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Auch Kraftwerke schuldBereits 60 Prozent der heimischen Fischarten sind gefährdet

Von den besonders schutzwürdigen Fluss-Stecken sind nur 24 Prozent streng nach Naturschutz oder Wasserrecht effektiv vor weiterer Wasserkraftverbauung geschützt.

Ebenfalls bedroht: Bachforelle
Ebenfalls bedroht: Bachforelle © (c) NATURSCHUTZBUND/WOLFGANG SCHRUF
 

Für die Mehrheit der 58 in Österreich vorkommenden Fischarten sind die Zukunftsaussichten negativ. Eine Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) im Auftrag des WWF ergab, dass die Flüsse, in denen sie leben, drastische Verluste hinnehmen mussten. Weniger als 15 Prozent waren in einem sehr guten ökologischen Zustand, beklagte die NGO in einer Aussendung am Mittwoch.

"Jahrelange Fehlentwicklungen" seien der Ursache für einen Anteil von nur noch 17 Prozent des gesamten Gewässernetzes, das ohne Hindernisse frei fließen könne. Für Regulierungen und Verbauungen verantwortlich sind mehr als 5.200 Wasserkraftanlagen in Österreich,und hunderte weitere seien geplant - und zwar auch in ökologisch sensiblen Gebieten, warnte WWF-Gewässerexpertin Bettina Urbanek. Daher müsse von der Politik ein "konkreter Rettungsplan" für die letzten intakten Flüsse kommen.

Analyse von 32.267 Flusskilometern

Die Analyse der Boku zur "Ausweisung wertvoller Gewässerstrecken in Österreich und deren Schutzstatus" umfasste 32.267 Flusskilometer, mit rund 11.500 Kilometer wurde ein Drittel "als besonders schutzwürdig" eingestuft. In der Realität waren jedoch die Rückzugsräume für die gefährdeten Arten nur mangelhaft oder gar nicht vor weiterer Verbauung geschützt. Lediglich nur noch ein Prozent wird von ökologisch bedeutenden, intakten Auen begleitet.

Beim Drittelanteil der besonders schutzwürdigen Fluss-Stecken waren nur 24 Prozent streng nach Naturschutz oder Wasserrecht effektiv vor weiterer Wasserkraftverbauung geschützt, wurde Projektleiterin Sigrid Scheikl von der Boku zitiert. Die Schutzwürdigkeit ergab sich wegen herausragender Bedeutung für bedrohte Arten, einem sehr guten Zustand oder dem Vorhandensein noch intakter Aulandschaften beziehungsweise freier Fließstrecken sind. Nicht besser war die Aussicht für die Flussbewohner: "Von den 58 heimischen Fischarten, die heute noch in Fließgewässern anzutreffen sind, sind 34 entweder gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht", resümierte Scheikl.

Nimmt man die gefährdete Fischart Äsche als Beispiel, so ergaben sich für diese Spezies nur noch 330 Kilometer, wo die Bestände in gutem Zustand sind, davon waren 50 Kilometer vor weiterer Verbauung streng geschützt. Urbanek warnte vor dieser Verbauung im Rahmen der Energiewende, diese müsste naturverträglich sein. Bisher verfehlen aber acht von zehn Anlagen die ökologischen Mindeststandards, hieß es vom WWF.

Als negativ wurden Kraftwerkspläne an der oberen Mur angeführt, die eines der letzten Vorkommen des Huchens bedrohen würden. Gleich sieben Kraftwerke im Einzugsgebiet der durch Natura 2000 geschützten Isel in Osttirol, welche die letzten ursprünglichen Bestände der streng geschützten Deutschen Tamariske bedrohen sowie das Kraftwerks Tumpen-Habichen, dessen Bau das Ökosystem der vom Land Tirol als einzigartig eingestuften freifließenden Ötztaler Ache bedroht, schließen die Auflistung ab. Ausgangspunkt für die im März dieses Jahres abgeschlossene Analyse war das aktuelle Berichtsgewässernetz des Bundes (NGP 2015, BMNT, Stand 22.03.2016).

Kommentare (5)

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eggerantonalois
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Nicht nur Kraftwerke schaden unseren Fischen

Die Zukunft der heimischen Fischarten ist besonders auch deshalb negativ, weil ausgesetzte Fischotter, Kormoran und Reiher kilometerweise ganze Flussabschnitte ausräumen und von Fischen weitest gehend befreite Gewässer hinterlassen. Unser ohnehin stark gefährdeter Fischbestand gehört jetzt vor allem vor diesen Feinden geschützt, indem man deren Zahl endlich reduziert!

Arosa626
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Das ist vollkommen richtig. Ich habe keine Ahnung, warum der WWF dieses Thema nicht anspricht. Jeder, der nur ein wenig mit Fischerei oder Teichwirtschaft zu tun hat weiß welches Problem das ist.

