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Serie AufgeschlossenWo der Beton das alte Mauerwerk hofiert

Auf Schloss Lengberg in Nikolsdorf geht die Baukunst von damals mit dem Zeitgeist Hand in Hand. Die Generalsanierung brachte einige mittelalterliche Schätze zutage.

Andreas Hellmann, Hildegard Goller und Johann Aigner (von oben) im Wehrgang mit Blick in den Innenhof
Andreas Hellmann, Hildegard Goller und Johann Aigner (von oben) im Wehrgang mit Blick in den Innenhof © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

So manch ein Archäologenherz macht bei Funden wie jenen auf Schloss Lengberg in Nikolsdorf wohl einen Luftsprung. Im Zuge der Generalsanierung des historischen Gebäudes wurden Ende der 2000er-Jahre unter anderem jahrhundertealte farbige Spielkarten, ein Strohhut und eine Einhandflöte zu Tage befördert. Zu den Funden zählt auch mittelalterliche Unterwäsche: eine Unterhose und ein Büstenhalter. "Wegen der sensationellen Funde war sogar der Fernsehsender BBC hier", sagt Hildegard Goller. Die Lienzerin leitet den Nikolsdorfer Standort des "Aufbauwerk", eines sozialen Unternehmens, das junge Menschen mit Förderbedarf auf dem Weg ins Arbeitsleben begleitet.

Seit 1956 ist das "Aufbauwerk" im Schloss angesiedelt. In jenem Jahr erwarb das Land Tirol die Burg und übergab es dem Unternehmen zur Pacht. Nach Umbaumaßnahmen in den 1960er- und 1970er-Jahren war man Mitte der 2000-er Jahre an einem Punkt angekommen, an dem das Haus mit den wachsenden Anforderungen der Zeit nicht mehr mithalten konnte. "Wir konnten mit Robert Roithmayr einen Architekten gewinnen, der auf alte Gebäude spezialisiert ist. Er hat eine Machbarkeitsstudie erstellt", sagt "Aufbauwerk"-Geschäftsführer Johann Aigner. Mit der Generalsanierung wurde im Jahr 2008 begonnen. Rund zwei Jahre lang war das Schloss eine Baustelle.

Lengberg in Osttirol: Ein Schloss für die Zukunft

Das Gebäude wurde barrierefrei erschlossen. Eingriffe in die Bausubstanz wurden nur dort vorgenommen, wo es notwendig war. Mit dem Denkmalamt wurde eng zusammengearbeitet. "Der Denkmalschützer wollte keinen Historismus. Neues sollte auch als solches erkennbar sein", sagt Aigner. Alt und neu gehen im gesamten Haus eine Symbiose ein. Das beginnt schon im neuen Eingangsbereich. Helles Holz trifft auf altes Mauerwerk. Mehrere Lanzen und eine Armbrust sind an den Betonwänden befestigt. "Hier geht es zu unserem Multifunktionsraum", sagt Andreas Hellmann. Der Pädagoge ist Modulleiter für das Fach EDV und als Historiker bestens mit der Vergangenheit des Schlosses vertraut. Wo einst Fuhrwerke untergebracht waren, werden Lesungen gehalten, Kinofilme gezeigt, wird unterrichtet und Billard gespielt. Die neue Burgkapelle stammt aus den 1960er-Jahren und war früher die Futterkammer. Die Kapelle wird intern zu Weihnachten genutzt. "Wir wollen den Jugendlichen Werte und Traditionen vermitteln", sagt Goller.

Serie Aufgeschlossen: Rundgang auf Schloss Lengberg

Imposant erhebt sich Schloss Lengberg über Nikolsdorf. Das Gebäude wurde um 1180 errichtet. Seit 1956 verpachtet das Land Tirol das Schloss an das "Aufbauwerk". Das soziale Unternehmen begleitet junge Menschen mit Förderbedarf auf dem Weg ins Arbeitsleben.

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Der Aufgang zum Schloss in den 1990er-Jahren ...

Schloss Lengberg

... und so sieht er heute aus.

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Durch ein mächtiges Tor ...

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gelangt man in den Innenhof.

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Der neue Eingang ins Schloss. Das Gebäude wurde Ende der 2000er-Jahre generalsaniert.

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Alt und Neu gehen eine Symbiose ein. Besonders schön zeigt sich das im Dachgeschoß. Ein alter Balken geht nahtlos in den neuen über.

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Unterricht im EDV-Raum. 30 Jugendliche werden im Schloss betreut, zum Teil wohnen sie dort.

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Archäologen bei der Arbeit

Schloss Lengberg

Das Schloss während der Umbauphase Ende der 2000er-Jahre

Schloss Lengberg

Rund 40.000 Fundstücke wurden zu Tage befördert. Darunter befinden sich Eisen-, Buntmetall- und Holzgeräte, Münzen, Gläser und Textilien.

