Kärnten hat gewähltÖVP hält vorerst an Parteichef Benger fest

Heute tagte der Parteivorstand mit der Analyse des Wahlergebnisses. Benger sieht "absolute Geschlossenheit" hinter sich und hält für Gespräche Unterstützung von Vorgänger Obernosterer.

© KLZ/Markus Traussnig
 

"Es gibt eine absolute Geschlossenheit hinter mir als Landesparteiobmann", sagte der Kärntner ÖVP-Chef Christian Benger  am Dienstag in einer Pressekonferenz nach dem Parteivorstand am Vormittag. Man habe das Ergebnis im Detail analysiert. Jetzt warte man auf eine Einladung von Peter Kaiser (SPÖ) zu Sondierungsgesprächen. Gabriel Obernosterer, sein Vorgänger als Landesparteichef, soll Benger in diesen Gesprächen unterstützen.

Benger werde Obmann bleiben. Man habe eine "ehrliche, sachliche, konstruktive Diskussion" geführt, sagt Benger. Er betont wiederholt, dass sein Rückzug "kein Thema" gewesen sein. "Wir haben bei der Wahl dazugewonnen. Es schmerzt, dass es nicht mehr war", sagt Landesgeschäftsführer Josef Anichhofer. Auch dass man gestern das siebente Mandat noch verloren habe, sei nicht erfreulich. Jetzt wolle man nach vorne blicken und im Land "gestalten". Obernosterer sieht sich als "Verbindungsmann zwischen Wien und Kärnten".

Hintergrund: Erste Gerüchte über Ablöse

"Ist der Benger schon zurückgetreten?“, rief Sonntagabend eine ORF-Journalistin vor dem Spiegelsaal der Landesregierung fragend in die Runde. Kurz davor war das Landtagswahlergebnis bekanntgeworden. Das bescheidene Plus von knapp einem Prozent stand den viel höheren Erwartungen in den schwarzen Reihen gegenüber. Doch die Parteispitze mit Spitzenkandidat Christian Benger (55), der seit Mitte 2014 Landesrat und Parteiobmann ist, hielt an der mantraartig wiederholten Aussage fest: „Wir haben Stimmen und Mandate steigern können, also unser Wahlziel erreicht.“

Von Teilen in der Kärntner ÖVP wird das ganz anders gesehen. „Wie kann man sagen, dass alles super ist, wenn man knapp 5000 Stimmen gegenüber 2013 verliert? Und das bei diesem gewaltigen Kärnten-Einsatz der VP-Vertreter der Bundesregierung.“ Intern rumore es gewaltig, betont ein Funktionär.

Hoch brisant wird somit die heute früh beginnenden ÖVP-Parteivorstandsitzung. Offiziell geht es um die Formierung eines Teams für die Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ und die Analyse des Wahlergebnisses. Das fällt laut endgültigem Resultat mit dem Verlust des einzigen Bundesratsitzes und dem Zugewinn von nur einem Landtagsmandat schlechter aus. Zudem: Blau-Schwarz geht sich in Kärnten nicht aus.

Missglückte Medienauftritte und Interviews

Inoffiziell geht es sehr wohl auch um Benger. Gestern wollte sich kaum jemand aus der Deckung wagen. Was zu sagen ist, wolle man intern deponieren und nicht via Medien. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: „Benger macht es einem nicht leicht, Kärntner ÖVP-ler zu sein.“ Dabei wird auf „missglückte Medienauftritte und Interviews sowie falsche Themenbesetzung wie die 140 Millionen Einsparungen im Spitalsbereich“ verwiesen „die zum Elfer für die SPÖ wurde“.

Die Kärntner ÖVP brauche eine Rundum-Erneuerung, ist zu hören. Dass die mit Parteichef Benger nicht möglich ist, steht unausgesprochen im Raum. Man geht davon aus, „dass er das von sich aus erkennt“. Wer aber könnte Benger, der nachfolgen? Der Kreis derer, die Ambitionen haben sollen, wurde kleiner. Martin Gruber, Bürgermeister in Kappel, wäre als Bauernbundvertreter nicht die Klammer zwischen Stadt und Land bzw. in das Bild der neuen Sebastian-Kurz-ÖVP passend.

