wider die Weisung aus Rom veröffentlichte er den Prüfbericht und sprach Klartext zum System Schwarz: „Die Probleme in den 17 Jahren Amtszeit haben eine Dimension erreicht, die es unmöglich macht, diese Angelegenheit als eine lediglich innerkirchliche zu betrachten“. Aufgrund seiner Lebensführung sei der Bischof in der Amtsführung immer mehr beeinträchtigt gewesen, „weil er für Priester im Zusammenhang mit der Zölibatsverpflichtung erpressbar war.“
Die öffentliche Aufregung war groß. Rom antwortete mit der Einsetzung der apostolischen Visitation. Die prüft ab Montag zehn Jahre der Ära Schwarz aber auch die Maßnahmen der Interimsleitung mit Guggenberger.

Kirchenkrise

Erzbischof Lackner kündigt doch Gesamtprüfung der Kärntner Kirche an

Nach Irritationen stellte Erzbischof Lackner als Visitator der Kärntner Kirche klar: Er werde "das Ganze" prüfen: Die Ära von Bischof Schwarz ab 2008 und der jetzigen Kirchenführung mit Administrator Guggenberger.

Hochspannung weiter in der Katholischen Kirche Kärnten. Freitag sorgten Hinweise der Kärntner Kirchenführung für Aufregung, wonach der  apostolische Visitator Erzbischof Franz Lackner bei seiner Visitation der Kärntner Kirche nur die Zeit der Sedisvakanz prüfen werde. Es gehe also um die Zeit der interimistischen Kirchenführung mit Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger und die korrigierenden Maßnahmen nach der Ära von Bischof Alois Schwarz: Kündigungen, neue Statute, neue Kontrollgremien fürs Bistum. Schwarz ist am 1. Juli nach St. Pölten gewechselt.

Prüfgegenstand sei laut Dekret aus Rom, das erst Freitag nach dreimaliger Urgenz aus Salzburg in Klagenfurt eingelangt ist, also nicht die Ära von Bischof Alois Schwarz in Kärnten selbst, hieß es noch Freitag Mittag. 

Am Abend dann gab es eine Reaktion von Erzbischof Lackner. Er  zitierte aus dem päpstlichen Dekret, wonach "der Zustand der Diözese Gurk-Klagenfurt in Bezug auf die katholische Lehre und Leitung in Augenschein zu nehmen ist", das heiße, "die tieferliegenden Gründe, die zur Verwirrung führten, zu erforschen und dem Heiligen Stuhl zu berichten." Lackner konkretisierte: "Die Visitation betrifft das Ganze, auch das Wirken der jetzigen Kirchenleitung in Kärnten. In Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom wurde der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt." Das umfasst die Ära von Bischof Schwarz, der 2001 Bischof von Kärnten wurde.

Dreifach urgiert

In Kärnten heißt es dazu: Den Passus, dass das Ganze betroffen sei und der Prüfungszeitraum ab 2008 gelte, stehe so nicht im übermittelten Dekret. Das lässt nun Rückschlüsse zu, dass jene Hinweise der letzten Tage stimmen, wonach der Prüfauftrag aus Rom nachträglich ausgeweitet wurde und nicht nur die Zeit der Sedisvakanz betroffen soll.

Schwarz wird laut Prüfbericht der Interimsleitung Misswirtschaft im Bistum aber auch die Nähe und Macht der "Schattenbischöfin" vorgeworfen.

Das in lateinischer Sprache formulierte Dekret aus Rom ist mit 18. Dezember datiert. Die Kärntner Kirchenleitung hat es dreifach eingefordert, um über den Prüfinhalt informiert zu sein. Erst Freitag Vormittag und damit kurz vor Prüfbeginn am Montag, soll die Übermittlung an Klagenfurt erfolgt sein.

