Kärnten hat gewähltWarum das 18. Mandat für die SPÖ derart wichtig ist

Alle Stimmen sind ausgezählt. Die SPÖ bekommt noch ein Mandat dazu und hält jetzt bei 18. Damit ist keine Koalition gegen die SPÖ mehr möglich.

© APA
 

Bis zum Montagnachmittag mussten sich die Parteigranden in Kärnten gedulden, erst dann lag das endgültige Ergebnis der Kärntner Landtagswahl inklusive Wahlkarten vor. Mandatsverschiebungen waren theoretisch zwar noch möglich, wurden aber zunächst nicht mehr erwartet. Unterdessen hatten die Spekulationen um mögliche Koalitionsvarianten bereits begonnen. Tag 1 nach der Landtagswahl 2018 im Rückblick.

18 bis 19 Uhr: Meinungsforscher Christoph Haselmayer analysiert Wahlergebnis in Kärnten

Der stellvertretende Chefredakteur der Kleinen Zeitung, Adolf Winkler, und OGM-Meinungsforscher Christoph Haselmayer analysierten im Kleine Zeitung Live-Stream das Ergebnis der Kärntner Landtagswahl. Sollten Sie den Stream nicht gesehen haben, keine Sorge: Hier gibt es ihn in voller Länge zum Nachschauen.

15.40 Uhr - Briefwahl-Auswertung brachte SPÖ das 18. Mandat

Die Auszählung der Wahlkarten hat der SPÖ am Montag doch noch das 18. Mandat gebracht, und zwar zulasten der ÖVP. Diese ist künftig mit sechs Sitzen im Landtag vertreten. Die FPÖ blieb bei neun Mandaten, das Team Kärnten bei drei. Damit geht sich auch theoretisch keine Koalition gegen die SPÖ mehr aus - haben doch FPÖ, ÖVP und Team Kärnten gemeinsam so viele Mandate wie die SPÖ.

Das Endergebnis der Kärntner Landtagswahl brachte für die SPÖ 47,94 Prozent, die FPÖ erreichte 22,96, die ÖVP kam auf 15,45 Prozent und das Team Kärnten erzielte 5,67 Prozent. Die Grünen flogen mit 3,12 Prozent aus dem Landtag, die NEOS verfehlten den Einzug mit 2,14 Prozent ganz klar.

Die Sozialdemokraten holten mit 10,81 Prozentpunkten ein zweistelliges Plus, was ihnen 18 der 36 Sitze im Landesparlament und das beste Ergebnis seit der Landtagswahl 1984 (51,65 Prozent) bescherte. Die FPÖ gewann 6,11 Prozentpunkte und drei Mandate dazu. Der Zuwachs der ÖVP betrug 1,05 Prozent und einen Landtagssitz mehr. Die Grünen verloren 8,98 Prozentpunkte, das Team Kärnten wurde mit einem Verlust von 5,51 Prozentpunkten beinahe halbiert, verloren aber nur ein Mandat und hat künftig drei.

Die SPÖ schaffte insgesamt 16 Grundmandate. Im Wahlkreis 1 sind es fünf, im Wahlkreis 4 gab es drei, und in den Wahlkreisen 2 und 3 holten sie jeweils vier Direktmandate. Dazu kommen zwei Reststimmenmandate. Die FPÖ schaffte sechs Grundmandate, je zwei in den Wahlkreisen 1 und 2, je eines in den übrigen. Dazu kommen drei Reststimmenmandate. Für die Schwarzen gab es außer im Wahlkreis 3 überall ein Direktmandat, drei Landtagssitze kommen aus dem zweiten Ermittlungsverfahren. Das Team Kärnten erzielte kein einziges Grundmandat, alle drei Sitze kommen aus den Reststimmen.

15.00 Uhr - 18 Grün-Mitarbeiter müssen gehen

18 Mitarbeiter der Grünen können sich nach der Wahlniederlage vom Sonntag wohl über kurz oder lang einen neuen Job suchen. Wie Parteisprecherin Elke Galvin am Montag auf APA-Anfrage sagte, sind zehn Personen in der Partei selbst angestellt, die übrigen acht sind im Landtags-Klub und im Regierungsbüro von Rolf Holub tätig und waren nicht objektiviert.

"Der Betrieb, den wir derzeit haben, wird nicht aufrechtzuerhalten sein", sagte Galvin. Auch die Parteizentrale in der Klagenfurter Sterneckstraße könnte geschlossen werden, erste Details dazu will man in der Partei am Montagnachmittag beraten. Die Grünen verlieren mit der Wahlniederlage 1,2 Millionen Euro Parteien- und 280.000 Euro Klubförderung pro Jahr. Wann der Parteivorstand zusammentritt, ist noch offen, anvisiert wird ein Termin Ende dieser oder Anfang nächster Woche.