Herbert Gaggl, Bürgermeister von Moosburg, weist zurück, dass er Ambitionen nach mehr habe. Er wolle Bürgermeister bleiben. Dass er vom ÖVP-Ergebnis enttäuscht ist, sich mehr erwartet hätte und mehr möglich gewesen wäre, gibt er unumwunden zu. Auch dass er keine Freude habe, wenn Benger das Ergebnis als Erfolg wertet. „Wir konnten die positive Gesamtstimmung nicht nützen“, verweist Gaggl auf den Rückenwind der Bundesregierung. Seine Antwort auf die Frage, wie schlecht das Ergebnis ohne Kanzler-Kurz-Effekt ausgefallen wäre. „Alles Kaffeesudlesen. Dann könnte man auch fragen, wie gut wäre die Wahl ausgegangen, wenn nicht Benger Spitzenkandidat gewesen wäre?“ Ob die ÖVP einen neuen Chef braucht? Gaggl will, „dass wir im Parteivorstand offen und ehrlich über alles reden: Über Inhalte, über den Wahlkampf und über Personen.“ Obmannwechsel? „Alles ist möglich, wenn man ehrlich diskutiert.“

Peter Weidinger, ehemaliger Stadtrat in Villach und jetzt Nationalratsabgeordneter, wäre im Stil der neuen Kurz-ÖVP der Passende für Kärnten. Er stehe Gewehr bei Fuß, ist mehrfach zu hören. Auch Christian Poglitsch, Bürgermeister von Finkenstein, wird genannt.

Weidinger kommentiert seine Nennung gegenüber der Kleinen Zeitung: „Es gibt ein paar gute Leute in unseren Reihen. Wir müssen jetzt in den Parteigremien die richtigen Schlüsse ziehen, was für die Zukunft inhaltlich und personell wichtig ist“. Er schließe „nichts aus und nichts ein“.

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Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
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"schaumal" ist ein ganz Lieber

Die Kommentar hier unten (Stand Mi, 07.03.2018 / 17h15):

vor 22 Stunden:
„…ich bin kein ÖVPler, schätze aber…“
14x Rot / 0x Grün

vor einem Tag:
„…finde ich Herr DI Christian Benger eine ganz gute Wahl.“
31x Rot / 4x Grün

nochmals vor einem Tag:
„…Ich bin kein ÖVPler, aber...“
15x Rot / 3x Grün

Also was nun?
Sind Sie es, Herr Benger?
Oder ein naher Verwandter?

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otto2000
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Netzwerke

Netzwerke sind zuwenig, Leistung ist gefragt!
Ich kenne wen, habe aber bisher nichts geleistet, nur ein Netzwerk aufgebaut.
Bevor ich was selbst erarbeite frag ich mal ob es wer anders für mich erledigen kann.
Vielleicht ist mir ein Titel hilfreich?
Hab ja einen Titel das wird(muss) mein gegenüber schon goutieren.

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gonde
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Tja, wenn man nur gscheites Personal hätte, dann....

.

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Apulio
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Die Präsenz von Kurz und Köstinger

während des Wahlkampfes war für Benger nicht gerade hilfreich.
Wir warten schon gespannt auf die Wahl in Salzburg.

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hunti1
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Berger

ist Garant dafür, dass der Tiefpunkt für die ÖVP noch lange nicht erreicht ist, es geht also weiter abwärts. Wird er jetzt mit Kaiser seine Schnapsidee der 140 Mill Einsparung für die Lkh verhandeln, das war ja seine Koalitionsbedingung?

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schaumal
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Benger

Als Landesrat hat DI Christian Benger viel und konstruktiv in der vergangenen Regierungsperiode mitgearbeitet, so konnte das Hypo-Problem gelöst und Handlungsfähigkeit für unser Bundesland Kärnten wiederhergestellt werden. Nur zur Info: Ich bin kein ÖVPler, schätze aber die Leistungen von Benger, besonders seine Integrität.