Presseerklärung am Montag

Montag will Erzbischof Lackner in Klagenfurt eine Presseerklärung über den Prüfinhalt und das Prozedere der Prüfung abgeben, informierte Freitag seine Sprecherin. An der ersten Gesprächsrunde werden das Gurker Domkapitel mit Dompropst und Diözsanadministrator Engelbert Guggenberger sowie Finanzkammerchef Franz Lamprecht und Rechtsreferent Burkhard Kronawetter teilnehmen.

Wohlwollend wird in Kärnten der Hinweis von Lackner aufgenommen: "Mein Dienst gilt der Diözese Gurk-Klagenfurt für eine gute Zukunft der Kirche in Kärnten. Diesem Anliegen müssen alle dienen."

ORF-Diskussion

"Sache geht erst aus, wenn Bischof Schwarz zurücktritt"

ORF-Diskussion über das System Schwarz bot neuen Zündstoff. Kirchenexperten glauben nicht an eine Verschwörung gegen Bischof Alois Schwarz und mahnen ein, die Wahrheit beim Namen zu nennen.

Kirchenexperten debattierten Donnerstag Abend in ORF III ("Politik live") detailiert über das "System Schwarz", über die Vorwürfe der Misswirtschaft im Bistum, Erpressbarkeit des Bischofs und die Macht der "Schattenbischöfin", der Vertrauten von Bischof Alois Schwarz. Der ist im Sommer von Klagenfurt nach St. Pölten gewechselt.

Das war Anlass, dass die seit Jahren kirchenintern wie öffentlich bekannt gewesenen Vorwürfe massiv hochgekocht sind. Der Offene Brief an Schwarz von Gerda Schaffelhofer, ehemalige KA-Präsidentin, in der Kleinen Zeitung sorgte für breites Aufsehen. Für die nächste Woche steht der Beginn der apostolischen Visitation in Kärnten an. Visitator ist der Salzburger Erzbischof Franz Lackner.

"Vertuscht"

Erinnert wurde in der Diskussion mit Ingrid Thurnher an die Missbrauchsfälle der Ära Krenn und Groer und wie die Kirche damals damit umgegangen ist. "Zuerst wurde vertuscht, dann versetzt. So versucht die Kirche, aus Problemen herauszukommen", zog ORF-Kirchenexperte Peter Pawlowski Parallelen. Der Theologe Hans-Joachim Sander von der Universität Salzburg zollte der interimistischen Kärntner Kirchenführung mit Administrator Engelbert Guggenberger Respekt. Die Veröffentlichung des Prüfberichts wider die Weisung aus Rom sei notwendig gewesen. "Es war ein Machtkampf, aus dem die Diözese herauskommen muss." Wie es nun weitergeht? Sander geht davon aus, "dass sich die Sache noch verschärfen wird und erst ausgehen wird, wenn der Bischof zurücktritt." Pawlowski hofft, "dass Schwarz dazukommt, dass er zurücktritt". Sander hält Lackner als Visitator für befangen.

Die Theologin Regina Polak glaubt nicht an eine Verschwörung gegen Schwarz. "Das, was ich an einzelnen Erzählungen von glaubwürdigen Personen gehört habe, erscheint mir auch sehr glaubwürdig. Da kann man vieles nicht erfinden.“ Kirche in einer modernen Gesellschaft müsse lernen, Konflikte öffentlich auszutragen und die Wahrheit beim Namen zu nennen, mahnte sie ein. Schaffelhofer betonte: "Vieles wird nun von der Visitation abhängen. Wenn diese zur Farce wird, so wird sich das die Kirche in Kärnten nicht gefallen lassen."

Zitate aus der Diskussion

Theologe Hans-Joachim Sander (Theologe): "Guggenbauer muss man Respekt zollen. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist in der Frage aber auch wirklich notwendig. Es geht um eine Auseinandersetzung, die alle Züge eines Machtkampfs hat. Aus diesem Machtkampf muss die Diözese herauskommen."