14.35 Uhr - Morgen Tag der Gremien

Morgen tagen die Parteigremien in Kärnten. Die SPÖ-Funktionäre treffen sich um 10.00 Uhr in der Parteizentrale in der Klagenfurter Lidmanskygasse, im Anschluss ist eine Pressekonferenz geplant. Die ÖVP trifft sich schon um 9.00 Uhr im schwarzen Landtagsklub. Eine Pressekonferenz ist bereits für 11.30 Uhr avisiert. Ebenfalls in ihrem Landtagsklub trifft sich die FPÖ, diese Sitzung beginnt auch um 9.00 Uhr. Ob man danach vor die Medien tritt, war zunächst noch nicht entschieden. Beim Team Kärnten soll es im Laufe der Woche ebenfalls eine Sitzung des Parteivorstands geben, Termin gab es am Montag noch keinen. Die Grünen haben den Wiedereinzug in den Landtag nicht geschafft. Wann sich die Parteigremien darüber und über die weitere Zukunft der Partei beraten, war zunächst offen.

13.55 Uhr - Wer mit wem?

Mehrere mögliche Koalitionsvarianten gehen sich aus.

Foto © APA

13.15 Uhr - Köfer liebbäugelt mit Kandidatur als Bürgermeister

Bürgermeister von Spittal/Drau war Gerhard Köfer schon einmal (von 1997 bis 2013), damals allerdings für die SPÖ. Nach seinem Wechsel zum Team Stronach ist ihm nun mit dem Team Kärnten der Wiedereinzug in den Kärntner Landtag gelungen - mit viel Rückenwind aus seiner Heimatstadt. In Spittal landete seine Liste mit 20 Prozent auf Platz 2 hinter der SPÖ (42,5 Prozent). "Für mich ist das ein klarer Auftrag, für die Stadt weiterzuarbeiten. Wenn es mit uns im Land keine Koalition mit mir als Landesrat gibt, werde ich als Landtagsabgeordneter 2021 in Spittal wieder als Bürgermeister kandidieren", kündigte Köfer heute im Gespräch mit der Kleinen Zeitung an. Landesweit kam sein Team Kärnten auf 5,8 Prozent.

12.54 Uhr - Wandert noch ein Mandat?

Eines der 36 Landtagsmandate könnte sich noch verschieben, ob es dazu kommt, ist jedoch fraglich. Derzeit sind die Bezirkswahlbehörden dabei, die 25.000 Wahlkartenstimmen auszuzählen. Am Nachmittag soll das Ergebnis und damit Endergebnis dieser Landtagswahl feststehen. Es könnte sein, dass ein Mandat "wandert". Und zwar von der ÖVP zur SPÖ. Dann könnten die Roten von 17 auf 18 Mandate (plus 4) erhöhen, die ÖVP würde von sieben auf sechs (plus 1) zurückfallen. Für eine absolute Mehrheit im Landtag sind 19 der 36 Sitze notwendig.

Bei der Landtagswahl 2013 ist wegen der Wahlkartenstimmen - und dabei wegen einer einzigen Stimme - ein Mandat vom BZÖ zu den Grünen gewandert. Die Dreierkoalition aus SPÖ, ÖVP und Grünen konnte wegen dieser einen Stimme und des dazugewonnen Mandates im Landtag die Zwei-Drittel-Mehrheit erlangen.

Bei den Wahlpartys wurden die Wunden geleckt

12.12 Uhr - Wie geht es jetzt im Kärntner Landtag weiter?

Am Zug ist Landtags-Präsident Reinhart Rohr (SPÖ).  Er muss die in der Geschäftsordnung des Landetages festgesetzten Fristen einhalten. Das bedeutet, dass Rohr den neu gewählten Landtag innerhalb von vier Wochen (ab Wahltag) zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung einberufen muss. Der späteste Termin für die Einberufung wäre der 30. März ( Karfreitag). Wobei die Sitzung selbst innerhalb von sechs Wochen nach der Wahl stattfinden muss. Der späteste Termin für die Angelobung der neuen Abgeordneten - und die Wahl der Regierungsmitglieder - wäre der 13. April. Es ist ein Freitag der 13.

11.57 Uhr - Blick auf die Ergebnisse

Nach dem vorläufigen Ergebnis kam die SPÖ mit Landeshauptmann Peter Kaiser auf 47,7 Prozent der Stimmen und 17 Mandate. Platz zwei ging an die FPÖ, die 23,4 Prozent erreichte, was neun Landtagssitze bedeutet. Die ÖVP legte auf 15,4 Prozent zu und hat künftig sieben Mandate. Das Team Kärnten von Gerhard Köfer schaffte 5,8 Prozent und drei Sitze im Landesparlament. Aus dem Landtag verabschieden müssen sich die Grünen, die klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten. Auch die NEOS waren chancenlos.

11.13 Uhr - Köstinger wollte nicht Spitzenkandidatin sein

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sieht nach den Landtagswahlen in Kärnten die ÖVP "auf einem sehr guten Weg". Angesprochen darauf, dass die Volkspartei in ihrem Heimatland in absoluten Zahlen Wählerstimmen verloren habe, sagte Köstinger am Montag: "Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben ein Plus von zwei Mandaten erringen können".

