Unwetter werden stärkerKromp-Kolb warnt vor "exponentieller Entwicklung"

"Es geht nicht linear weiter, sondern exponentiell": So sieht die renommierte Klimaforscherin die Entwicklung, die uns bei den Unwettern erwartet. Tornados werden auch in Österreich intensiver sowie Hagelunwetter noch häufiger und stärker werden.

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Aftermath of rare tornado in Czech Republic
Nach dem Tornado im tschechischen Grenzgebiet. © (c) DAVID W CERNY / REUTERS / picturedesk.com (DAVID W CERNY)
 

Tornados werden auch in Österreich intensiver sowie Hagelunwetter noch häufiger und stärker werden - das prognostizierte die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in einer Pressekonferenz mit den oö. Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) am Freitag. Die Expertin warnte: "Es geht nicht linear weiter, sondern exponentiell". Man müsse daher in Sachen Klimaschutz "endlich ins Handeln kommen".

"Wenn sich die Lufthülle der Erde erwärme, entsteht mehr Energie", erklärte Kromp-Kolb den Mechanismus, der der zunehmenden Häufigkeit von Unwettern zugrunde liegt. Zudem könne die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen. "Wenn sich das entlädt - mehr Energie und mehr Wasser -" seien heftigere Regenfälle, Unwetter und Hagel sowie eventuell sogar Tornados die Folge.

In Österreich ist vor allem der Gürtel um die Alpen betroffen, also der Bereich nördlich des Gebirges und hinunter in das Burgenland und die Steiermark.

Die Expertin zum Thema Hagel

Ob Tornados in Zukunft häufiger werden, sei wissenschaftlich nicht ganz klar, so Kromp-Kolb. Das hänge u.a. mit Datenlage und der Kleinräumigkeit dieser Ereignisse zusammen: Wenn sie Siedlungsgebiete betreffen, können sie - wie in der Nacht auf Freitag in Tschechien - katastrophale Auswirkungen haben, über unbesiedeltem Gebiet werden sie manchmal gar nicht registriert. Sicher sei aber, dass die Heftigkeit der Tornados auch bei uns zunehmen werde.

Beim Hagel müsse man davon ausgehen, dass sowohl die Ereignisse häufiger als auch die Körner größer werden, das zeige die Statistik bereits jetzt deutlich. Grund für diese Entwicklung sei, dass die Luftmassen mit der Erwärmung labiler werden. In Österreich sei vor allem der "Gürtel um die Alpen" betroffen, also der Bereich nördlich des Gebirges und hinunter in das Burgenland und die Steiermark. Hagel entstehe schneller als ein Tornado, bei dem auch spezielle Windbedingungen erfüllt sein müssten.

Das nächste halbe Grad Erwärmung wird deutlich mehr Probleme bringen als das vorangegangene. Wir spielen mit dem Feuer.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb

Die Ereignisse dieses Sommers seien insgesamt nicht überraschend, "es entwickelt sich so, wie die Wissenschaft das erwartet hat", sagte die Klimaforscherin und betonte, dass die weitere Entwicklung nicht linear, sondern exponentiell verlaufen werde. Das nächste halbe Grad Erwärmung werde daher deutlich mehr Probleme bringen als das vorangegangene. "Wir spielen mit dem Feuer" und da dürfe man sich nicht wundern, "wenn man sich die Finger verbrennt. Wir als Gesellschaft und als Österreich haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht". Die Politik sei immer noch mit dem Formulieren von Zielen beschäftigt anstatt mit der Umsetzung von Maßnahmen. Grund sei vermutlich die "Angst vor Verzicht", wobei Klimaschutzmaßnahmen nicht nur Verzicht, sondern vor allem auch "ein besseres Leben" bringen würden, appellierte Kromp-Kolb.

Die Politik ist immer noch mit dem Formulieren von Zielen beschäftigt anstatt mit der Umsetzung von Maßnahmen.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb

Kaineder kritisierte, dass im oberösterreichischen Wiederaufbauplan "bei einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro gerade 20 Millionen für Klimaschutz" reserviert seien. Allein die Schäden der vergangenen 48 Stunden würden sich auf "mindestens das Doppelte" belaufen. Die Klimaschutzreferenten der Länder, die am Freitag getagt haben, seien sich einig, dass "Klimaschutz oberste Priorität bei allen politischen Entscheidungen haben muss", man dürfe nicht riskieren "unseren Kindern einen unwirtlichen Planeten zu übergeben".

"Fakt ist, Wetterereignisse wie der gestrige Tornado werden durch die Klimakrise häufiger und extremer. Das bedeutet auch eine zunehmende Bedrohung für Menschen, Landwirtschaft und Natur", unterstrich auch Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin von Greenpeace in Österreich.

"Wenn man Kohle, Öl und Gas verbrennt, steigen die Temperaturen auf der Erde. Je heißer es wird, desto mehr nimmt die Intensität von Extremwetterereignissen zu. Solche Stürme wie gestern werden wir in Zukunft immer öfter erleben", so die Expertin.

Kommentare (15)
Wuffzack3000
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An die Klimawandel-Freaks!

Die obligatorische Ankündigung der Apokalypse!

Nur so ein Hinweis: Der stärkste dokumentierte Tornado in Österreich war 1916 in Wr. Neustadt.