Gerda Schaffelhofer (ehem. Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich): "Es war eine total krankhafte, pathologische Situation! Es ging nicht nur um eine Frau. Es waren zwei Frauen, eine hat er aus Wien mitgebracht, die andere kam neu dazu." (...) "Ich sags wörtlich: Sie haben sich bekämpft bis aufs Messer."

Regina Polak (Theologin) auf die Frage ob da eine Verschwörung im Gange ist: „Das, was ich an einzelnen Erzählungen von glaubwürdigen Personen gehört habe, erscheint mir auch sehr glaubwürdig. Da kann man vieles nicht erfinden.“

Dietmar Neuwirth (Presse): "Mich machen die Vorwürfe nicht fassungslos, mich machen sie sprachlos, vor allem die Sprachlosigkeit der Hirten. Die Regierung hat Mut, an der Regierung Kritik zu tun, das soll die Kirche auch tun. Jetzt plötzlich verliert sie den Mut. (...) Es erinnert mich ein kleinwenig  an die Affäre Groer, wo auch sehr oft und sehr lange geschwiegen wurde. Die katholische Kirche hat diesbezüglich nichts gelernt."

Salzburg

Schwarz als zuständiger Bischof nicht bei Pastoralkonferenz

Obwohl er zuständiger Referatsbischof ist, sagte Alois Schwarz Teilnahme an österreichweiter Konferenz in Salzburg ab. Bevorstehende apostolische Visitation des Salzburger Erzbischofs Lackner in Kärnten als Grund.

Derzeit gibt es keine österreichweite kirchliche Veranstaltung, in der nicht die Vorkommnisse in der Katholischen Kirche Kärnten aus der Ära von Bischof Alois Schwarz, der im Sommer nach St. Pölten wechselte, Thema ist. So auch am Mittwoch zum Auftakt der alljährlich zu Jahresbeginn in Salzburg stattfindende Pastoraltagung für die Leiter und Stellvertreter der Seelsorgeämter sowie in der Pastoral tätige Laien wie Priester der Diözesen.

Im Gegensatz zu all den Jahren davor nahm Mittwoch aber nicht Alois Schwarz als zuständiger Referatsbischof für Pastoral die Eröffnung vor. Auch sein für Donnerstag festgesetzt gewesenes Referat musste kurzfristig von der Tagesordnung genommen werden. Katharina Brandner, Sprecherin von Bischof Schwarz, begründete auf Anfrage der Kleinen Zeitung die Nicht-Teilnahme von Schwarz "mit der beginnenden päpstlichen Visitation" durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner in Kärnten und mit "Terminen als Bischof von St. Pölten". Dem Auditorium in Salzburg richtete Schwarz aus: "Als Referatsbischof für Pastorales und als Pastoraltheologe wünsche ich aus ganzem Herzen der Tagung bestes Gelingen mit Blick auf die brennenden Fragen der Seelsorge in der heutigen Zeit. Ich danke allen für ihren unermüdlichen Einsatz für unsere Kirche vor Ort und bei den Menschen."

Hintergrund für die Nicht-Teilnahme von Schwarz an der Tagung sei auch, dass Lackner "in aller Freiheit und unbefangen in Kärnten arbeiten kann", wie es aus St. Pölten heißt. Lackner ist von Rom als apostolischer Visitator für die Kärntner Diözese ernannt und will kommende Woche die Visitation beginnen. In Salzburg hätte es ein Aufeinandertreffen von Lackner und Schwarz gegeben. Und in der Folge wohl Spekulationen über Unterredungen wegen der Visitation. Schwarz und Lackner wird ein freundschaftliches Verhältnis nachgesagt. Lackner musste deshalb bereits Kritik hören, er sei als Visitator befangen.

Kärntner Kirche

Vorwürfe und Maulkorb vor dem Start der Visitation

Spannung und Fragen in Katholischer Kirche Kärnten vor apostolischer Visitation. Kritiker halten Erzbischof Franz Lackner für befangen. Der weist das zurück und kündigt Visitation in großer Objektivität an.

