Kritik an JagdtourismusZu viele Bären: Slowenien gibt 200 zum Abschuss frei

Heftige Diskussionen um Jagd auf Bären in Slowenien. Naturschützer kritisieren Fütterungen. Ein strengeres Gesetz soll dem Jagdtourismus Einhalt gebieten.

Bilder wie diese sind in Slowenien keine Seltenheit. Dort sollen derzeit 750 Bären ständig leben
Bilder wie diese sind in Slowenien keine Seltenheit. Dort sollen derzeit 750 Bären ständig leben © KK
 

"Wir gehen derzeit von 750 Bären ständig in Slowenien lebenden Bären aus“, sagt Tomaž Skrbinšek, Leiter des Labors an der Fakultät für Bioethik der Universität Laibach. Dort, nicht weit von Kärnten entfernt, wächst die Population der Tiere stetig an. Bei von Menschen angelegten Futterplätzen werden die Bären gezählt, aber auch geschossen. Das kritisieren Naturschützer heftig – denn rund um die Futterplätze entwickelt sich Jagdtourismus, der auf zahlungskräftige Ausländer abzielt.

Seit Jahren hat Skrbinšek sein Leben als Wissenschafter und Forscher den Bären verschreiben. Im Frühjahr, nach der Setzzeit, steigt die Population der slowenischen Braunbären auf fast 1000. Sicht- und spürbar sind sie kaum. „Ihre Wanderbewegungen gehen bis Griechenland und in die Alpen“, erklärt der 45-Jährige. Das größte Bärengebiet in Slowenien liegt im Südosten des Landes, in den Regionen Gottschee, Weißkrain und Notranjska rund um Postojna (Adelsberg). Die Autobahn Laibach-Koper und der Berg Nanos bilden Barrieren für den Bärenzug nach Westen.

Kein genetischer Austausch

Und hier setzt für die Wissenschaft eines der größten Probleme der wachsenden Bärenpopulation in Slowenien ein. „In Kroatien wurden im Zuge des Baues der Autobahn Zagreb-Rijeka sogenannte ,grüne Brücken' für den Wildwechsel mitgebaut. In Slowenien fehlt uns zumindest eine Brücke zwischen Laibach und Koper“, zeigt Skrbinšek auf, der den genetischen Austausch der slowenischen Bären mit ihren Artgenossen im Trentino fördern will. Das sei ein wichtiger Mosaikstein für die Wiederansiedlung des Bären in den Alpen.

An solchen Futterstellen werden die Bären angelockt. Naturschützer kritisieren dieses Vorgehen heftig
An solchen Futterstellen werden die Bären angelockt. Naturschützer kritisieren dieses Vorgehen heftig Foto ©

Unterstützung bekommt er vom WWF Österreich. Die Naturschutzorganisation stimmt dem genehmigten Abschussplan von 200 Bären in Slowenien als „natürliche Entnahme“ zur Regulierung des Bestandes zu. Ein „Nein“ kommt allerdings zu den Futtervorrichtungen. „Künstliche Fütterung, noch dazu, wenn daraus einige wenige finanziellen Profit ziehen, ist strikt abzulehnen“, sagt Christian Pichler.

Rok Černe vom Bundesinstitut für Forst- und Landwirtschaftswesen in Laibach (vergleichbar mit den Bundesforsten als Waldeigentümer in Österreich) erklärt das System der „Futterplätze“: An 160 registrierten und streng überwachten Stellen wird über dem Waldboden eine Art „Tank“, gefüllt mit Maiskörnern, montiert. Meist abends fällt eine bestimmte Menge an Mais zu Boden. Bären, aber auch Wildschweine und Hirsche verweilen bis zu drei Stunden an der Futterstelle. Bären werden dort auch gezielt erlegt. „Das System wird nicht gesteuert, um Bärentrophäen vor das Gewehr von Jägern zu treiben, sondern hat im Falle von Abschüssen auch Sicherheitsgründe“, so Černe. Er rechnet mit 175 echten Abschüssen. 25 Bären sollten eines natürlichen Todes oder bei Unfällen sterben. 