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wollanig
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Dazu fällt mir nur

"Oje" ein.

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archiv
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???

Ich finde, da stehen im Hintergrund einige hochbezahlte Politfunktionäre als Statisten herum ....

Verständnisfrage:

Haben diese "Herren" nichts zu tun?

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wjs13
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Ablösen ging noch nicht

Muss noch seinen Hüttenberger Bauern schützen, der seine Kühe verhungern liess.

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Bond
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Absolute Geschlossenheit

Auf diese absolute Geschlossenheit hinter Benger darf man gespannt sein. Der Mann war schon im Wahlkampf eine tragische Figur, jetzt wird's amüsant. Erste Reihe fußfrei...

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dude
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Trotz seiner überheblichen,...

...arroganten und sich selbst weit überschätzenden Art, ist Herr Benger sicher nicht der einzig schuldige am schlechten Wahlergebnis der ÖVP in Kärnten. Es wird immer so kommentiert, daß er den Schwung aus Wien nicht nutzen konnte. Es ist doch eher so, daß die "Regierungsarbeit" in Wien ein Klotz am Bein ist und das Wahlvolk dieser Verhöhnung durch die ÖVP/FPÖ Regierung eine Absage erteilt hat! Man braucht sich nur Ausschnitte der Parlamentsdebatte anhören, die in diesen Minuten in Wien läuft. Eine Schande!

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fersler
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offensichtlich

wusste man, dass mit Pater Benger nichts zu holen sein wird. also hat man ihn vorläufig einmal versteckt, was er allerdings fälschlicherweise zugelassen hat.
großer Trugschluss war aber, dass man geglaubt hat, mit Alibi Besuchen der türkisen Ministerarmada, angeführt von BK Kurz, die Kärntner Bevölkerung im vorübergehen einsackeln kann.
es ist deswegen absolut unfair sich alleine bei Pater Benger abzuputzen.

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autobahn1
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Ade

Herr Benger und nehmen Sie Frau Köstinger gleich mit,ihre Aussagen sind haarsträubend wahrscheinlich war das fürs EU Parlament genug,was hat den Kurz bewogen diese Frau in seine Riege aufzunehmen!!

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umo10
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Neuwahl Parteivorstand

Bei einer Direktwahl würde ich mein Kreuzchen beim Hr. Poglitsch machen und sicher nicht beim Hr. Weidinger.
Hr.Poglitsch ist unauffällig extrem aktiv. Hr. Weidinger ist vorlaut abgehoben.

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hermyne
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Beamen

Herr Benger wurde weggebeamt; und zwar vom Wahlvolk! Und es wird nicht sehr lange dauern, dann wird auch die Ministerriege auf Bundesebene weggebeamt werden. Mit den Politneulingen auf den Ministerposten, die vom Bundeskanzler bereits teilentmündigt wurden, kann man halt auf Sicht nichts gewinnen. Es wird aber auch den Herrn Kurz erwischen, denn, wenn der Erfolg nur ein bißchen nachläßt, dann schlägt die Stunde der Altfunktionäre. Man hört sie schon scharren, in ihren Löchern. Die ÖVP hat noch jeden Obmann früher oder später weggebeamt! Die Entzauberung des Herrn BK hat ja schon begonnen - auch in einer gewissen Selbstentzauberung.

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silviab
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Herr Benger

bitte treten Sie zurück! Sie bringen der ÖVP mehr Schaden als Nutzen. Die Wahl war eine Persönlichkeitswahl und im Vergleich zum Landeshauptmann Kaiser, der sich in der letzten Amtsperiode gut etablier hat, wirken Sie sehr blass, wie ein Niemand. Die langweilige "Dynamik", das geschwollene Artikulieren, die meisten Inhalte - für mich ein Grund um zum Um- bzw. Abschalten, Ihr Auftreten ist ja ein Trauerspiel!

