Fix ist noch nichts, aber nun denkt auch die Raiffeisen Bank über das Einführen von Bankomatgebühren nach. In Tirol und Salzburg müssen Raiffeisenkunden bereits zahlen, wenn sie bei fremden Bankomaten Geld abheben. Für den Chef der Raiffeisenbank Oberösterreich, Heinrich Schaller, ist da seine Sache der Kommunikation. Gebühren müsse man dem Kunden erklären, dann würde es dafür auf Verständnis geben, sagte er im "Ö1 Morgenjournal".

Geld für Leistung

In Oberösterreich hat Raiffeisen rund 600 Bankomaten. Der Betrieb von Bankomaten (samt Abschreibungen) kostet die Banken im Hintergrund viel Geld. Branchenschätzungen, die im Schnitt von 5.000 bis 8.000 Euro pro Jahr und Automat ausgingen, sind für Schaller eher noch zu tief gegriffen. Die Banken erbrächten Dienste und Leistungen, und generell sollte jeder in der Lage sein, dafür Gebühren und Provisionen zu verlangen, meint der oberösterreichische Raiffeisen-Banker. Da dürften Banken nicht anders gesehen werden wie jedes andere Unternehmen.

Nicht auf der Agenda

"Aktuell nicht auf der Agenda", heißt es aus der Bank Austria. Für andere ist es kein Tabu mehr: Bei den Sparkassen wird geprüft, ob sie für Abhebungen am Bankomat Geld verlangen werden.

"Wir führen eine sehr ehrliche Debatte", sagte Sparkassenverbandschef Gerhard Fabisch. Entschieden sei aber noch nichts. "Wir wissen, dass auch in anderen Bankengruppen darüber diskutiert wird." Auch in der Wirtschaftskammer gebe es dieses Thema. Es gebe aber keine Absprache. Nicht fragen müsse man freilich die Direktbanken.

Viele Fragen offen

Ob eine solche Bankomatabhebungsgebühr im Fall einer Einführung bei den Sparkassen nur bei Fremdkunden eingehoben bzw. wie weit zwischen eigenen und fremden Kunden unterschieden würde, ist ebenfalls nicht geklärt. Man könne aber sicher ausschließen, dass es für Sparkassenkunden einen Unterschied machen würde, ob sie bei Sparkassen in Wien oder im Burgenland oder in Tirol abheben. "Wir müssen über diese Dinge nachdenken. Aber wir planen sicher keine Kundenvertreibungsaktion", fügte Erste-Bank-Chef Thomas Uher hinzu.

Sich mit anderen Bankengruppen dazu abzustimmen, sei "komplett undenkbar". "Wenn wir glauben, dass es richtig ist, werden wir es tun, wenn nicht, dann nicht", so Uher. Sparkassenverbandschef Fabisch meint, der Bankomat habe die beste Zeit ohnehin schon hinter sich. Dank Kartenzahlungen und Onlinebanking würden Bargeldabhebungen am Bankomat sicher nicht zunehmen. Dass es auf die Abschaffung des Bargelds hinausläuft, wird aber bestritten.

Bargeld bleibt

"Wir werden Bargeld immer zur Verfügung stellen, solange die Kunden das wollen", sagte Uher. "Bargeld wird es immer geben." Der Kunde müsse wählen können, wie er bezahlt. "Jeder entscheidet selber. Wer daran rüttelt, wird mit dem nassen Fetzen davon gejagt."

Befeuert wurde die Gebührendebatte durch einen dramatisch gewordenen Druck auf die Zinsmargen und die anhaltend schwache Wirtschaft. Die Banken denken deshalb über neue Einnahmequellen nach. Ende letzten Jahres hatte bereits Notenbankdirektor Andreas Ittner Bankomatgebühren thematisiert.

Bankomatservice ist teuer

Für die Banken ist der Bankomatendienst eine durchaus teure Angelegenheit. In der Branche werden die Kosten pro Jahr (Abschreibung, Befüllung, Entleerung Wartung, Versicherung) auf etliche tausend Euro pro Automat beziffert. Fazit sei: Defizitäre Automaten würden einfach nicht mehr ersetzt. Und wenn es keine Gebühren geben dürfe, würden eben immer weniger Geräte da sein, heißt es zur APA. Das sei in Einkaufsstraßen in Wien kein Problem, wohl aber in Gemeinden am Land. In praktisch ganz Europa müssen die Kunden fürs Geldabheben am Geldautomaten zahlen. In Österreich wird bisher nur nach einem internen Verrechnungsschlüssel vergebührt: Hebt ein Kunde beim Bankomat einer anderen Bank ab, zahlt die Bank des Kunden dafür an die andere Bank.

Insgesamt sehen die Sparkassen große Einschränkungen, an Gebührenschrauben zu drehen. Verbandschef Fabisch kritisierte am Donnerstag die EZB für ihre Zins- und Geldpolitik scharf. Die Weitergabe der Negativzinsen auf Einlagen ist bei Privatkunden untersagt, rein rechtlich könnte man diskutieren, ob man dies auf Gehaltskonten verrechnen dürfte. Auch Firmenkundeneinlagen will man möglichst verschonen. Dass deutsche Banken fürs Parken großer Einlagen von Unternehmungen eine Art "Lagerhaltungskosten" verrechnen wollten, hält Fabisch für eine "schräge Idee". Aber bei anhaltend niedrigen Zinsen könne er nicht ausschließen, dass sich die Banken "schützen" müssten, wenn ganz große Beträge bei ihnen geparkt würden. "Wir hoffen, dass es nicht nötig wird."

Kritik und Ablehnung

 "Zuerst den Konsumenten die Bankomatkarte schmackhaft zu machen und dann eine Art Benutzungsgebühr einzuführen ist hinterhältig", kommentiert Team Stronach Konsumentenschutzsprecher Leo Steinbichler Überlegungen der Finanzinstitute, Gratisabhebungen bei nicht bankeigenen Bankomaten abzuschaffen. "Das wäre so als ob Tankstellen Tankgebühren einführen."

Dieses "Drehen an der Gebührenschraube" lehnt auch der Pensionistenverband vehement ab und wird diese zusätzliche, ungerechtfertigte Belastung der BankkundInnen "vehement bekämpfen", betont Dr. Harald Glatz, Konsumentenschutzsprecher des Pensionistenverbandes zur aktuellen Diskussion. "Österreich ist ohnehin schon ein 'Hochpreisland'.