Umstrittene "Tradition"Stierkampf-Ausflüge für Kinder empören in Südfrankreich

Im französischen Baskenland und in Spanien wird seit Jahren über die Stierkampftradition gestritten. Für viele ist sie Nationalsymbol und Kunst - für viele andere pure Tierquälerei.

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Stierkampfgegner protestieren im Südwesten Frankreichs dagegen, dass Kindern die umstrittene Tradition auf öffentlichen Freizeitgeländen näher gebracht wird. In Béziers wollten die Gegner am Mittwoch vor einem Freizeitzentrum demonstrieren, das zusammen mit dem örtlichen Stierkampf-Verein für Kinder einen Besuch bei einem Züchter von Kampfstieren organisiert. Das französische Höchstgericht hat ein angestrebtes Verbot von Stierkampfschulen zuletzt abgelehnt.

Wie die Anti-Stierkampf-Gruppe Colbac mitteilte, würden Schüler der Stierkampfschule den Kindern dabei Schaukämpfe vorführen. Der Stierkampf-Verein wolle auf diesem Weg mit Unterstützung der Stadtverwaltung Nachwuchs gewinnen. Eltern müssten sensibilisiert sowie der Besuch und die Zusammenarbeit mit dem Verein sollten beendet werden. Generell kämpft Colbac dafür, dass in Béziers und Frankreich insgesamt keine Stierkämpfe mehr organisiert werden. Ein als Spektakel inszeniertes Leiden von Tieren sei nicht mehr akzeptabel.

Eine Protestaktion in früheren Jahren
Eine Protestaktion in früheren Jahren Foto © (c) AP (FRANCOIS MORI)

Der örtliche Stierkampf-Verein sieht das anders, seit über 160 Jahren gehöre der Stierkampf zur Geschichte Béziers und Südfrankreichs, erklärte Vereinssprecher Hugues Bousquet. Es sei also weder schockierend oder anormal, wenn Kinder und Schüler bei Besuchen und Vorführungen mit der Stierkampftradition in Kontakt gebracht würden. Zudem seien Versuche, die Stierkampfschulen in Béziers, Nîmes und Arles zu verbieten, vor dem höchsten Gericht gescheitert.

Der Protest der Stierkampfgegner hatte zumindest in der vergangenen Woche Erfolg. Der Besuch einer Kindergruppe im Stierkampfmuseum wurde abgesagt. Wie der Sender France Info berichtete, verlangt der Bürgermeister künftig die schriftliche Zustimmung der Eltern, wenn Kinder an Stierkampfaktivitäten teilnehmen sollen. Unterdessen rüstet Béziers sich für die alljährlichen Stierkampftage Ende Oktober, zu denen auch Kämpfe in der Arena gehören.

Im französischen Baskenland und in Spanien wird seit Jahren über die Stierkampftradition gestritten. Für viele ist sie Nationalsymbol und Kunst. Gegner des Brauchtums halten das umstrittene Spektakel für brutale Tierquälerei, die die Stiere oft nicht überlebten.

Kommentare (3)
Pelikan22
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Umgekehrt müsst's sein!

Das ist Tiequälerei in Reinkultur! Soll doch der Torero vor dem Stier im Sand knien und auf sein hoffentlich baldiges erlösendes Ende warten!

Adiga
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Identität und Tradition

Solang das örtlich bleibt (im Dorf) und im Sinne der geliebten Tradition abgehalten wird, dann ist es eben dort wo es das schon immer gegeben hat eben eine berechtigte kulutrelle Eigenheit.

Für mich sind die meisten alten Traditionen aber oft nur touristisch verzerrte Dummveranstaltungen die jede ursprünlgiche Berechtigung längst verloren haben. Für mich sind aber auch Trachtenvereine und Musikkapellen schon nur noch kulturelle Überbleibsel einer vergangen Zeit die ohne eine wahre Identitätsverankerung auch nur noch ein Schattendasein fristen.

Es stört mich stört auch nicht, wenn mit der Zeit sich die Dinge wandeln. Das ist normal. Und alle Traditionen können durch gesellschaftliche Veränderungen ihren Sinn gänzlich verlieren, auch das sollte man hinnehmen.

Gepflogenheiten zu erhalten obwohl die Menschen den Bezug dazu verloren haben führt meistens zu einer Verzerrung. Manchmal ist es dann besser man lässt eine Tradition einfach ausklingen und weint dieser nicht nach. Es wird dann wie im Märchen: Es war einmal.

erstdenkendannsprechen
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hat es ja nicht "immer schon gegeben"

und die frag ist halt, ob tierqual irgendwann "berechtigt" ist. sollte man sich auch bei der täglichen ernährung stellen.
stimme aber zu: die tourisitische vermarktung ist nur mehr pervers - hier wie bei anderen dingen.