Wann geht es los? In Kärnten wird darüber gerätselt, wann der Salzburger Erzbischof Franz Lackner im Auftrag Roms mit seiner Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt beginnt. Kärnten ist seit dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz im Sommer nach St. Pölten im Fokus einer breiten Öffentlichkeit und von Prüfern. Schwarz wird Misswirtschaft im millionenschweren Bistum, dem Mensalgut des jeweiligen Kärntner Bischofs, vorgeworfen und seine Abhängigkeit von seiner engen Vertrauten Andrea Enzinger, nunmehr als „Schattenbischöfin“ bezeichnet.

Auf Anfrage der Kleinen Zeitung hieß es Montag aus dem Klagenfurter Bischofshaus, dass Salzburg am Zug sei. Es gebe noch Klärungsbedarf bezüglich Inhalt, Umfang und Verlauf der Visitation sowie zu den Befugnissen des Visitators. Aus Salzburg hieß es: „Wir sind in der Vorbereitungsphase. Alles, was am Tisch liegt, wird mitbedacht“, kam der Hinweis auf Zeitungsartikel. Der in der Kleinen Zeitung veröffentlichte Offene Brief von Gerda Schaffelhofer, Ex-Präsidentin der Katholischen Aktion und Studienkollegin von Schwarz, war eine schonungslose Darstellung des Systems Schwarz und der Macht seiner „Lebensfrau“. Samt Rücktrittsaufforderung. Von höchsten kirchlichen Stellen blieb der Text unkommentiert, auch von Schwarz. Er verwies auf die Visitation.

Start am 17. Jänner

Inoffiziell ist zu hören, dass Lackner am 17. Jänner die Visitation beginnen und bis zur Fastenzeit beendet haben will. Für Aufregung sorgt, dass auch die Ära von Administrator Engelbert Guggenberger geprüft werden soll. Er leitet bis zur Ernennung eines neuen Bischofs die Kärntner Kirche und steht an der Spitze der Aufklärungsarbeit samt Transparentmachung. Mittlerweile soll es für Guggenberger aus Rom einen Maulkorberlass geben. Manche hinterfragen, ob dessen Kompetenzen bereits eingeschränkt wurden. Offiziell gibt es dazu keine Aussagen.

Befangenheit

Schaffelhofer legte Montag im ORF nach, indem sie Lackner als Visitator für befangen erklärte. Denn er sei „einer der besten Freunde von Schwarz“ und kenne die Kärntner Situation sehr gut, ohne eingegriffen zu haben. Darauf wurde in Salzburg reagiert. Lackner werde Sorge tragen, dass die Visitation „in großer Objektivität stattfinden wird. Der Herr Erzbischof wird an seiner Arbeit zu messen sein.“

Offener Brief

Lieber Bischof Alois...

Gerda Schaffelhofer, lange Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, schreibt ihrem einstigen Studienkollegen, Bischof Alois Schwarz einen offenen Brief. Sie fordert ihn auf, endlich klar zu den Vorwürfen zu seiner Amtsführung in der Diözese Gurk Stellung zu nehmen, die gegen ihn erhoben werden.

Miteinander reden, anstatt übereinander! Die Worte deiner Silvesteransprache klingen gut! Wer könnte gegen ein offenes und vertrautes Gespräch schon etwas einwenden? Wir hier in Kärnten erinnern uns an die vielen Male, als Kleriker und Laien dieses vertraute, offene Gespräch mit dir gesucht haben. Viele haben dir signalisiert, dass die Herrschaft deiner Schattenfrau ein Ende haben muss, dass du selbst wieder die Zügel deines Bischofsamtes fest in die Hand nehmen musst, dass dein Lebensstil Anlass zu Gerüchten und Kritik gibt.

