Ausstellung in TriestSchätze der Vergangenheit: Was Archäologen aus der Adria fischen

Vom römischen Maggi über Spiegel für einen Harem bis zum deutschen U-Boot: Eine Ausstellung in Triest zeigt, was Unterwasserarchäologen aus der Adria fischen.

Schiffstypen im Lauf der Jahrhunderte werden im Modell gezeigt
Schiffstypen im Lauf der Jahrhunderte werden im Modell gezeigt © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Auch wenn der letzte Grado-, Lignano- oder Bibione-Urlaub schon Monate her ist: Wer in die Tiefe seiner Badetasche abtaucht, wird dort ein Andenken daran finden. Es ist der lästige Sand, den die Kinder so lieben und von dem Rita Auriemma so schwärmt. Die Italienerin gilt als Grande Dame der europäischen Unterwasserarchäologie und erklärt, worüber man im Liegestuhl unterm Sonnenschirm selten nachdenkt: „Der Sand ist für uns Forscher ein wichtiger Verbündeter. Er konserviert Fundstücke in der Adria so gut, wie dies an Land nie möglich wäre.“

Auriemma ist Kuratorin einer in dieser Vielfalt weltweit einzigartigen Ausstellung, die noch bis 1. Mai im Salone degli Incanti, dem alten Fischmarkt, in Triest zu sehen ist. Unter dem auf Deutsch holprigen Titel „Das Meer der intimen Nähe“ werden rund 1000 Objekte gezeigt, die Unterwasserarchäologen aus der Adria gefischt haben. 50 Wissenschaftler aus Italien, Kroatien, Slowenien, Montenegro und Griechenland waren an dem Projekt beteiligt. Der inhaltliche Bogen, den sie spannen, reicht von der Antike bis ins 20. Jahrhundert und ist spektakulär aufbereitet: Die Vitrinen sind dem Abdruck eines Schiffswracks im Sand nachempfunden, über den Besuchern schweben Taucher und Fische.

Archäologin Rita Auriemma
Archäologin Rita Auriemma Foto © KLZ/Helmuth Weichselbraun
Triebfeder der Schifffahrt in der Adria war schon immer der Handel mit Waren aller Art. Veranschaulicht wird dies in Triest unter anderem durch einen teilweisen Nachbau der Julia Felix. „Das Frachtschiff aus dem 2. Jahrhundert hat man 20 Kilometer vor Grado gefunden. Obwohl es vermutlich in einem Unwetter gesunken ist, sind die 560 Amphoren, die es geladen hatte, großteils unversehrt geblieben“, sagt Auriemma. Die Gefäße aus allen Teilen des damaligen römischen Weltreiches enthielten zum Beispiel die legendäre, aber für heutige Gaumen unverträglich antike Würzsoße Garum aus in der Sonne vergorenen Fischen und deren Innereien.
Die teilweise rekunstruierte Julia Felix
Die teilweise rekunstruierte Julia Felix Foto © KLZ/Helmuth Weichselbraun
Aus dem späten 16. Jahrhundert stammt ein Stapel mit Handspiegeln aus Venedig. Sie waren wahrscheinlich auf dem Weg zum osmanischen Sultan Murad III. – zur Ausstattung seiner Haremsdamen. Das Schiff mit den Geschenken sank vor der kroatischen Küste. „Möglicherweise hatten Piraten ihre Finger im Spiel“, weiß Unterwasserarchäologin Auriemma. Die Schlachten in der Adria sind ebenfalls Thema der Ausstellung. Das größte Objekt stammt aus dem Zweiten Weltkrieg: ein deutsches Ein-Mann-U-Boot der Klasse „Molch“. Vor Triest liegen noch mehrere dieser nie einwandfrei funktionierenden „Wunderwaffen“ im Meer. „Die Adria ist eine Schatzkiste, die unseren Schutz braucht“, sagt Auriemma. Wo Funde nicht geborgen werden können, passiert das mit riesigen Stahlkäfigen, die man über die Wracks stülpt, um Plünderer auszusperren. Der Handel mit Waren aller Art boomt nämlich wie eh und je.

Die Ausstellung

„Das Meer der intimen Nähe“ ist noch bis 1. Mai im Salone degli Incanti, dem alten Fischmarkt, in Triest zu sehen (Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr).

Das Thema wird spektakulär in Szene gesetzt
Das Thema wird spektakulär in Szene gesetzt Foto © KLZ/Helmuth Weichselbraun

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