KärntenSchuldsprüche nach Bootsunfall: Verteidiger und Staatsanwalt berufen

Im Prozess am Landesgericht Klagenfurt um einen tödlichen Bootsunfall am Wörthersee fiel Mittwochabend das Urteil. Die Angeklagten wurden wegen grob fahrlässiger beziehungsweise Tötung schuldig gesprochen.

Anwalt Todor-Kostic legte Berufung ein
Anwalt Todor-Kostic legte Berufung ein © KLZ/Markus Traussnig
 

Nach einer stundenlangen Verhandlung fielen am Mittwochabend die Urteile im Prozess um einen tödlichen Motorbootunfall am Wörthersee: zwei Mal schuldig. Erstangeklagt war ein österreichischer Medien-Manager. Ihm warf die Staatsanwaltschaft grob fahrlässige Tötung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit vor.

Er hat am 2. Juni 2017 betrunken das Motorboot gelenkt. Der zweite Angeklagte war ein 33-jähriger Kärntner, der als Vertreter des Bootsbesitzers an Bord war. Er musste sich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung verantworten. Der Anwalt des Erstangeklagten, Alexander Todor-Kostic, übte heftige Kritik an einem Gerichtsgutachter: "Die bisher vom Sachverständigen erstatteten Befunde und Gutachten sind sowohl in formeller als auch materieller Hinsicht mangelhaft." Das Hin und Her zwischen den Gutachtern zog sich bis auch nach der Mittagspause weiter. Vorrangig ging es um die Frage, ob der Erstangeklagte wie er angab aus dem Boot fallen konnte, obwohl er hinterm Steuer saß.

Tödlicher Motorboot-Unfall: Schuldsprüche für beide Angeklagten

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Gegen 18 Uhr forderte schließlich der Verteidiger einen Ortsaugenschein und die Enthebung des Gutachters von seinen Pflichten, was aber von Richter Matthias Polak angelehnt wurde. Staatsanwalt Christian Pirker zeigte sich in seinem Plädoyer enttäuscht davon, dass beide Angeklagten jegliche Verantwortung von sich weisen: "So wie sich die beiden verteidigen, hat sich das Opfer letztendlich selbst getötet. Das war sicher nicht der Fall." Zudem sprach er von "Nebelgranaten", die heute während der Verhandlung von den Verteidigern geworfen wurden. Kurz nach 19.30 Uhr fielen die Urteile: Der Erstangeklagte wurde wegen grob fahrlässiger Tötung zu zehn Monaten unbedingter Haft verurteilt, der Zweitangeklagte zu drei Monaten auf Bewährung. Todor-Kostic kündigte Berufung an, Georg Schuchlenz, der Verteidiger des Zweitangeklagten, gab keine Erklärung ab. Der Staatsanwalt kündigte ebenfalls Berufung gegen das Urteil des Erstangeklagten an. Die Urteile sind damit nicht rechtskräftig.

Kommentare (2)

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pink69
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Schande dieses Urteil. Viel zu milde. Was hier abgelaufen ist und wie ein namhafter und wirklich sachkundiger SV hier abgekanzelt wurde (einer der besten und hoch angesehensten im maritimen Bereich) ist einfach ein Wahnsinn. Jeder wirklich jeder !! der jemals mit solch einem Boot gefahren ist und sich etwas auskennt, weiss das das SV- Gutachten zu 100% stimmt- hier gibt es nichts zu rütteln. Was der Hauptangeklagte und sein Rechtsbeistand hier behauptet ist schlicht und ergreifend nicht nachvollziehbar. Hier etwas zu konstruieren um unbescholten aus der Sache auszusteigen ist ein typisches Merkmal solcher Menschen. So ein Verhalten auch gegenüber den Hinterbliebenen (sollten Nachbarn und beste Freunde gewesen sein) ist höchst eigenartig. Zumindest wurde die Alkoholisierung nicht beeinsprucht und die hohe Promillezahl mit einem ordentlichen Adrenalinschub gerechtfertigt...bin gespannt was bei der Berufung herauskommt...sollte hier das Urteil bestätigt werden, wird der Akt sicher nicht geschlossen werden...

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GordonKelz
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10 MONATE....

...und 3 Monate auf Bewährung....
Was habe ich vorausgesagt ! Eine besoffene Geschichte “ auf höherer Ebene“
Einer musste daran glauben...schuldig keiner ...der unglückliche scheint von selbst in die Schiffsschraube gesprungen zu sein....eindeutig Suizid !
Gordon Kelz

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