Viele Spezies vor EndeArtensterben: Das sind die Verlierer (und Gewinner) der Tierwelt

Erderhitzung, Flächenfraß, Überfischung samt Wilderei machen unzähligen Wildtierarten in aller Welt das Überleben schwer - für einige Spezies ist die Uhr abgelaufen, Mensch sei "dank".

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© (c) AP (Jonathan Hayward)
 

Tausende Wildtierarten zählen inzwischen zu den gefährdeten Spezies, ob es nun der Afrikanische Waldelefant, diverse Haiarten oder Eisbären sind. Erderhitzung, Flächenfraß, Überfischung samt Wilderei machen ihnen und weiteren Arten das Überleben schwer. Der WWF Österreich macht in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Verlierer des Jahres 2021 aufmerksam, insgesamt werden weltweit über 40.000 von etwa 142.500 erfassten Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste geführt.

Die Zahl der als bedroht eingestuften Arten ist höher als je zuvor, berichtete die NGO am Mittwoch in einer Aussendung und warnte daher vor einer "katastrophalen Zuspitzung des weltweiten Artensterbens". Bis zu einer Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben, wenn keine Trendwende erfolgt, daher tritt die Umweltschutzorganisation für einen nationalen und globalen Naturschutzpakt ein. "Die neue Biodiversitätsstrategie in Österreich und ein global verbindliches Artenschutzabkommen müssen ambitioniert und verbindlich werden, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern", fordert Georg Scattolin, Programmleiter International des WWF Österreich.

Die neue Biodiversitätsstrategie in Österreich und ein global verbindliches Artenschutzabkommen müssen ambitioniert und verbindlich werden, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern.

Georg Scattolin, Programmleiter International des WWF Österreich

So zeigt die Jahresbilanz auch da Lichtblicke und tierische Gewinner, wo Menschen intensiv Natur- und Artenschutz betreiben. Der heimische Seeadler sei da ein Paradeeispiel, aber auch dem dem Iberischen Luchs, einer der seltensten Katzen der Welt, geht es besser und den nepalesischen Panzernashörnern. Der Fund von Jungtieren des Siam-Krokodils in Kambodscha erstmals seit über zehn Jahren wurde vom WWF sogar als eine echte Überraschung bezeichnet. "Die tierischen Gewinner geben Hoffnung. Sie zeigen, was in Zeiten von Artensterben, Klimakrise und Pandemien möglich ist", lautet das Resümee von Scattolin.

Insgesamt aber sei der Verlust an Artenvielfalt und die Erderhitzung die immer stärkeren Folgen der Ausbeutung unseres Planeten: "Ist die Erde krank, werden es auch die Menschen", erklärt Scattolin unter Hinweis auf die Notwendigkeit vitaler Ökosysteme und die Artenvielfalt für das eigene Überleben. Dieses Überleben ist für Afrikanische Waldelefanten weiter nicht gesichert: 2021 führen die in den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas beheimateten Tiere die Rote Liste nun als "vom Aussterben bedroht" an. Die Bestände brachen um mehr als 86 Prozent innerhalb von 31 Jahren ein.

Nicht viel besser ist die Lage der Haie und Rochen, ein Drittel aller Arten gilt laut Roter Liste seit heuer als bedroht. Überfischung ist der Hauptgrund für den Rückgang der Bestände, aber auch Lebensraumverlust und die Klimakrise machen die Situation prekär. Selbiges gilt auch für die Eisbären: Die Sommer der vergangenen Jahre brachten Rekordtemperaturen über den arktischen Landmassen. Die Klimaerhitzung verläuft in der Arktis dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt. 2035 könnte der arktische Ozean im Sommer erstmalig komplett eisfrei sein. Laut Studien würden bis 2100 die meisten Eisbärpopulationen zusammenbrechen.

