Kärnten hat gewähltÖVP hat die Chef-Frage vorerst vertagt

Parteigremien legten Priorität auf Sondierungsgespräche mit SPÖ. Obernosterer wird an der Seite von Benger verhandeln.

In der ÖVP war man am Dienstag bemüht, demonstrativ Geschlossenheit zu zeigen
In der ÖVP war man am Dienstag bemüht, demonstrativ Geschlossenheit zu zeigen © KLZ/Markus Traussnig
 

Das Bild sollte Bände sprechen: Wie eine Mauer stellten sich Bünde- und Bezirksobleute sowie Mandatare hinter ÖVP-Chef Landesrat Christian Benger, als der am Dienstag nach der Sitzung des Parteivorstandes die Medien informierte. Es habe eine „sachliche, kritische und konstruktive Diskussion gegeben“, betonte Benger mehrfach und strich hervor: „Es gibt eine absolute Geschlossenheit hinter mir.“ Dass es nach dem bescheidenen Landtagswahlergebnis von plus einem Prozent und einem Mandat mehr (gesamt sechs), aber dem Verlust des Bundesrat-Sitzes und von Wählerstimmen in der Partei, Rufe nach einem Obmannwechsel gibt, wies Benger zurück: „Das wird so kolportiert, das war heute überhaupt kein Thema.“

Ob er im 40-köpfigen Parteigremium die Vertrauensfrage gestellt habe? „Überhaupt nicht. Das war kein Thema“, so Benger. Es habe gestern auch niemanden gegeben, der deponiert habe, Parteichef werden zu wollen. Von Sitzungsteilnehmern war zu hören: „Ja, wir haben uns darauf geeinigt, das Personelle jetzt einmal hintanzustellen und zuerst zu klären, wie es mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen weitergeht.“

Mandatsverlust "schmerzt"

Anders als am Wahlabend gab es zurückhaltende Ergebnisbewertung. Dass mit dem Auszählen der Wahlkarten das siebente ÖVP-Mandat zur SPÖ wanderte, „das schmerzt“, betonte Landesgeschäftsführer Josef Anichhofer. Doch Benger sprach auch von „Aufbruchstimmung“ und verwies auf besondere Ergebnisse in den Bezirken Wolfsberg und Völkermarkt oder Gemeinden wie Lesachtal, Gallizien, Berg und Griffen, seiner Heimatgemeinde (plus sieben Prozent). Insgesamt gebe es in 93 Gemeinden ein Plus-Ergebnis.

Im Parteivorstand gab es den einstimmigen Beschluss, dass Benger und Nationalratsabgeordneter Gabriel Obernosterer das Verhandlungsmandat haben. Priorität hätten die Sondierungsgespräche mit SPÖ-Chef Peter Kaiser. „Der Ball liegt bei ihm.“ Danach hofft man auf Koalitionsgespräche. Die ÖVP will mitregieren und nicht in die Oppositionsrolle. „Wir gehen aber nicht um jeden Preis in die Koalition“, legte Benger klar. Ob er von seiner Wahlkampfforderung nach 140 Millionen Euro Einsparungen im Spitalswesen abrücken wird, weil Kaiser das für eine Koalition ausschließt? Benger: „Wenn wir eingeladen sind, werden wir über alles sprechen.“

Verbindungsmann

Obernosterer, dem sehr guter Kontakt zu Sebastian Kurz nachgesagt wird, wurde an Bengers Seite geholt, weil er als damaliger ÖVP-Chef (und Benger-Vorgänger) 2013 die Koalitionsverhandlungen mit Kaiser geführt hat. Die Dreierkoalition war damals auf zwei Perioden angedacht. „Er weiß, was geht und was nicht geht, bringt breite Erfahrung mit“, hieß es. Obernosterer selbst sagte: „Ich war immer der Verbindungsmann zwischen Wien und Kärnten.“

Dass die Obmannfrage nur vertagt ist, davon gehen etliche Funktionäre aus. Offen ist der Zeitpunkt für Rochaden. Ein ordentlicher Parteitag mit Obmann-Wahl soll im Sommer stattfinden. Ob Benger wieder kandidiert? Als Antwort gab es am Dienstag kein Ja, sondern: „Wir machen jetzt einen ersten Schritt, sind bei Sondierungsgesprächen.“ Wer die ÖVP im neuen Landtag vertritt, ist jetzt fix. Angelobt wird (fürs Erste) auch Benger.

Die ÖVP im neuen Landtag

Wahlkreismandate. Herbert Gaggl, Ferdinand Hueter, Martin GrubeFaktbox (fa3d8d32)r

Landeslistenmandate. Silvia Häusl-Benz, Markus Malle, Christian Benger

Kommentare (6)

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joektn
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Benger tut mir fast leid...