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Ein Büstenhalter und eine Unterhose wurden im Zuge der Generalsanierung des Schlosses gefunden. Über die sensationellen Funde berichtete sogar die BBC. Historiker Andreas Hellmann (Bild): "Aufgrund der Funde musste die Bekleidungsgeschichte des Mittelalters neu geschrieben werden."

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Die Einhandflöte wurde zusammen mit anderen Kleinfunden in einer Gewölbezwickelfüllung entdeckt. Sie stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert.

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Innenhof

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Innenhof

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Innenhof

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Lanzen und eine Armbrust sind in der Einganshalle ausgestellt.

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Der Rittersaal in den 1980er-Jahren ...

Schloss Lengberg

... und so sieht er heute aus. Der Raum wird heute als Speisesaal genutzt.

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Salon in den 1930er-Jahren

Schloss Lengberg

Schlafsaal in den 1960er-Jahren

Schloss Lengberg

Früher wurden hier die Fuhrwerke untergebracht. Heute ist das der Mulitfunktionsraum.

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Das Nachtdienstzimmer im Dachgeschoß

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Die neue Kapelle wurde in den 1960er-Jahren errichtet.

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Alt trifft Neu: Renaissance-Sitzecke im neuen, lichtdurchfluteten Stiegenhaus

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Ansicht aus den 1950er-Jahren

Schloss Lengberg

Der Schlosshof während der Umbauphase

Schloss Lengberg

Standortleiterin Hildegard Goller, "Aufbauwerk"-Geschäftsführer Johann Aigner und EDV-Modulleiter Andreas Hellmann (von links) im Wehrgang.

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Blick auf den Wehrgang

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Blick in eines der Zimmer, die im Dachgeschoß untergebracht sind.

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Im Zubau ...

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... wurde Raum für das Handwerk geschaffen.

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Der Zubau mit einer Verkleidung aus Holzschindeln schwebt über einem Hang.

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Über das neue Stiegenhaus gehen wir hinauf. Der Aufgang ist lichtdurchflutet, eine 13 Meter hohe Treppenhauswand prägendes Element. Das Einziehen der Wand war ein großes Unterfangen. "Mithilfe eines riesigen Krans wurde die Wand über die Schlossmauer gehoben", sagt Aigner. Auf dem Weg nach oben ist sie wieder da, die perfekte Kombination aus Alt und Neu. Im Stiegenhaus findet sich eine Renaissance-Sitzecke mit zwei Gemälden im Hintergrund. Der Rittersaal dient heute als Speisesaal. Als Akustikelemente wurden in den Fenstererkern Vorhänge angebracht, an der gegenüberliegenden Wand ist ein mehrere Meter langes Vlies gespannt. "Damit es nicht mehr so hallt", sagt Hellmann. 30 Jugendliche werden im Schloss betreut, zum Teil wohnen sie hier. Dass sie sich wohlfühlen, merkt man sofort. Im zweiten Stock befinden sich die Lehrsäle, EDV-Räume inklusive. Im Dachgeschoß sind seit der Sanierung sämtliche Schlafräume untergebracht. Neue Balken gehen in alte über, eine Zwischenwand wurde eingezogen. Die Arbeiten wurden im Winter durchgeführt, während die im Schloss beheimateten Fledermäuse im Winterquartier waren. "Wir haben hier die zweitgrößte Population der Kleinen Hufeisennase in Tirol", sagt Hellmann stolz.

Im Zubau wurde Platz für das Handwerk geschaffen. Das Nebengebäude mit Holzschindelverkleidung schwebt über dem Hang und schmiegt sich gleichzeitig an das Schloss an. Sie sind ein perfektes Duo – und das bestimmt für die nächsten Jahrhunderte.

DenkMal

Schloss Lengberg befindet sich in Nikolsdorf im Bezirk Lienz. Als Erbauer gelten die Grafen von Lechsgemünde. Um 1180 wurde eine Burg mit trapezförmigen Grundriss und einer 2,20 Meter starken Ringmauer errichtet. Virgil von Graben ließ um 1480 die Burg tiefgreifend umbauen. Unter anderem bekam der Wohntrakt ein zweites Geschoß. Aufzeichnungen zufolge wurden ab dem 17. Jahrhundert Reparaturarbeiten vorgenommen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude unbewohnbar. 1812 wurde Lengberg als Gerichtssitz aufgelassen. Unter den späteren Eigentümern fand sich 1913 der Kärntner Landtagspräsident Karl Graf Lodron-Laterano.
Quellen. www.schloss-lengberg.at und Siegfried Hetz, "Mit Macht und Pracht", Verlag Anton Pustet 2018

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