VillachKärntner Familie segelte drei Jahre durch die halbe Welt

Die Villacher Birgit, Enrico und Sanna Kabas erfüllten sich einen Lebenstraum und segelten durch die halbe Welt. Drei Jahre, einen Monat, fünf Tage und 34.363 Kilometer später, kehrten sie nach Kärnten zurück.

Nach drei Jahren war das Abenteuer zu Ende für Birgit, Sanna und Enrico Kabas
Nach drei Jahren war das Abenteuer zu Ende für Birgit, Sanna und Enrico Kabas © Privat
 

"Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum." Für die Villacher Familie Kabas ist das nicht nur ein netter Spruch, der auf einer Tasse steht oder über dem Sofa im Wohnzimmer hängt, sondern eine Lebenseinstellung. Im Sommer 2014 haben Birgit, Enrico und Sanna Kabas Sack, Pack und den kleinen Hund Aarina gepackt und von Aquileia das Abenteuer ihres Lebens gestartet: Eine Segelreise durch die halbe Welt.

Ganz so spontan begann der Segeltrip natürlich nicht, eineinhalb Jahre lang wurden Vorbereitungen getroffen, das Zwölf-Meter-Schiff hochseetauglich gemacht, Genehmigungen eingeholt, Bürokratisches geregelt und Geld gespart. „So eine Riesenreise muss vor allem finanziell gut geplant sein“, sagt die 42-Jährige, die mit ihrem Mann (43) schon immer davon träumte, die Welt vom Boot aus zu sehen. Doch lange blieb es nur beim Träumen, bis nicht mehr daran gedacht wurde.
Bei einem Vortrag eines Freundes passierte es dann. „Er fragte, was denn unser Traum sei. Und ich sagte, irgendwann hinaus in die Welt segeln. Dann fragte er uns, wann es losgehen soll. So in zehn Jahren war meine Antwort und er: Warum nicht sofort?“ Das hatte sich das Paar dann auch gefragt.

"Keine Vernunft-Entscheidung"

Während das Herz sofort die Leinen loslösen wollte, schrie die Vernunft nein. Schließlich war da das noch nicht abbezahlte Haus, Birgits Firma, Enricos Sandstrahlfirma „CleanPart“, das Auto und Tochter Sanna, damals zehn Jahre alt. „Tief in uns wussten wir, dass wir das nur jetzt machen können. Also wurde das Haus vermietet, die Firma meines Mannes einem Freund als Geschäftsführer anvertraut und Sanna unterrichteten wir selbst“, sagt Kabas, die vor der Abreise in einer Villacher Volksschule arbeitete und auch jetzt wieder unterrichtet. Sannas Klassenzimmer war das Segelboot „Telefine“, für dessen Namen sie auch verantwortlich ist. „Sanna ist am Meer und Boot aufgewachsen. Als Kind war sie vom Telefon so begeistert, dass es bald auch Telefanten und Telefine gab“, verrät Enrico Kabas.

Die "Telefine" geleitete die Familie sicher durch die Weltmeere
Die "Telefine" geleitete die Familie sicher durch die Weltmeere Foto © Privat
Einmal im Jahr musste die heute 14-Jährige für die Externistenprüfungen zurück nach Kärnten, die sie alle mit Auszeichnung bestand. Gelernt wurde am Schiff, am Strand, meist fünf Tage die Woche. „Schulfrei hatte Sanna beim Segeln, wenn das Boot zu viel Schräglage hatte, das Wasser bis ins Cockpit spritzte oder wir Besuch aus der Heimat hatten.“ Das Wochenpensum wurde stets bewältigt, auch wenn der Unterricht aufgrund der Entdeckung einer neuen Insel aufs Wochenende verschoben wurde. Für die sprachbegabte Schülerin war es ein Leichtes, nach ihrer Rückkehr in die vierte Klasse des bilingualen Zweiges am Gymnasium in St. Martin einzusteigen.

Sternenhimmeldusche

Zu „eng“ wurde es den dreien auf der „Telefine“ nie, obwohl es nur drei Kabinen gibt. „Wir hatten eine Sternenhimmeldusche und die meiste Zeit waren wir an Deck“, sagt die Villacherin, die jede der Stationen der dreijährigen Reise genoss. Die 34.363 Kilometer lange Route führte die Familie durchs Mittelmeer, über den Atlantik in die Karibik, bis Venezuela, Panama, quer durch Zentralamerika bis Kuba. Zurück ging es für Enrico über den Nordatlantik, während Birgit und Sanna zu den Prüfungen nach Kärnten flogen.

So muss Schule sein
So muss Schule sein Foto © Privat
Den Pazifik haben die Kabas bewusst ausgelassen und dafür mehr Zeit in anderen Ländern verbracht. So waren sie einige Monate am Stück in Panama. Wo es am schönsten war, lasse sich schwer sagen, dafür hätten sie zu viele große und kleine Abenteuer erlebt und traumhafte Flecken Erde gesehen.

Ein Lächeln

Eines haben die drei schnell gelernt: „Ein Lächeln öffnet viele Türen. Das ist eine Sprache, die jeder versteht“, meint die Weltenbummlerin. So waren die Kärntner die ersten Weißen, die in dem Kuna-Dorf Mandi Yala in Panama übernachten durften. Natürlich hat das Trio nicht nur die schönen Seiten gesehen, auch Armut, Drogenprobleme und Piraterie begleiteten sie. Negatives sei ihnen aber zum Glück nicht widerfahren.
Drei Jahre, einen Monat und fünf Tage später kamen die Kabas im Herbst 2017 wieder nach Hause, tauschten Flip Flops gegen feste Schuhe. Gefehlt habe ihnen, obwohl sie sehr sparsam lebten, kaum etwas. Außer das Kärntner Leitungswasser.

Was sie sonst so alles erlebt und wie sie ihren Traum realisiert haben, erzählen sie am 2. März bei ihrem Vortrag "Das Meer ist unsere Badewanne". "Der Multimedia-Vortrag soll in erster Linie andere Menschen animieren, auch ihre Träume zu leben.  Egal ob große oder kleine", sagen Enrico und Birgit Kabas.

Der Reisebericht

Zahlen. Drei Jahre, einen Monat und fünf Tage waren die Kabas weg und legten 18.555 Seemeilen/ 34.363 Kilometer zurück.

Multimedia-Vortrag. 2. März, 19 Uhr, Hotel Educare, Treffen bei Villach. Vorverkauf 10 Euro (Gasthaus Gatternig, Lisis Boutique), Abendkasse 12 Euro. Freier Eintritt für Schüler und Studenten.

Infos. www.sailness.at

Kommentare (2)

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POB
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„Navigare necesse est, vivere non est necesse, sed sine vita non navigamus.“ Plutarch (um 45–125 n. Chr.)

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scionescio
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@POB: Wie wahr;-)

Plutarch hat allerdings nur Pompeius Magnus (106 - 48 v. Chr) zitiert, der damit Matrosen, die vor einem aufkommenden Sturm Angst bekamen, motivieren wollte.

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