Nach dem Riss in einer russischen Sojus-Kapsel will Moskau alle Raumschiffe für die Internationale Raumstation (ISS) auf mögliche Mängel untersuchen. Spezialisten sollen in den kommenden Tagen am russischen Weltraumbahnhof Baikonur die Kapseln für bemannte und unbemannte Flüge kontrollieren, teilte der Raketenbaukonzern Energija in Moskau der Agentur Ria Nowosti am Dienstag mit.

Doch kein Mikrometeorit

An der Sojus-Kapsel, die derzeit an der ISS angedockt ist, war in der vergangenen Woche ein rund zwei Millimeter großes Leck entdeckt worden. Dieses hatte einen Druckabfall auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde verursacht. Zunächst ging man davon aus, dass ein Mikrometeorit eingeschlagen war. Diese Version wurde jedoch verworfen, da der Schaden von innen entstanden sein soll. Zur Zeit befinden sich sechs Raumfahrer an Bord der ISS. Der Vorfall sei für die Besatzung ungefährlich gewesen, hieß es. Das Leck wurde inzwischen von den Raumfahrern abgedichtet.

Absichtlich oder versehentlich?

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos schließt nach ersten Ermittlungen nicht aus, dass der Riss bereits bei Arbeiten auf der Erde entstanden sein könnte. Es gab auch Spekulationen, ob ein Techniker mit einem Bohrer abgerutscht sei und das Leck heimlich abgedeckt habe. Das Material habe sich nach einigen Wochen jedoch aufgelöst, zitierten russische Medien einen anonymen Raumfahrtexperten. Auch die Möglichkeit dass der Schaden absichtlich oder versehentlich von jemanden im Weltraum verursacht wurde, werde laut Roskosmos untersucht.

In Moskau soll eine eigene Kommission nach der Ursache suchen. Es soll geprüft werden, wer Zugang zu der Kapsel hatte, an ihr arbeitete und wer dies überwachte, teilte Roskosmos mit.