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Interview

"Kärnten hat auf vielen Sektoren eine enorme Qualität"

Nachhaltigkeitsforscher Uwe Schneidewind über die Chancen des Landes, die Lebensqualität auch ohne Wirtschaftswachstum zu erhöhen, die Zufriedenheit der Menschen und die Erde in 100 Jahren.

Interview Uwe Schneidewind Klagenfurt Juni 2015
Schneidewind ist Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima und Umwelt © Markus Traussnig
 

Sie vertreten die These, dass langsamer besser und weniger schöner ist. Wenn es danach geht, müsste es den Kärntnern eigentlich so gut wie schon lange nicht mehr gehen . . .
SCHNEIDEWIND: Selbst in Ländern, in denen es ökologisch noch brummt, wird die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Wir kämpfen mit Folgen der Ungleichheit. Dadurch leiden der soziale Zusammenhalt und die Integration. Eine ganze Reihe an Wohlstanddimensionen ist in Kärnten hervorragend ausgeprägt. Die herausragende Natur oder kulturelle und regionale Identität. Das sind Aspekte, die in der Wohlstandspolitik der Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden.


Welche Maßnahmen würden Sie einem Land raten, dass aufgrund falscher Entscheidungen eine Milliardenlast tragen muss?
SCHNEIDEWIND: Vermutlich wird Kärnten auch künftig kein zentraler Standort großartiger Industrieproduktion sein. Kärnten hat aber gewisse Sektoren, die durch die Lage enorme Qualität besitzen: Tourismus sowieso, aber auch Wissen und Bildung. Da steckt viel Musik drinnen. In diesen Sektoren werden wir durch die neuen Technologien immer unabhängiger vom Arbeitsort. Es gibt auf der Welt viele Zentren, in denen ganze Entwicklungsteams global agieren. Dafür wäre Kärnten prädestiniert. Man kann zu einem Zentrum werden, in dem die Leute Arbeits- und Freizeit verbringen, weil die Lebensqualität herausragend ist. Da gilt es hineinzugehen. 


Und langfristig gedacht könnte die Ressource Wasser Wohlstand in Kärnten erhalten.
SCHNEIDEWIND: Im engeren ökologischen Sinne ist man hier in einer privilegierten Situation. Da muss man sich für die nächsten 100 Jahre nicht so viele Sorgen machen. Es geht eher darum, die Wohlstandsmodelle der Zukunft vorzuleben und zu zeigen, wie viel möglich sein kann, auch ohne dass das Bruttosozialprodukt wächst.


Wie viel braucht der Mensch, um glücklich zu sein?
SCHNEIDEWIND: Es gibt da eine Schwelle bei 10.000 Euro pro Jahr. Darunter merkt man, dass jeder Euro mehr Auswirkung auf die Lebensqualität hat. Ab dieser Schwelle findet man kaum noch einen Zusammenhang mit der Lebensqualität. Das spielt sich auf ganz anderen Ebenen ab. Wie gut bin ich in eine soziale Gemeinschaft eingebettet? Wie sieht meine Work-Life-Balance aus? Wie gut ist das Bildungssystem? 


Dass Geld nicht glücklich macht, ist somit erneut belegt?
SCHNEIDEWIND: Ab 10.000 Euro im Jahr macht es definitiv nicht glücklicher.


Warum empfinden viele Menschen dennoch, dass es ihnen so schlecht wie nie zuvor geht?
SCHNEIDEWIND: Menschen sind Wesen, die sich immer wieder mit anderen vergleichen. Ansprüche und Ziele erzeugen nur ganz wenige alleine aus sich heraus. Das geschieht immer mit dem Blick auf andere. Den Nachbarn zum Beispiel. In einer Welt, in der sich vieles dynamisch entwickelt versaut der Blick auf andere oft den Maßstab. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Reaktion auf die Flüchtlingsströme. Viele Menschen haben Angst. Man muss ihnen daher zeigen, dass Zuwanderung für Länder wie Österreich wichtig für die Erhaltung des Wohlstandes ist. 


Wie würden Sie die Erde in 100 Jahren skizzieren?
SCHNEIDEWIND: Es gibt zwei Szenarien: Eines, in dem wir den Wohlstand weiter auf immer kleiner werdende Inseln abschotten und somit die globale Not vergrößern. Da werden unsere Urenkel aber – ähnlich wie die heutige Generation beim Dritten Reich – fragen, wieso wir das nicht verhindert haben. Das positive Szenario zeigt eine Welt, in der Wohlstand durch Integration besser zugänglich gemacht wird und man somit das Zusammenleben aller verbessert. 


Welchem Szenario räumen Sie mehr Chancen ein?
SCHNEIDEWIND: Ich war schon immer ein Optimist.

MARKUS SEBESTYEN

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Uwe Schneidewind (Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit) referierte Freitagabend auf Einladung der „Grünen Bildungswerkstatt“ auf der „Transnationalen Nachhaltigkeitskonferenz“ in St. Georgen am Längsee.

Kommentare (5)

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jrecscstgqelue3vv3iutn4toh0gn82c
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Es gibt zwei Szenarien für die Erde in 100 Jahren...


Das braucht man wohl nicht zu kommentieren!

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Mosbg123
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Mit 10000 im Jahr

Würd i und mei Familie verhungern! Was redet der für einen Unsinn? Das kann nur einer sagen, der wahrscheinlich pro Vortrag 10.000 kassiert

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Anasindahamas
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er meint vermutlich 10.000 Euro, welche nach Abdeckung der Grundkosten überbleiben..

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Dacht ich mir auch, mehr als überleben ist da nicht drin. Alte Schrottkübel fahren, kleine alte Wohnung mit tristem Ausblick und nichts großartiges unternehmen können - muss ja toll sein...

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g0m28ybgemayd6bup0pg3njrewcko0w1
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Schneidewind....

vergisst bei seinen " Thesen " auf etwas ganz entscheidendes.....die Politik mit Ihren Politikern....die sind imstande wie man gesehen hat, mit NACHHALTIGKEIT, binnen kurzer Zeit alles zu zerstören..... das sollte man bei aller Euphorie mit einkalkulieren!!!

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