Argumente, dass heute kein Bischof mehr vier Wohnsitze für sich beanspruchen kann, darunter ein Palais und eine Jagdresidenz, während der Papst in einer 2-Zimmer-Wohnung in einem Gästehaus des Vatikan lebt, blieben aber ebenso ungehört wie die zahlreichen Appelle, deine Vertraute aus deinem unmittelbaren Umfeld zu entfernen und in einer anderen Diözese zu „platzieren“. Die Spatzen pfiffen vom Dach, dass du deiner Lebensfrau ausgeliefert, wie Wachs in ihren Händen bist. In jedem kleinsten Bergdorf wurde man auf euer Verhältnis angesprochen. Dabei hätten sich selbst 70-jährige Ordensfrauen damit abgefunden, dass die zölibatäre Lebensweise nicht eben die deine ist, nur die Art und Weise, wie ihr eure Beziehung in der Öffentlichkeit gelebt habt und wie sehr die Frau Bischöfin das Sagen in allem und jedem hatte, das ging wirklich zu weit.

Ein gemeinsames Arbeitszimmer...

Ein gemeinsames Arbeitszimmer, sodass nichts und niemand an „ihr“ vorbeikam, das konnte niemand mehr verstehen. Sie hob dein Handy ab, checkte alle deine Mails, verwaltete Kalender und Ordner (auch die Missbrauchsakte?). Man musste schon eine besondere Vertrauensstellung bei dir haben, dass man ein 4-Ohren-Gespräch einfordern konnte und du spätabends – allein – zurückgerufen hast. Der normale Weg lief anders: Wer etwas von dir wollte, musste zuerst sie gewinnen, sie umschwärmen, sie überzeugen. Auf diese Art und Weise wuchs ihre Macht beständig. Auf diese Art und Weise schrumpfte aber auch dein Ansehen beständig. Laien schüttelten den Kopf, und Priester stellten sich darauf ein. Je nach eigener Verfasstheit schlugen sie daraus Kapital oder nicht. Dein Autoritätsverlust belastete die Arbeit in der Diözese. In den letzten Jahren gelang immer weniger, und dort, wo nicht Menschen wirkten, die ihre Aufgabe wirklich als Berufung wahrnahmen, ging nicht mehr viel.

Zur Autorin

Zur Autorin

Mag. theol. Gerda Schaffelhofer
Geschäftsführerin der FURCHE und der Styria Buchverlage 2002 bis 2016, seit 2016 in Kärnten wohnhaft, von 2012-2018 Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich

Als die Situation schon an der Grenze zur Unerträglichkeit angelangt schien, habe auch ich vor nunmehr fast drei Jahren das offene, vertrauensvolle Gespräch mit dir gesucht. Als ehemalige Studienkollegin und Verlegerin deiner Bücher hatte ich ein Nahverhältnis zu dir. Als Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich warst du in der Bischofskonferenz über Jahre mein Ansprechpartner, du hast meine Mutter begraben und bist mir in schwierigen Situationen meines Lebens beigestanden. Ich kannte dich seit vielen Jahren und schätzte dich.

...dass es so nicht weitergehen konnte.

Dennoch war mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Unser Gespräch schien gut zu laufen, obwohl ich dich mit allen Vorwürfen und Gerüchten, die mir zu Ohren gekommen waren, konfrontiert habe. Ich kann mich noch gut an deine Worte erinnern: Ich bin dir so dankbar, mir sagt ja niemand etwas, …“. In meiner Naivität habe ich damals wirklich gedacht, dir und der Kirche einen Dienst erwiesen zu haben, denn leicht war es mir nicht gefallen, mit all den Gerüchten herauszurücken. Dein mehrfaches Danke hatte mich aber bestärkt, richtig gehandelt zu haben.

Allein, es geschah gar nichts. Es war, als ob diese Begegnung nie stattgefunden hätte. Alles lief den üblichen Gang weiter. Viel später habe ich erfahren, dass auch andere, die das Gespräch mit dir wie ich gesucht hatten, ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Muster schien immer dasselbe zu sein: Du hast zugehört, hast Betroffenheit und große Dankbarkeit signalisiert, Änderungen in Aussicht gestellt, aber passiert ist absolut nichts. Wir sind gegen eine Gummiwand gelaufen. Diese Erfahrung schien auch Erzbischof Kothgasser gemacht zu haben, der bereits 2008 befunden hatte, dass die in der Diözese Gurk vorgefundene Situation „um der Glaubwürdigkeit und Eindeutigkeit des Hirtendienstes willen“ einer verantwortungsvollen und entschiedenen Klärung bedarf.