Jagdtourismus und Fotosafaris

Dass sich dort Jagdtourismus entwickelt und von Agenturen immer öfter Fotosafaris unter dem Titel „bear watching“ angeboten werden, bleibt den „Bärenverwaltern“ nicht verborgen. „Hier werden zeitnah gesetzliche Rahmenbedingungen nachgeschärft“, so Černe.

Auf die Frage, ob auch Kärntner Jäger in Slowenien auf Bärenjagd gehen, sagt Freydis Burgstaller-Gradenegger, Geschäftsführerin und Juristin der Kärntner Jägerschaft: „Wir haben keine Kenntnis darüber, ob beziehungsweise wo und auf welche Tierart es Jagdtourismus unserer Mitglieder gibt, das ist Privatsache.“

Wie funktioniert das Miteinander von Bär und Mensch in Slowenien. „Bis auf Einzelfälle problemlos“, ist zu hören. Gute Erfahrungen hat man mit der Verteilung von Elektronetzen zum Schutz von Gärten oder Bienenstöcken gemacht. Damit verhinderte man im Vorjahr Schäden von mehr als 200.000 Euro.

Zudem wurde die Bevölkerung instruiert, was zu tun ist, wenn sich Bären Siedlungen nähern. Es gibt verschließbare Mülltonnen, die von Bären nicht geöffnet werden können. Im Herbst sollen Obstgärten fallobstfrei gehalten werden. Und in Notfällen interveniert eine „schnelle Eingreiftruppe“ von 15 erfahrenen Berufsjägern.

In Kärnten sind Bären streng geschützt

In Kärnten ist die Bärenjagd nicht erlaubt, denn das Tier ist in ganz Österreich ganzjährig geschont. Auch die Jägerschaft selbst wolle die Tiere „auf keinen Fall jagen“, betonte Landesjägermeister Ferdinand Gorton vor Kurzem in einem Kleine-Zeitung-Interview.

Andere Tiere dürfen in Kärnten auch von Gästen bejagt werden – aber dafür gelten strenge Richtlinien. „Jeder Jagdgast braucht eine gültige Jagdgastkarte und eine Jagdkarte des Landes, aus dem er stammt“, erklärt Freydis Burgstaller-Gradenegger, Geschäftsführerin der Kärntner Jägerschaft.

Zudem müsse der Jagdausübungsberechtigte, der den Gast einlädt, darauf achten, dass dieser über eine Jagdhaftpflichtversicherung und ausreichend Schießfertigkeit verfügt. Sollte der einladende Kärntner Jäger bei der Gastkartenausstellung die Vorschriften missachten, kann ihm der Bezirksjägermeister bis zu drei Jahre lang untersagen, Gäste einzuladen.

In Kärnten wurden im Vorjahr 1396 Jagdkarten ausgestellt – wobei man hier nicht von „Jagdtourismus“ sprechen könne, erklärt Burgstaller-Gradenegger: „In den meisten Fällen sind es Jagdfreunde, die aus anderen Bundesländern zu Besuch sind.“

Dass eine Tierpopulation durch Fütterung derart stark vermehrt wird, dass immer mehr Tiere zum Abschuss freigegeben werden müssen, sei in Kärnten ebenfalls nicht erlaubt. „Grundsätzlich sind Lockfütterungen, sogenanntes Ankirren, verboten.“ In Ausnahmefällen darf Schwarzwild, wie Wildschweine, und Raubwild, zu dem etwa Füchse zählen, angelockt werden – aber auch das nur unter strengen Voraussetzungen von Jagdausübungsberechtigten und Jagdschutzorganen.

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Sam125
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Bären, 200 zum Abschuss in Slowenien, freigegeben!

So schnell kann es gehen! Es ist wirklich leicht für gewisse Besserwisser und auch besonders einfältige Tierschützer, einfach zu schreien, dass man die Tiere leben lassen soll! Aber bitte, wo sollen sie leben?( vielleicht im eigenen Garten?) Sie brauchen ein großes Revier um zu Überleben! Und ihre Jungen natürlich dann auch! Dieses Szenario könnte man allerdings auch mit Krähen, Fischotter und Wölfen nachspielen, denn immer wenn etwas in einer geregelten Ordnung ÜBERHAND nimmt, wird es für die unmittelbare Umgebung ungemütlich! Und die zuerst oftmals erwünschte Einwanderung, kann schnell zum Problem werden!!

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