New Yorker GouverneurSex, Lügen und Video: Das war's dann wohl für Cuomo

Wer in Amerika fällt, der fällt tief: Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo steht vor den Scherben seiner Karriere. Ein 169 Seiten starker vernichtender neuer Bericht der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James bestätigt die Vorwürfe: Cuomo habe für Frauen eine "toxische" Arbeitsatmosphäre geschaffen. Ein Amtsenthebungsverfahren ist wahrscheinlich.

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Nun also auch noch Sex. Elf Frauen beschuldigen den New Yorker Gouverneur sie sexuell belästigt zu haben und werfen ihm Machtmissbrauch vor. Andrew Cuomo habe die Frauen gegen ihren Willen zu küssen versucht, unsittlich berührt, anzügliche Bemerkungen gemacht und sie nach ihrem Sexleben befragt. Und auch Videos sind aufgetaucht, auf denen zu sehen ist, dass Cuomo seine Hände nicht immer unter Kontrolle hat, wenn Frauen an seiner Seite sind.

Der 169 Seiten starke vernichtende neuer Bericht der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James bestätigt die Vorwürfe: Cuomo habe für Frauen eine "toxische" Arbeitsatmosphäre geschaffen. US-Präsident Joe Biden, der mit Cuomo befreundet war, ließ Cuomo bereits fallen. Ein Amtsenthebungsverfahren ist angekündigt.

Andrew Cuomo Foto © AFP

Der 63-jährige Demokrat, der in erster Ehe mit Kerry Kennedy, einer Tochter Robert Kennedys verheiratet war, mit der er auch drei Töchter hat, steht vor den Scherben seiner Karriere. Sein "raubtierhaftes" Verhalten, wie ihm mehrere Frauen vorwerfen, ist aber nicht das einzige Problem des in Ungnade gefallenen Gouverneurs, dessen Vater Mario bereits demokratischer Gouverneur von New York war. 

Wie Donald Trump stammt Andrew Cuomo aus Queens, das verband sie, auch wenn ihre Beziehung im Jahr der Pandemie nur zwischen Feindseligkeit und Feindschaft schwankte. Beide setzten entgegengesetzte Strategien im Kampf gegen das Virus ein. Trump wollte das „China-Virus“  kleinreden, Cuomo, Nachfahre italienischer Einwanderer aus Salerno, schwor die New Yorker von Anbeginn auf einen langen und steinigen Weg ein, den man gemeinsam zu bewältigen habe. Fast täglich gab er Pressebriefings. Er beschönigte nichts. So glaubte man.

Cuomo inszenierte sich als Gegenentwurf zu Trump

Cuomo hatte man abgenommen, dass er seine Corona-Politik nach wissenschaftlichen Notwendigkeiten ausrichtete. Er inszenierte sich am Anfang der Pandemie als ausgewogener, bedachter Gegenentwurf zum damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Im Frühjahr 2020 schaffte er es sogar als Held an der Coronafront auf das Cover des "Rolling Stone". Jetzt stellt sich das Gegenteil heraus und es zeigt sich einmal mehr: Wer in Amerika fällt, der fällt tief.

Am 2. März 2020, einen Tag, nachdem New York den ersten bestätigten Corona-Fall registrierte hatte, erklärte Cuomo bei einem Pressebriefing noch, dass man sich keine Sorgen machen müsse. "Entschuldigen Sie unsere Arroganz als New Yorker", sagte Cuomo damals, "aber wir haben hier das beste Gesundheitssystem der Welt".

Doch das Image des Krisenmanagers ist schwer angeschlagen, als im Frühjahr bekannt wurde, dass Cuomo die tatsächlichen Corona-Todeszahlen in Pflegeheimen zu Beginn der Pandemie hatte verschleiern lassen, Infizierte nicht absondern ließ, sondern zurück in die Pflegeheime kamen - wo sie andere infizierten. Die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen.

Die New York Times kommentierte die jüngsten Entwicklungen in der Causa Cuomo so: "Wenn Cuomo sich so sehr um das Wohl des Bundesstaates und seiner Bürger sorgt, wie er im Laufe der Jahre gesagt hat, muss er das Richtige tun: Er muss zurücktreten."

 

 

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