Kärntner Landtagswahl: Strahlende Sieger und lange Gesichter

Klicken Sie sich durch die Fotos!

Markus Traussnig

Klicken Sie sich durch die Fotos!

APA

Klicken Sie sich durch die Fotos!

APA

Klicken Sie sich durch die Fotos!

APA

Klicken Sie sich durch die Fotos!

APA

Klicken Sie sich durch die Fotos!

APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
APA
Markus Traussnig
Markus Traussnig
Markus Traussnig
Markus Traussnig
Helmuth Weichselbraun
APA
Helmuth Weichselbraun
Helmuth Weichselbraun
1/34

Sie konzedierte, dass "Kärnten für uns historisch schon immer ein schwieriges Pflaster gewesen ist. Damit werden sich auch die Parteigremien auseinandersetzen. Aber ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg und werden auch Kärnten und die ÖVP dort auf Zukunftskurs bringen". Nicht vorstellbar war für Köstinger, selbst Spitzenkandidatin der ÖVP in Kärnten zu werden. Auf die Frage, ob sie sich das vorstellen hätte können, sagte Köstinger dezidiert "Nein".

9.37 Uhr - SPÖ zog viele ÖVP-Wähler an

Die Kärntner SPÖ hat bei der Landtagswahl vom Sonntag mit 47,8 Prozent deutlich besser abgeschnitten als bei der Nationalratswahl 2017, als sie nur auf ein Landes-Ergebnis von 29,3 Prozent kam. Der Wählerzustrom liegt laut SORA-Analyse zum Gutteil an ehemaligen ÖVP-Wählern der Nationalratswahl, die am Sonntag zur SPÖ wechselten. Rund 27.000 davon entschieden sich für die Sozialdemokratie.

Jubel, Trubel, Heiterkeit bei SPÖ nach Wahlsieg in Kärnten

Damit ging laut SORA jeder dritte Wähler, der in Kärnten bei der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 noch die Liste Kurz gewählt hatte, bei der Landeswahl nun ins Lager von Landeshauptmann Peter Kaiser. Ebenfalls starke Wechsel aus dem Nationalrats-Lager gab es von der FPÖ: Von deren Wähler entschieden sich rund 7.000 für die SPÖ.

Das war das Wahlstudio der Kleinen Zeitung

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
1
13
Lesenswert?

LR-Prognose

Kein Pakt mit Blau. Die gehen in Opposition.
Kein Pakt mit Team Köfer. Dieser Politlegionär ist mit seiner "Lumpensammlertruppe" demnächst Geschichte.
Kein Pakt mit Benger. Der wird zurück in seinen Wald geschickt.

Daher: ROT - Schwarz (nicht Türkis).

Antworten
voit60
3
24
Lesenswert?

war ja auch wirklich ein Witz

die Schwarzen gewinnen nicht einmal ein Prozent, und hätten dafür 2 Mandate mehr bekommen. Die Roten bei über 10 Prozent Gewinn gerade einmal 3.

Antworten
dude
3
12
Lesenswert?

Dies wäre ja eine hervorragende Ausgangsposition ...

... für eine "Minderheitsregierung". Wobei man bei 50% der Mandate ja nicht unbedingt von einer Minderheit sprechen kann. Dies wäre ein spannender, lebendiger Parlamentarismus mit wechselnden Mehrheiten. Bei einer wirklichen Minderheit an Mandaten würde ich dieses Wagnis nicht eingehen. Aber unter diesen Umständen, sollten man unbedingt darüber nachdenken! Wenn es kein Koalitionspapier gibt, können auch nicht so haarsträubende Vereinbarungen drinnen stehen, mit den sich die Mehrheit der Mandatare nicht identifizieren kann (z. B. Verzicht auf CETA-Volksabtimmung, Aufhebung des Rauchverbotes in der Gastronomie, etc...)

Antworten
altbayer
4
9
Lesenswert?

Jede Mehrheit dieser ....

...."Minderheitsregierung" müsste von der SPÖ teuer erkauft werden.
Gut finde ich, dass sich die 3 restlichen Parteien nicht mehr auf ein "Packerl zusammenhauen" können.
Also Blau/Schwarz/Köfer kann es nicht mehr geben.
Theoretisch bleiben nur mehr Schwarz und Köfer als Koalitionspartner übrig. Wie schon einmal geschrieben, glaube ich nicht, dass die "Türkisen" in die Regierung gehen werden - dafür war ihr Wahlergebnis zu schlecht (obwohl sie auch gewonnen haben).

Antworten
GordonKelz
3
35
Lesenswert?

DIE WÄHLER ....

....haben damit klar gezeigt,das sie weder
Türkis noch Blau in der Regierung wollen !
Gordon Kelz

Antworten
fans61
3
42
Lesenswert?

Bin diesmal überrascht und erfreut über die Wähler hier bei uns....

doch noch lernfähig.

Antworten
SoundofThunder
5
35
Lesenswert?

🤔

Die langen Gesichter der Türkisen würde ich jetzt gerne sehen.Sie werden es jetzt billiger machen wenn sie mitregieren wollen.

Antworten