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Alpen-Adria

Gespanntes Warten auf die Drachenbabys

Biologen aus aller Welt blicken gespannt nach Slowenien. In Postojna hat ein Grottenolm-Weibchen 55 Eier gelegt. Die seltenen Tiere konnten noch nie beim Schlüpfen beobachtet werden. Von Georg Lux

Das Grottenolm-Weibchen und die Eier
Das Grottenolm-Weibchen und die Eier © KK/Postojna Cave
 

Wir haben Glück. „Da!“ Sašo Weldt zeigt triumphierend auf einen winzigen Punkt auf einem Tropfstein. „Ein Titanethes Albus!“ Der Krebs ist nicht einmal so groß wie mein kleiner Fingernagel, aber flott unterwegs. „Nichts wie weg“, denkt er sich wohl. Unser Guide freut sich trotzdem riesig über den kleinen lebenden Beweis aus seinem Fachgebiet: Sašo Weldt ist Biologe und erforscht die Tierwelt der Höhle im slowenischen Postojna.

Seit fast 200 Jahren ist die Adelsberger Grotte, wie man sie einst in der Donaumonarchie nannte, eine Touristenattraktion. Mehr als fünf Kilometer der Höhle sind mittlerweile für Besucher erschlossen, sie gilt als bekannteste der Welt. Aber auch ohne die staunenden Gäste wäre rund um die Jahrtausende alten Tropfsteine einiges los. 175 Tierarten hat man in den außerhalb der Öffnungszeiten stockdunklen Gängen bisher gezählt, davon 115 „troglobionte“. So werden Tiere bezeichnet, die ausschließlich in Höhlen leben.

Alpen-Adria: In der Höhle von Postojna

Mit dem Zug geht's hinein

Postojna Cave

Die Höhle gilt als bekannteste der Welt

Helmuth Weichselbraun

Sie dient auch als Konzertsaal

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Ein winziger Höhlenkrebs

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Grottenolme

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Das Aquarium mit den Grottenolm-Eier ist derzeit abgedunkelt

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Eine Nachtsichtkamera liefert Live-Bilder der Eier und des Grottenolm-Weibchens

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Hunderte Jahre lang war es üblich, dass sich Besucher der Höhle an den Wänden verewigten

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Postojna Cave

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Postojna Cave

Die Höhle ist schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts eine Touristenattraktion

Postojna Cave
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Prominentester und gleichzeitig geheimnisvollster Vertreter dieser Gattung ist der Grottenolm. Als die Spezies im 17. Jahrhundert entdeckt wurde, hielt man sie für Drachenbabys. „Heute wissen wir, dass Grottenolme natürlich weder fliegen noch Feuer speien können“, lacht Sašo Weldt. Der Rest klingt nach wie vor sagenhaft: Die 20 bis 40 Zentimeter langen und scheinbar durchsichtigen Tiere sind völlig blind, können bis zu zehn Jahre ohne Nahrung auskommen und 100 Jahre alt werden. Grottenolme leben generell auf Sparflamme, nur etwa fünf Minuten täglich sind sie richtig aktiv.

Nachwuchs bei den "Drachenbabys"

Nachwuchs bei den "Drachenbabys"

Nachwuchs gibt’s bei den Tieren höchstens alle zehn Jahre. Über das Schlüpfen der Babys ist nichts bekannt – es konnte noch nie beobachtet werden. Umso gespannter blicken Biologen derzeit nach Postojna. In einem Aquarium in der Höhle hat ein Grottenolm-Weibchen 55 Eier gelegt. „In drei davon scheint sich etwas zu tun. Wenn alles gut geht, schlüpfen die Babys im Mai. Genau wissen wir das aber nicht“, sagt Sašo Weldt.

Biologe Sašo Weldt
Biologe Sašo Weldt Foto © Helmuth Weichselbraun

Er ist deshalb ein gefragter Mann. Sogar die „New York Times“ und die BBC haben ihn schon interviewt. Trotz des Medienrummels steht für den Biologen und seine Kollegen immer der Schutz der extrem seltenen Tiere im Mittelpunkt. Das Aquarium mit der Grottelolm-Mama und ihren Eier wurde mit Vorhängen verdunkelt. Einblicke sind nur über eine Nachtsicht-Kamera möglich, die Live-Bilder für die Besucher auf einen Monitor überträgt.

Grottenolme aus Plüsch
Grottenolme aus Plüsch Foto © Helmuth Weichselbraun

Streicheln ist trotzdem erlaubt: Verkaufsschlager in den Shops – einer befindet sich sogar in der Höhle – sind Grottenolme aus Plüsch. Natürlich kaufen wir einen.

GEORG LUX

Touristenmagnet

Postojna liegt an der Autobahn A1 zwischen Ljubljana und Koper. Die Höhle kann ganzjährig im Rahmen geführter Touren besichtigt werden.

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