Bergab geht es für zahlreiche, auch vom Menschen genutzte Fischarten, so kam es etwa in der westlichen Ostsee zu einer Dorsch-Apokalypse. Der Bestand ist durch Überfischung und die Klimakrise zusammengebrochen. Auch Wanderfischarten, die lange Strecken zwischen Meer und Bächen zurücklegen, geht es schlechter. Dabei waren Lachs, Stör und Huchen früher bei uns weit verbreitet. Durch Flussverbauung, Wasserkraftwerke, schlechte Wasserqualität und Überfischung sind die Bestände europäischer Wanderfische seit 1970 um 93 Prozent eingebrochen.

Kommentare (8)
amsel35
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Wir werden und daran gewöhnen müssen,

die meisten Wildtiere nur mehr in Zoos erleben zu können.
Der "Erfolg" der Spezies Mensch läßt anderen Lebensformen einfach keinen Platz mehr. Laut einer kürzlich veröffentlichen Statistik sind nur mehr 4 % aller Säugetiere auf unserer Erde Wildtiere, über 30 % Menschen und der Rest Nutztiere!

amsel35
0
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Leider sind Wiederansiedlungsprojekte nur Augenauswischerei!

Laut dem Evolutionsbiologen Matthias Glaubrecht sind auch Hunderte von Exemplaren, die dazu noch teilweise isoliert voneinander leben, evolutionstechnisch bereits ausgestorben, da sie keine Möglichkeit mehr haben, die Herausforderungen einer von (dazu noch viel zu vielen) Menschen geprägten Umwelt zu bewältigen.
Wir müssen uns daran gewöhnen, die meisten Wildtiere nur mehr in Zoos erleben zu können.
Lesetipp dazu:
https://www.deutschlandfunk.de/matthias-glaubrecht-das-ende-der-evolution-die-folgen-des-100.html

giru
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Wie lernen die interantionalen Konzerne

sich zu beschränken? Nötig wären dazu mutige Politiker und selbstverantwortliche Konsumenten.

peso
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Was schreiben Sie da schon wieder?

Die Eisbärenpopulation ist so hoch wie nie zuvor (seit nachgezählt wird). Man würde dem Artensterben und Klimawandel wohl einen besseren Dienst erweisen, wenn nicht ständig überzogene und falsche Meldungen verbreitet werden.

Jamestiberius
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Genau lesen...

...schadet nie, z.B. hier:

https://www.stiftung-mercator.de/de/pressemitteilungen/faktencheck-wie-gefaehrdet-sind-die-eisbaeren/

Davon, dass die Population sagenhaft in die Höhe geht, ist keine Rede!

peso
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Jamestiberius

Na dann lesen Sie halt die Daten im Netz und nicht die Meldung einer Spendenorganisation aus dem Jahr 2015!
Vielleicht glauben Sie ja Klimafakten.de, die, gemäß dem eigenen Ziel, auch noch ein wenig einseitig berichten, aber die Steigerung nicht in Abrede stellen.
"Exakte Daten über die weltweite Zahl der weit in der Arktis verstreut lebenden Eisbären gibt es nicht, Fachleute gehen von etwa 22.000 bis 31.000 Tieren aus. Die Behauptung, trotz des Klimawandels habe sich ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht, ist aber sicherlich falsch. Sie basiert auf einer Schätzung, in den 1950/1960er Jahren habe es weltweit lediglich 5.000 Tiere gegeben – diese Zahl aber war schon damals in der Fachwelt umstritten und wurde rückblickend als zu niedrig revidiert. Hingegen dürfte es den Tatsachen entsprechen, dass durch die Einschränkung der Jagd in den 1960/1970er Jahren die Zahl der Eisbären zunahm. Doch dieser Aufwärtstrend stoppte spätestens ab Ende 1990er Jahre, seit sich in der Arktis die Erderwärmung bemerkbar macht und die Lebensräume des Eisbären zunehmend bedroht sind"

giru
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Danke

für den Faktencheck

leonlele
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Ein großer Teil des Desasters ist leider der Landwirtschaft zuzuschreiben

Wenn man vom Fenster aus zusehen kann, was da auf landwirtschaftlichen Flächen so ausgebracht wird, wundert es einem nich, dass sich da keine Maus mehr rührt. Da kann die AMA noch so viel Werbung machen, die Realität ist eine andere.