Der Fischotter, der Wolf, der Bär und so viele andere Lebewesen waren schon vor uns da und haben eine Berechtigung bei, mit und auch unter uns zu leben. Ich bin auch der Meinung, dass es durchaus angebracht wäre, dass auch der Mensch einmal etwas zurückstecken muss. Das Problem ist jedoch ein Einfaches. Der Fischotter wurde wieder angesiedelt und unsere Flüsse hatten eine große Anzahl an Fischarten. Dies war natürlich auch dem ständigen Nachbesatz der Fischerei geschuldet, da ja auch der Mensch Fische entnimmt um sie zu essen. Dieses Gleichgewicht zwischen Fischentnahme und Nachbesatz ist durch den Otter aus dem Ruder geraten. Derzeit ist es so, dass der Otter eigentlich nur mehr überleben kann, da die Fischerei andauernd nachbesetzt. Der Fischotter wird dadurch eigentlich "gefüttert". Würde der Mensch derzeit nicht Fische aussetzten, wären diese leer und der Otter müsste abwandern oder verhungern. Wenn der Otter- und Kormoranbestand nicht bald geregelt wird, muss man damit rechnen, dass die Fischerei bald nicht mehr nachbesetzt, da es nicht mehr leistbar ist. Die Flüsse sind dann wirklich leer und auch der Otter wird verschwinden. Allerdings werden wir dann unsere Follen, Saiblinge, Äschen aus dem Ausland bestellen müssen, wenn wir eine essen wollen. Mit Futtermittel aufgezogene Fische aus gesicherten Teichanlagen wird es natürlich geben, doch wer einmal eine wild gefangene Forelle gegessen hat, dem schmeckt so eine Teichforelle nicht mehr besonders. ;-))

notokey
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Nicht aufregen!

Da es die Regel ist, dass die Wirtschaft nicht gefährdet werden darf und die Produktion billig, billig & billig gehalten werden darf (kann man sich Grenzwerte nicht auch "richten"?) sollte sich niemand wundern! Müll (Chemie, Giftstoffen) dürfen in den Fluß entsorgt werden. Produktionsabwässer & KÜhlwässer brauchen nicht mehr gekühlt werden! Lücken im Gesetz lassen sich "zu Hauf" finden! Für die Flüsse und deren Bewohner interssiert sich vielleicht der wwf in seinen Berichten, aber dabei bleibt es dann auch schon! Ansonsten steht man dem "System" machtlos gegenüber. Oder hat jemand andere Erfahrungen gemacht? Maß und ZIel sind für die Verantwortlichen ein Fremdwort!

Arosa626
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@notokey, sorry aber das stimmt nicht immer! Was sich in Punkto Gewässersauberkeit getan ist doch nicht zu übersehen!

Alleine wenn man sich die Mur ansieht. Ich weiß nicht wie alt sie sind, doch als ich ein Jugendlicher war standen auf der Mur Schaumkronen, das Wasser war dunkelbraun und in der Mur baden zu gehen, wie heute im Süden von Graz, war lebensgefährlich! Wo sie vollkommen recht haben, ist der Umstand, dass durch den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik unwiederbringliche Natur vernichtet wurde und wird. Alleine die Murstaustufe in Graz ist ein typisches Beispiel. Bei allem "Für und Wider". Jetzt ganz ehrlich, hätten wir das wirklich gebraucht? Würden die Lampen in den grazer Haushalten wegen Stommangel ausgehen, nur weil diese Staustufe nicht gebaut worden wäre? Als Antwort Folgendes zum Nachdenken. Jedes Einfamilienhaus mit Solaranlage, darf nur einen ausgesprochen niedrigen Teil in das Stromnetz einspeisen, bekommt einen Spottpreis dafür und wenn man mehr einspeisen will muss man sogar bezahlen. Da werden Unmengen von Energie einfach vernichtet, aber eine Staustufe wird UNBEDINGT benötigt. Ich will da gar nicht mehr viel darüber sagen, da es einfach nur mehr furchtbar ist.

47er
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Und trotzdem sitzt die Natur am längeren Ast.

Besonders Europa hat seine Jahresressourcen bereits jetzt Ende April verbraucht, was wir jetzt noch konsumieren, geht bereits auf Kosten künftiger Gernerationen. Corona hat uns gezeigt, wie sich die Natur wehren wird, viel schlimmere Ereignisse werden noch kommen, wenn bei uns, wie schon überall ersichtlich, südeuropäische oder gar nordafrikanische Temperaturen und vorallen Dürrekatastrophen kommen werden. Dann nützt uns auch der Spruch - kaufe beim heimischen Erzeuger - nichts mehr, weil bereits alles am Feld verdorrt ist.