Er ist halt der Notnagel und musste eine unglückliche Stelle besetzen weil sonst niemand verfügbar war. Wirklich Lust darauf hatte er nie und auch so ist er kein Mensch der gern im Rampenlicht steht. Im Wahlkampf war er viel zu ruhig und man hat sich zu sehr auf den Kanzlerbonus verlassen. Das war ein Fehler. Benger selbst mache ich keine Vorwürfe weil er kam wie die Jungfrau zum Kind und musste das beste aus der Situation machen. Menschlich ist er ein super netter Kerl aber er ist eben eher ruhig und unscheinbar. Auch so manche Aussagen von ihm waren nicht sehr überlegt.
Menschlich tut es mir leid für ihn.

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CuiBono
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@joektn

Tut mir leid, aber ICH sehe das anders. Ihre seltsamen Argumente sind realitätsfern und basieren möglicherweise auf einem Naheverhältnis zu Benger oder sonstwie eingeschränktem Blickwinkel.

Benger hat nie, aber auch niemals, auch nur annähernd den Eindruck vermittelt, keine Lust (gehabt) zu haben. Dass sonst niemand zur Verfügung stand und er "wie die Jungfrau zum Kind" kam ist obsolet.
Der von Ihnen geschilderte "supernette, aber ruhige und unscheinbare Kerl" hätte ja den Job ja einfach ablehnen können. Intelligent genug dafür - für die Ablehnung - wäre er ja wohl gewesen.

Um Ihren Ausführungen ein klein wenig Positives abzugewinnen - Benger hat sich wohl, entgegen seiner Perslönlichkeitsstruktur, vom Führungsapparat der sich im vollkommen unpassend angemaßten Machtrausch befindlichen Türkisen schlicht und einfach missbrauchen lassen. Unter gewaltiger und eitler Überschätzung seiner ureigenen Möglichkeiten als Person.

Kein Ruhmesblatt für die ÖVP, egal welch farbiges Schild grad draußen hängt.
Und kein Ruhmesblatt für Benger.
Irgendwer - nach ÖVP-Usancen - wird wohl den Kopf hinhalten dürfen. Man darf raten - wer?

Wenn die ÖVP in Kärnten politisch überleben will, wird sie umgehend, d.h. unmittelbar, reinen Tisch machen und einen neuen Obmann als Verhandler zu Kaiser schicken, der den Namen jetzt und auch für die Zukunft verdient.
Ansonsten droht Rot-Blau, was die Rot-Wähler sicher nicht wollten, aber die ÖVP ist dann endgültig einstellig.

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CuiBono
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Lächerliches Herumeiern

Die ÖVP hat definitiv Wähler und bei der Wahl verloren - mit Benger vorne an der Spitze.
Alles andere ist Schönfärberei.

Wenn - falls überhaupt - diese Partei konstruktiv für Kärnten arbeiten will, sollte sie intern schleunigst reinen Tisch machen.

Benger mit seiner absurden Forderung zu den Einsparungen im Gesundheitswesen ist als Landesregierungspartner untragbar.

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viertl1
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Kärntner Anti-Kur(s)z

Kamikaze oder Harakiri, das Ergebnis ist dasselbe - letal! Ein vorab vertaner Neustart, um den Kurz-Effekt zu nützen, ein nachtäglicher vertaner Parteivorstand, um Weichen klar neu zu stellen. Ist die suizidale Veranlagung der bürgerlichen Spitze wirklich so groß? Lieber Siechtum und Salami-Demontage als analytische Konsequenzen und klare Entscheidungen? Der Obmann mag sicher integer und fleißig sein, nur fehlen leider einige Kernkompetenzen zum erfolgreichen Listenführer. Hört man die sprichwörtliche Basis ist "der Kurzeffekt ist im Benger-Effekt" verpufft - ohne wenn und aber! Und sollten die Koalitionsgespräche wegen mangelnder (personeller) Verlässlichkeit platzen, dann Augen zu und durch - bis zur mit Sicherheit folgenden Kaiser- Absoluten!

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3u3h5z4pikldzw6t3w6mdnefoq3e2dvi
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Sie könnten recht haben.

Allerdings ist Ihre Sicht, Benger als Hauptgrund zu sehen und (wie seit Jahren immer nur die Spitze auszutauschen) mit einem/-r anderen Spitzenmann/-frau besser zu fahren, zu KURZ geGRIFFEN.

Die Salami-Demontage ist nur deshalb, weil wenn es jetzt eine offene Obmann-Debatte gäbe, würde Kaiser wegen Unzuverlässigkeit gar nicht erst verhandeln (was soll eine Unterschrift auf dem Pakt wert sein, wenn der Obmann, der sie getätigt hat, bald danach abgetreten ist?). Kein Landesrat, das käme der Machtgeilheit der ÖVP nicht gelegen.

Wenn die K.Volkspartei weniger Trachtenverein (im Sinne von*) und weniger 1970 wäre, dafür mehr *[weltoffen und modern], dann hätte sie wohl wieder Chancen in den Bereich der auf die KURZ-gehabten 26 % zu kommen. Schließlich sind diese Menschen (die Differenz von 15 % und 26 % in Kärnten bei der KURZ-Wahl) nach vier Monaten zu Kaiser gegangen.

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GordonKelz
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EINE GESCHLOSSENHEIT........

....das er sich BEAMEN soll...
Gordon Kelz

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