Alleinherrscher im Bistum

Zwar ist daraufhin deine Vertraute Andrea E. vorübergehend in den Schuldienst zurückgekehrt, aber aus deinem Dunstkreis ist sie nicht verschwunden. Bei erstbester Gelegenheit wurde sie zurückgeholt, zwar nicht als Angestellte der Diözese, das wäre nach dem Befund Kothgassers nicht möglich gewesen, wohl aber als Angestellte des Bistums, in dem die lästigen diözesanen Kontrollmechanismen vieles nicht verhindern konnten und du immer mehr zum „Alleinherrscher“ aufgestiegen bist.

Dass später auch große wirtschaftliche Ungereimtheiten im Bistum aufgetreten sind, die Ansprüche deiner Lebensfrau immer größer wurden, die von ihr verlangten Investitionen zu großen Defiziten führten und du selbst immer mehr einen Lebensstil gepflogen hast, der mehr deiner Traumfrau als deinem Weiheversprechen geschuldet war, war nur die logische Folge. Da du ein geschulter Kommunikator bist und Dinge gut „zurechtrücken kannst“, bist du lange Zeit an der bitteren Wahrheit, dass diese Frau eine unheimliche Macht über dich hat, vorbeigeschlittert.

Dennoch fragt sich halb Kärnten, wieso es dazu gekommen ist. Du scheinst dieser Frau, ihrem Willen, ihren Wünschen ausgeliefert zu sein, du scheinst nichts entgegensetzen zu können. Warum ist das so? Wirst du wirklich nur geliebt? Oder wirst du erpresst? Die mehrfach zitierte Aussage „Der Bischof gehört mir!“ hat viele Gerüchte genährt. Aber lassen wir diese beiseite. Wenn du ihr wirklich gehörst, dann wäre es anständig und angebracht, die Konsequenzen aus dieser Liebe zu ziehen, wie es viele Priester vor dir getan haben. Wenn dem aber nicht so ist, dann bedarf es deines entschiedenen Widerspruchs, in Wort und in Tat.

Es bedarf des Schließens aller Hintertürln

Dann bedarf es der kompromisslosen Aufarbeitung des Vergangenen und des Schließens aller Hintertürln, durch die sich „Frau Bischöfin“ wieder einschleicht. Dann bedarf es der Übernahme von Verantwortung für alles, was geschehen ist, und dazu gehört auch, dass die Opferrolle, in die du dich in den letzten Wochen zunehmend hineingesteigert hast, wieder aufgegeben wird.

Solange du dich aber für keinen dieser beiden Wege entschieden hast, solltest du alle deine Ämter vorerst ruhen lassen. Gib dir eine Aus- und Bedenkzeit, in der du mit dir ins Reine kommst, das steht dir zu. Lebensentscheidungen dieser Größenordnung werden nicht zwischen Krankenkommunion, Beichthören und Predigtvorbereitung getroffen. Sie brauchen Zeit. Es geht um dich, um Andrea E. und – bitte vergiss das nicht – um die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Diözese Klagenfurt

Warum wir den Offenen Brief an Bischof Alois Schwarz publizieren

Briefe sind im Normalfall nur an den Adressaten gerichtet, ihren Inhalt schützt das Briefgeheimnis. Der offene Brief ist so gesehen ein Widerspruch in sich. Die literarische Spezialform kombiniert die direkte, persönliche Anredeform eines Briefes mit dem unpersönlichen Publikum einer breiten Zeitungsleserschaft.

