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Wirtschaft

Hessen steigen bei Sparda-Bank ein

Eisenbahnerbanken verbünden sich über Grenzen: Sparda-Bank Hessen mit Sitz in Frankfurt steigt mit 75 Prozent bei Sparda-Bank Austria ein.

© Zore
 

Man erwarte „täglich das Ja der Europäischen Zentralbank“, heißt es. Das Placet der Bankaufseher von EZB-Chef Mario Draghi führt künftig die Sparda-Bank Hessen mit Sitz in Frankfurt mit der erst heuer fusionierten Sparda-Bank Austria mit Sitzen in Linz und Villach zusammen. Die Hessen werden dann 75 Prozent an der Sparda-Bank Austria AG halten, die ihren Sitz in Wien haben wird. Die genossenschaftliche Sparda-Bank Austria eG bleibt eigenständig, sie verabschiedet sich aber damit aus der bisherigen Klammer des Volksbankensektors, für dessen ÖVAG sie mitbluten musste, in die Arme deutscher Kollegen. Hinter dem Deal stehen, wie bei den meisten Sparda-Bank-Kunden, – gestandene Eisenbahner.

Den neuen ÖBB-Chef und Nachfolger von Christian Kern, Andreas Matthä, und Manfred Kempfer verbindet Einiges: Beide sind Villacher Eisenbahner-Urgesteine, in der ÖBB-Infrastruktur AG saßen sie beisammen – Matthä als Vorstandschef, Kempfer als Betriebsrat und Aufsichtsrat. Gut denkbar, dass Matthä auch ein Spar- und Girokonto bei der traditionellen „Eisenbahnerbank“, der Sparda-Bank hat. ÖBB-Pensionist Kempfer ist dort jedenfalls ein, wie man sagt, „hohes Tier“: Als ehrenamtlicher Vorstand ist er der genossenschaftliche Chef der Sparda-Bank Austria eG und damit oberster Eigentümervertreter. Gemeinsam mit dem Grazer Aufsichstratsvorsitzenden Jürgen Dumpelnik hat er in den letzten Monaten gleich an zwei großen Verschiebebahnhöfen die Weichen für die Sparda-Bank neu gestellt, um die in die Jahre gekommene Struktur der auf eine bewegte Geschichte bauende Sparda-Bank in die Zukunft überzuführen.

Seit der Reichsbahn 1938

Bald nach Österreichs Anschluss an Deutschland wurde im August 1938 von 15 Eisenbahnern in der Reichsbahndirektion Villach die „Reichsbahn-, Spar- und Darlehenkasse“ gegründet. Im Krieg wurde sie in Villach ausgebombt und geschlossen, 1948 hatte sie wieder 10.000 Mitglieder. Österreichweit breitete sie sich vor allem über Eisenbahnknoten aus. In der Steiermark ist die Sparda heute in Graz, Knittelfeld, Bruck, Leoben, in Kärnten zwei Mal in Villach sowie in Klagenfurt. Im März wurden die Sparda Nord mit Sitz in Linz und die Sparda- Süd mit Sitz in Villach zur Sparda Bank Austria eG fusioniert.

„Fusion auf Augenhöhe“

„Es war eine Fusion auf Augenhöhe“, sagt Aufsichtsratschef Dumpelnik, der in Graz Geschäftsführer zweier Wohnbaugenossenschaften ist. Beim Filialnetz, das bis Innsbruck und Salzburg reicht, nimmt man Straffungen in Linz von fünf auf zwei Filialen vor, aus vier Bankvorständen wurden zwei: Günter Umfahrer und Otto Burger. In der konsolidierten Bilanz 2015 weist die Sparda-Bank Austria 865,2 Millionen Euro Bilanzsumme auf (- 6,87 %). Das Kreditvolumen beträgt 323,5 Millionen (- 5,25 %), die Spar- und Giroeinlagen 831 Millionen (+ 7,86 %). Die Mitarbeiterzahl sank um acht auf 229. Ein stark rückläufiges Nettozinsergebnis ließ ein Betriebsergebnis von nur 2,1 Millionen Euro übrig. Hohe Abwertungskosten bei den ÖVAG-Anteilen drückten das Ergebnis (EGT) ins Minus auf einen Verlust von 5,9 Millionen.

„Als Arbeitnehmerbank finanzieren wir laut Statut weder Unternehmen noch Freiberufler und passen schon deshalb nicht mehr in den Volksbankenverbund“, erklären Dumpelnik und Kempfer den „einvernehmlichen Ausstieg“ aus dem Sektor. „Derzeit ist unser Geschäftsmodell betriebswirtschaftlich nicht darstellbar, wir machen keinen Gewinn“, begründet Dumpelnik den nun bevorstehenden Einstieg der Sparda-Bank Hessen.

Sie setzt das Bankgeschäft in Deutschland sehr erfolgreich um und wir gewinnen damit einen potenten Partner für den Marktauftritt, werden aber keine Filiale der Deutschen sein. 

Jürgen Dumpelnik

„Sie setzt das Bankgeschäft in Deutschland sehr erfolgreich um und wir gewinnen damit einen potenten Partner für den Marktauftritt, werden aber keine Filiale der Deutschen sein“, so Dumpelnik. Stattdessen hat man die Sparda-Bank Austria AG gegründet, an der man 25 Prozent behält und 75 Prozent an die Hessen abgibt. Das Wachstumspotenzial sieht man im Großraum Wien, wo man bisher erst 1500 Kunden hat.

Mit den Hessen, einer von zwölf eigenständigen Sparda-Banken in Deutschland, ist man auf genossenschaftlicher Ebene lange verbunden. Kempfer ist seit 30 Jahren Gastmitglied im deutschen Genossenschaftsverband, er und Dumpelnik handelten mit dem hessischen Vorstand Jürgen Weber und Finanzchef Markus Müller den Einstieg aus. Die Hessen sind mit 5,6 Milliarden Euro Bilanzsumme bei 380 Mitarbeitern eine Nummer größer.

35 Prozent Eisenbahner

Die Sparda-Bank Austria hat rund 80.000 Kunden, die zugleich Mitglieder und Miteigentümer sind. Rund 35 Prozent seien Eisenbahner. Mit einmaligem Beitrag wird man Miteigentümer. Wegen Regulatorienkosten statt um 50 Euro künftig um 75 Euro.

ADOLF WINKLER

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