Schwere VorwürfeWarnungen vor Flutkatastrophe in Deutschland missachtet?

Es seien bei der Kreisverwaltung mehrere automatisierte Mails des rheinland-pfälzischen Landesumweltamts eingegangen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", doch wurde nicht darauf reagiert.

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Unwetter in Rheinland-Pfalz
Unwetter in Rheinland-Pfalz © (c) APA/dpa/Thomas Frey (Thomas Frey)
 

Der Landkreis Ahrweiler ist laut einem Medienbericht vor der Flutkatastrophe in der Nacht auf den 15. Juli präzise gewarnt worden, ohne jedoch rechtzeitig darauf zu reagieren. Es seien bei der Kreisverwaltung mehrere automatisierte Mails des rheinland-pfälzischen Landesumweltamts eingegangen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde.

Bereits am Nachmittag des 14. Juli veröffentlichte das Landesumweltamt demnach Prognosen, die einen Pegelstand der Ahr von deutlich mehr als dem vorherigen Höchststand von 3,7 Meter vorhersagten. Am Abend habe es dann neben den Mails auch weitere Online-Informationen der Landesbehörde gegeben. Darin sowie in den Mails an die Kreisverwaltung sei gegen 21.30 Uhr ein erwarteter Pegelstand von fast sieben Metern genannt worden. Dennoch habe der Landkreis erst gegen 23.00 Uhr den Katastrophenfall ausgerufen und Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet.

Flutkatastrophe in Deutschland: Mindestens 156 Tote - Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz

Ganze Landstriche sind verwüstet, Orte von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser weggespült: Nach Unwettern im Westen Deutschlands sind mindestens 156 Menschen gestorben. Zahlreiche werden vermisst.

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„So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Mainz.

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Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll.

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Retter und Retterinnen brachten Menschen in überschwemmten Orten zum Teil mit Booten in Sicherheit.

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Viele suchten auf Bäumen und Hausdächern Schutz vor den Fluten, Rettungshubschrauber waren im Einsatz.

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Die Unwetter hinterlassen eine Spur der Verwüstung.

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Die Bundeswehr rückt mit Bergepanzern und schweren Räumgeräten an, um die Schäden zu beseitigen.

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Die Regenfälle sorgen für Überschwemmungen, sogar Häuser stürzten ein.

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Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) verwies gegenüber der "FAZ" auf die Zuständigkeit der Kreisverwaltung. Er kündigte an, die Abläufe an dem Abend würden "exakt aufgearbeitet" werden.

Schwere Vorwürfe

Der Krisenforscher Frank Roselieb erhob in der in Koblenz erscheinenden "Rhein-Zeitung" schwere Vorwürfe gegen Landrat Jürgen Pföhler. Das Katastrophenschutzmanagement gehöre zur Kernfunktion jedes Kreischefs und jedes Oberbürgermeisters, sagte der Kieler Wissenschafter. Dass im Kreis Ahrweiler kein Voralarm ausgelöst worden sei, halte er für unerklärlich.

Die Auslösung eines Voralarms hätte laut Roselieb bereits am frühen Abend des 14. Juli erfolgen können, "um Notmaßnahmen einleiten zu können". Tatsächlich wurde der Katastrophenfall mit Warnstufe 5 laut der "Rhein-Zeitung" erst um 23.15 Uhr ausgerufen. Zu dieser Zeit erging demnach auch die Meldung, die Gebäude 50 Meter rechts und links der Ahr zu evakuieren. Als Pföhler zu dieser Zeit an die Bevölkerung appelliert habe, sich in höher gelegene Stockwerke zu begeben, seien bereits Häuser von den Wassermassen mitgerissen worden.

Konsequenzen aus der Flutkatastrophe forderte unterdessen auch der Deutsche Feuerwehrverband. "Wir werden uns mit Einsatzleitern, Vertretern der Feuerwehr-Landesverbände, aber auch mit Landkreisen und Kommunen zusammensetzen und darüber reden, welche Lehren wir aus dieser Katastrophe ziehen können", sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse der "Heilbronner Stimme". Auch der Einsatz spontaner Helfer müsse besser koordiniert werden.

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatte extremer Starkregen vor mehr als zwei Wochen verheerende Überschwemmungen ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im rheinland-pfälzischen Ahrtal, wurden verwüstet. Rheinland-Pfalz meldete bisher 135 Tote, 59 weitere Menschen werden dort noch vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es 47 Todesopfer. Am Samstag wurde in Bad Neuenahr eine erste Behelfsbrücke des Technischen Hilfswerks (THW) über die Ahr eröffnet, weitere sind demnach geplant.

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Danke für Ihr Verständnis.

kukuro05
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Ich sehe das auch für uns kommen:

Umweltbehörden warnen, Politiker blocken ab, gekaufte Medien machen mit.
Sind ja jetzt schon die Berichte hinter "Plus" versteckt.

dieRealität2020
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Sorry, was sie hier für einen Nonsens & Kokolores schreiben.

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Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Realität zeigt, dass Menschen oft genug die Gefahr unterschätzen. Nicht nur Politik und Medien. Auch Behörden und Institutionen liegen oft falsch. Wird zu früh reagiert wird kritisiert, wird zu spät reagiert ebenfalls.
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Das liegt daran, dass gefährliche Situationen von Menschen nicht immer einzuschätzen sind. Verantwortungs- und Entscheidungsträger sind nicht immer in der Lage die Situationen richtig zu bewerten und die dementsprechenden Entscheidungen zu treffen. Da ist eben die menschliche Unzulänglich´keit. Es haben hier größtenteils bestimmte Anforderungen nicht genügt.
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Keine Frage. Man wird eben ermitteln, inwieweit es hier Schuldverpflichtungen gibt.

lamagra
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Falsch!

Die Aussage von Kukuro ist zwar, so muss man es leider sagen, ziemlicher Nonsens.,
Aber Ihre Aussage ist trotzdem überhaupt nicht zutreffend!
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Es geht nicht darum, ob jemand das unterschätzt hat, es geht viel mehr darum, WIE hier die Informationen weitergegeben wurden.
Am Samstag mit einem Mail das ganze anzukündigen ist schwachsinnig!
Weiters wurden die Bewohner mittels App gewarnt. Wie viele Personen dort, haben diese App nicht? Und besonders ältere Bewohner haben nicht mal ein Smartphone, auf welchen man eine App installieren könnte.
Weiters wurde in Deutschland, in den vergangenen Jahren, die Anzahl der Sirenen von 24.000 auf 8.000 verringert.
Auch gibt es in D keine Sirenenprobe wie Ö, geschweige denn das am Samstag um 12:00 die Sirenen heulen (störte einige Bewohner)
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Bei uns würde in solch einem Fall, mittels Sirenen Alarm geschlagen. Und wenn dann ein Teil nicht weiß was dies bedeutet, so weiß es doch die Mehrzahl der Bevölkerung!
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Wo ich Kukuro recht geben muss, ist die Tatsache das von Politikern nicht jede Warnung weiter gegeben wird, wie es sich manche Organisationen wünschen würde.
Aber auch nur darum, gibt es mehrfach eine Warnung und der Extremfall tritt nicht ein, so würde auch kein Sirenenalarm mehr beachtet!