Es muss gute Gründe geben, die Grenze zwischen privat und öffentlich zu überschreiten, ja zu verletzen. Der Brief, den Gerda Schaffelhofer in unserer Zeitung publiziert, enthält einige davon. Der wichtigste Grund: Die Studienkollegin und Verlegerin von Bischof Alois Schwarz schildert Zustände, die dem Ansehen des Bischofsamts schaden, auch wenn sie möglicherweise weder weltliche noch kirchliche Gesetze verletzen.

Der zweite Grund ist kaum weniger wichtig: Bischof Schwarz zieht sich mehr und mehr in die Rolle eines Opfers zurück und scheint dabei noch Rückendeckung zu bekommen. Wenn es stimmt, dass der Auftrag, mit dem der Salzburger Erzbischof Franz Lackner demnächst nach Kärnten reisen wird, in erster Linie die Maßregelung der provisorischen Kirchenleitung betrifft, ist eine Korrektur dringend angebracht. Nicht Engelbert Guggenberger und das Domkapitel, die an der Klärung der Vorgänge arbeiten, sind das Problem, sondern die Amtsführung des heute in St. Pölten amtierenden ehemaligen Kärntner Bischofs.

Gewiss, der heutige Administrator der Diözese hat vor Weihnachten das ausdrückliche Publikationsverbot der zuständigen römischen Stellen übergangen, als der den Prüfbericht der Öffentlichkeit zugänglich machte. Auch mag es stimmen, dass die provisorische Kirchenleitung mit ihrer Abrechnung ihren eigenen Anteil an den Vorgängen überdecken möchte. Guggenberger war Generalvikar unter Schwarz und hat vieles mitgetragen. Wenn er Abstand von Schwarz nimmt, distanziert er sich zum Teil also von sich selbst.

Der Brief Gerda Schaffelhofers führt den Leserinnen und Lesern deutlich vor Augen, dass diese Fragen allenfalls in zweiter Linie von Interesse sind. Zuallererst muss es darum gehen, die Amtsführung von Bischof Schwarz in den Blick zu nehmen. Es ist Zeit, mit den feigen Ausflüchten Schluss zu machen, die jahrelang den Umgang mit dem Problem geprägt haben. Der Vorwurf, man hätte sich schon früher an die zuständigen Stellen wenden sollen, verfängt nämlich nicht. Das ist vielfach geschehen, nur haben die genannten zuständigen Stellen daraus keine Konsequenzen gezogen.

Daher haben wir uns entschlossen, das schonungslose Schreiben Gerda Schaffelhofers zu publizieren. Wir knüpfen daran die Hoffnung, dass die Visitation Klarheit schaffen wird über die Vorgänge in Kärnten. Wenn die Erkenntnisse dazu führen, dass Feudalstrukturen in der Kirche ein spätes Ende finden, umso besser. Die Vorfälle auf sich beruhen zu lassen und nur die Überbringer der schlechten Nachricht abzustrafen, wäre ein skandalöses Ergebnis.

Morgenpost

Dem offenen Brief liegt ein ernstes Anliegen zugrunde: Die Glaubwürdigkeit der Kirche

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

Sie kennen einander seit frühen Jahren. Sie haben das, was man eine gemeinsame Geschichte, einen gemeinsamen Boden, nennt: Gerda Schaffelhofer, bis vor kurzem Präsidentin der Katholischen Aktion, der größten Laienorganisation, und Alois Schwarz, 17 Jahre lang Bischof der Diözese Gurk. Die Beiden waren Studienkollegen, später hat Schaffelhofer als Chefin des Styria-Verlags die Bücher von Schwarz publiziert. Die Theologin spricht von einem Naheverhältnis, das sich auch in schweren Zeiten als tragfest erwies. Als ihre Mutter starb, zelebrierte Schwarz die Bgräbnisfeier.