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cindymax1
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Er soll ruhig weiterwirken.

dann hat Kaiser beim Nächstenmal die Absolute.

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schaumal
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TUN

Unter Landesrat Christian Benger war das TUN in der Landesregierung oberste Priorität und nicht schönes Reden.
Er hat mit vielen Ideen und wirtschaftlicher Kompetenz neue Perspektiven in das Land Kärnten gebracht. Leider war er im Referat Kunst und Kultur eine Fehlbesetzung, aber für die Landwirtschaft und Tourismus finde ich Herr DI Christian Benger eine ganz gute Wahl.

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ulrichsberg2
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Da half auch der Einsatz von Kurz nicht.

Die erneuerte Türkise Unterstützung von Kurz, die half bei den versteinerten UR SCHWARZEN in Kärnten auch nicht mehr.
Zu verkrustet sind die noch vorhandenen Machtstrukturen in der ÖVP Kärntens.

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BernddasBrot
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Dem Benger

haben nicht einmal die Rhetorik - Trainer genutzt . Am Wahlabend hat Kurz und Köstinger annähernd denselben Text gesprochen . Wenn das nicht Beweis genug ist , was dann......

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max13
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Nicht nur der Benger haben das Wahlergebnis schöngeredet,

Auch dir Ministerin aus Kärnten hatte das mehrmals gesagt.
Also müsste die auch zurücktreten?

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saurier9462
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Erneuerung

Das magere Ergebnis hat auch mit dem blassen Obmann zu tun. Wieder einmal stehen die Zeichen auf Erneuerung. Nur braucht es Funktionäre, die auf die Menschen zugehen und sich nicht in irgendwelche Büros verstecken. Doch diese Leute sind schwer zu finden, die Personaldecke ist dünn.

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schaumal
16
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Menschenmöglichstes getan

Wer sich für eine Spitzenposition in der Politik hergibt, und sein Bestes gibt, dem gebührt auch Dank. Ich bin kein ÖVPler, aber ich habe erkannt, dass der Herr Landesrat DI Christian Benger in der seinem Bemühen, für Kärnten die wichtige Themen anzusprechen und auch die notwendigen politischen Entscheidungen in der Koalition mitzutragen. Ich denke, dass Dr. Peter Kaiser dies in der vergangenen Periode auch sehr geschätzt hat.

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archiv
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Verständnisfragen:

Was hätte Herr DI. Benger anderes sagen sollen?

Auch Herr BK Kurz hätte dann öffentlich erklären müssen, dass der türkise Aufwärtstrend aktuell in Kärnten schon geplatzt ist?

Tatsache ist, dass die "schwarze Ministerriege" welche massiv in Kärnten im Wahl-Einsatz war (Finanzierung durch den Bund?) in Summe mit Herrn Benger ein mickriges Wahlergebnis erzielt hat - oder?

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pantau
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schaut nicht gar glücklich drein am foto,

die ehemalige nationalratspräsidentin
wie viele tage war sie in diesem amt?
ein echtes talent!

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stierwascher
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Rabenschwarz Türkis... gute Nacht den Grünen

Wenn man sich die Details auf http://www.ktn.gv.at/wahlen/lt2018/ genauer ansieht, versteht man das lockere Gehaben der ÖVP nicht. Die hat a) in absolten Zahlen verloren und b) gerade in kleinen Gemeinden sehr schlecht abgeschnitten. Die SPÖ hat dafür nicht nur in ihren Hochburgen, sondern auch im eher schwarzen ländlichen Raum große Stärke bewiesen.

Die Grünen sind dabei sich völlig zu zerstören. Gerade in den Gemeinden sind sie völlig implodiert. 2013 hatten sie in manchen Orten um das sechs- und siebenfache mehr an Stimmen. Wenn man die Stimmen der Neos und der Liste Erde in Relation zur Regierungstätigkeit und der langen Zeit im Landesparlament setzt, ist der Absturz nochmals dramatischer.

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