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KopenhagenSkipiste auf Müllverbrennungsanlage sperrt auf

"Nachhaltigkeit muss nicht langweilig sein", sagen die Betreiber von CopenHill. Skifreunde jubeln: "Das macht tatsächlich richtig Spaß".

Die Piste auf dem schrägen Dach der Anlage Amager Bakke
Die Piste auf dem schrägen Dach der Anlage Amager Bakke © (c) APA/AFP/Ritzau Scanpix/MADS CLAUS RASMUSSEN
 

Die grünen Plastikmatten liegen, der Skilift fährt: Auf einer Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen ist alles bereit für die erste Abfahrt. Mitten in der dänischen Hauptstadt können Wintersport-Fans künftig Skifahren - sogar ohne Schnee. Die Macher wollen damit die Notwendigkeit einer stadtnahen Versorgungsanlage mit einem Freizeitangebot kombinieren.

Nach monatelanger Verzögerung soll die Piste auf dem schrägen Dach der Anlage Amager Bakke am Freitag offiziell eröffnet werden. Bürgermeister Frank Jensen hat sich angemeldet, ein paar Ski-Profis der dänischen Nationalmannschaft werden am Nachmittag gemeinsam mit den Architekten als Erste die 450 Meter lange Strecke herunterfahren - dann sind 70 ausgewählte Wintersportfreunde dran. "Es ist eine Art Übergabe von offizieller Seite an die Bevölkerung von Kopenhagen", sagt Cecilie Nielsen von der Betreiberfirma CopenHill. Am gesamten Wochenende sind Veranstaltungen rund um die Eröffnung geplant.

Dänemark hat zwar keine Berge, aber ganze 600.000 Skifahrer
Dänemark hat zwar keine Berge, aber ganze 600.000 Skifahrer Foto © (c) APA/AFP/Ritzau Scanpix/MADS CLAUS RASMUSSEN

Ursprünglich sollte das ungewöhnliche Projekt bereits im vergangenen Dezember eingeweiht werden. Dass es so lange bis zur wirklichen Eröffnung gedauert hat, lag zunächst am Wetter - wegen ungünstiger Bedingungen verzögerte sich die Installation der Matten - und schließlich am Papierkram: Die Veranstalter mussten eine Reihe von Genehmigungen einholen, weil es normalerweise nicht erlaubt ist, dass sich Menschen auf dem Dach einer Verbrennungsanlage unterhalb der beiden Öfen aufhalten. "Wir mussten sicherstellen, dass es auf der Anlage zu 100 Prozent sicher ist", sagt Nielsen.

Flachland

Dänemark ist ein extrem flaches Land, Berge sind Mangelware, die höchste Erhebung ist der gerade einmal 170 Meter hohe Mollehoj im Osten Jütlands. Dennoch gibt es etliche Skiläufer im Staate Dänemark - laut Nielsen ganze 600.000. Für diese blieb bisher nur die Reise nach Norwegen, Schweden oder in die Alpen. Das Projekt CopenHill soll ihnen nun eine Alternative liefern - und dabei gleichzeitig das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden.

Die 85 Meter hohe Müllverbrennungsanlage versorgt rund 150.000 Haushalte mit Strom und Wärme, weshalb sie sich möglichst dicht am Stadtkern befinden muss - Kopenhagen-Touristen dürften sie deshalb vermutlich im Hintergrund ihrer Selfies mit der Kleinen Meerjungfrau, einem der Wahrzeichen der Stadt, erkennen. Um den Hauptstädtern die zentrale Anlage schmackhaft zu machen, soll sie deshalb auch ein vielfältiges Freizeitangebot bieten. Neben der Skipiste soll beispielsweise im kommenden Frühjahr eine Kletterwand hinzukommen.

"Du kannst hier Skifahren mit dem Blick über Kopenhagen. Der ist wirklich besonders"
"Du kannst hier Skifahren mit dem Blick über Kopenhagen. Der ist wirklich besonders" Foto © (c) APA/AFP/Ritzau Scanpix/MADS CLAUS RASMUSSEN

Dabei legen die Betreiber der Anlage nach eigenen Angaben ein großes Augenmerk auf Klima- und Umweltfragen. Das soll sich auch an den Eröffnungstagen widerspiegeln. "Dieses Wochenende dreht sich um Spaß und Nachhaltigkeit", sagt Nielsen. Auf Amager Bakke solle auch Wissen vermittelt werden. "Nachhaltigkeit muss nicht langweilig sein. Wir hören jeden Tag, dass wir Dinge falsch machen. Manchmal braucht es ein wenig Spaß." Und wer mit dem Skilift 78 Meter in die Höhe fahre, der bekomme dafür noch etwas anderes geboten: "Du kannst hier Skifahren mit dem Blick über Kopenhagen. Der ist wirklich besonders."

Erste Skifreunde hatten bereits Anfang des Jahres Gelegenheit zur Testfahrt auf der Piste. Ihr Urteil: überraschend positiv. "Das macht tatsächlich richtig Spaß", sagte einer von ihnen, der mit seinem Sohn auf der Piste in der Nähe des Spitzenrestaurants "Noma" und der alternativen Wohnsiedlung Christiania vorbeigeschaut hatte. Eine junge Snowboarderin, die sich zunächst mit dem ungewohnten Plastikbelag vertraut machen musste, kam zu dem Schluss: "Es macht Laune. Und der Blick von oben ist auch sehr nett."

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