All das erwähnt Schaffelhofer zu Beginn eines offenen Briefes, dem wir nach reiflicher Überlegung in der heutigen Ausgabe Raum geben, im Wissen um die Detonationskraft des Schreibens. Der Brief ist an den Vertrauten, an Alois Schwarz, gerichtet. Die gewählte Form lässt es zu, dass das Publikum gebannt und beklommen mitliest. Es geht um die Beziehung zwischen dem Bischof und einer Frau, die über all die Jahre zu einer Machtkonstellation geführt hat, die athmosphärisch, personalpolitisch und wirtschaftlich schwere Verwerfungen innerhalb der Diözese zur Folge hatte, abseits boulevardesker Spekulationen. In schonungsloser Offenheit, die aufs Ganze geht, beschreibt die Autorin das toxische Ausmaß der Verstrahlung und die Aussichtslosigkeit, den Bischof in direkten Gesprächen zu einer Umkehr und Rückgewinnung der Handlungshoheit zu bewegen. Schaffelhofer fordert am Ende den Bischof auf, sich den Vorwürfen und der Wirklichkeit zu stellen und die Opferrolle abzustreifen. Bis zur Klärung möge er sein Amt in St. Pölten ruhend stellen.

Der offene Brief taugt nicht als Blick durchs Schlüsselloch. Er kokettiert nicht mit dem Grellen. Er ist hart und geht an die Grenzen des Sagbaren, aber er verrät keine billige Motivlage. Vielmehr liegt dem Text ein ernstes Anliegen zugrunde: die Glaubwürdigkeit der Kirche. Der schlimmstmögliche Schaden für sie entstünde, wenn die bevorstehende apostolische Visitation nicht den Zuständen gilt, sondern jenen, die sie ans Licht gebracht haben. Ein solcher Bannstrahl wäre skandalös, schreibt Thomas Götz in seinem heutigen Leitartikel. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns für die Veröffentlichung des Briefes entschieden.

Einen schönen Sonntag wünscht

Hubert Patterer

Nach den Vorwürfen

Bischof Schwarz plädiert fürs Reden und Vergeben

Schwarz ist mit Vorwürfen der Misswirtschaft konfrontiert, Vatikan und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Der ehemalige Kärntner und nunmehrige St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz hat am Montag eine Silvesterpredigt gehalten, in der es um Vergebung ging und in der er dafür appelliert hat, mehr miteinander zu sprechen. Das berichtete die Kathpress am Dienstag.

"Es muss heute darum gehen, miteinander und nicht übereinander zu sprechen", so Schwarz im St. Pöltner Dom laut der auf der Diözesanwebsite veröffentlichten Predigt. In einer auch im persönlichen Leben übermedialisierten Welt mit einer "aufgeheizten Empörungskultur" gelte dies mehr denn je.

"Wenn man angegriffen wird..."

Sein Jahreswechsel sei heuer "geprägt vom Nachdenken darüber, was es bedeutet, wenn man angegriffen wird, wenn sich Freunde gegen einen wenden, wenn Fassungslosigkeit statt Vertrauen und Sprachlosigkeit und Vorwürfe statt dem offenen und vertrauten Gespräch plötzlich vorherrschen", so der römisch-katholische Bischof. Mit weniger Medienbeteiligung würden dies viele Menschen im persönlichen Umfeld oder im Beruf erleben. "Daran nicht zu zerbrechen, sondern wachsen, oder weiter vertrauen, ist eine Herausforderung", erklärte der Bischof. "Gerade wenn das eigentlich Vertraute keinen Halt mehr gibt", brauche es Menschen, die "gemeinsam durchstehen" und "zusammenhalten".

"Bei so einem persönlichen Jahresrückblick geht es auch um Vergebung", setzte der Bischof wörtlich fort - "darum, zu vergeben, und auch darum, dass einem vergeben wird. Dass das, was unser Leben an Auswirkungen hat, den absichtlichen und den unabsichtlichen, auch schmerzen kann." Mit Jesus Christus im Blick gelte es "nicht zu verbittern und hart zu werden, sondern verständnisvoll und liebevoll, auch wenn eigentlich Gefühle der Ablehnung, Zorn und Wut vorherrschen".