Seither hat es zum Glück nie wieder annähernd so ein Ereignis gegeben!

Mein Graz
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@Wuffzack3000

Und weils 105 Jahre her ist glaubst du, dass es wieder über 100 Jahre dauert?

😱

Toyota11000
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sagens das

mit öl und kohle verbrennen den chinesen.....

isteinschoenerName
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Nummer 6

14 Stufen des Denialism:

1) Vom Klima weiß ich nichts.
2) Nicht das oben Gesagte, aber das Klima wird nicht wärmer.
3) Nicht das oben Gesagte, aber die globale Erwärmung ist nur eine zufällige Variation.
4) Nicht das oben Gesagte, aber die globale Erwärmung wird nicht vom Menschen verursacht.
5) Nicht das oben Gesagte, aber die globale Erwärmung ist nicht ernst oder nicht dringend.
6) Nicht das oben Gesagte, aber ich muss nichts tun (aber Politiker, Unternehmen, andere Länder, andere Menschen).
7) Nicht das oben Gesagte, aber ich kann nichts ändern.
8) Nicht das oben Genannte, aber die globale Erwärmung macht mich schlecht, und deshalb vermeide ich diese Diskussionen und Maßnahmen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung.
9) Nicht das oben Gesagte, aber es ist schon zu spät.
10) Nicht das oben Gesagte, aber Klimaschutz ist zu teuer.
11) Nicht das oben Gesagte, aber ich möchte meinen Lebensstil nicht aufgeben.
12) Nicht das oben Genannte, aber ich spende bereits für eine andere Wohltätigkeitsorganisation (z. B. Tierschutz, Menschenrechte) oder schütze das Klima auf andere Weise (z. B. Licht ausschalten, Energiesparlampen, Recycling).

lilith73
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Bäume

Einziger Weg dem Klimawandel zu begegnen ist es Wälder wachsen zu lassen statt jene für Siedlungen und Einkaufszentren zu roden. In Graz wird gebaut trotz massivem Leerstand, es wird Fläche versiegelt wie noch nie zuvor. Nicht ein bisschen mehr CO2 ist das Problem, sondern das Abroden und Zubetonieren bei uns und auch im Amazonas zwecks Rinderhaltung oder Soja Tierfutter.

future4you
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Versiegelung der Böden

Dass dies noch immer ungehemmt passiert/passieren darf und Österreich Europameister dabei ist, zeigt, wie wenig sich Politik&Volk um die Umwelt kümmert. Schon lange gehört in die Höhe gebaut, wenn man schon weiter dem Wachstumswahn huldigen will.

scherz
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Für mich ist es ganz einfach!

Ich bin der Oberchecker und habe nach kurzem Nachdenken für mich meine weitere Vorgangsweise beschlossen.
-1. Auto und Job ist wichtiger als mein Minibeitrag bei meiner Verhaltensänderung
- Alle Anderen sollen sich gefälligst am Riemen reißen, eine Frechheit was die sich leisten ;-)

Ba.Ge.
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Die Natur wehrt sich.

Dies zeigt sich zb an Unwettern, aber auch Corona würde ich dazu zählen (wenn es nicht dich aus dem Labor gekommen ist).

Planck
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Naja, die Natur 'wehrt' sich nicht,

sie gehorcht den Naturgesetzen.
Immer.
Ohne Ziel, ohne Zweck, ohne Absicht (was der Begriff "wehren" implizieren würde).

Diese Naturgesetze haben wir ganz gut verstanden (jedenfalls im Mittelteil, wo es um Meter und Sekunden geht), nur hat sich halt noch nicht durchgesprochen, dass jede Handlung (und jede Unterlassung) zwangsläufig Konsequenzen haben muss.
Weil Kausalketten im Mesokosmos niemals unterbrochen werden können.
Auch so ein komisches Naturgesetz, das nicht novellierbar ist *g

Ba.Ge.
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Ist mir klar.

Ich dachte nur „wehren“ würde deine Beschreibung in etwa zusammenfassen (Konsequenzen zeigen sich durch unser handeln) - scusi ;)

jaenner61
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mir ist schon klar

dass in summe alles zählt, aber gegen staaten wie china sind wir in österreich ja jetzt schon musterschüler was den umweltschutz betrifft. also frage ich mich, was unsere bemühungen bewirken sollen, (außer, dass unsere wirtschaft nicht konkurrenzfähig ist, im gegensatz zu ländern die auf umweltschutz keinen wert legen) wenn nicht die ganze welt vereint das ruder herumreißt 🤔

RonaldMessics
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jaenner61

Nur das blöde ist, dass das Trägheitsverhalten des Klimas vorhanden ist. Das Jetzt beim Klima wurde vor mehreren Jahrzehnten determiniert, und da waren die Industriestaaten Eurooas und den USA maßgebend.

kukuro05
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und jetzt stellen Sie sich einmal vor.....

.....jeder Erdenbewohner würde so urasen wie der Durchschnittsösterreicher!
Hier bei uns bzw. in der sogenannten westlichen Welt sitzen die größten Verursacher des Klimakollapses, schauen Sie sich doch die Leute an bei uns: kaufen, verschwenden, wegschmeißen, Anhäufen von Gütern bis zum geht nicht mehr, jeder braucht ein Auto für jeden noch so kleinen Weg, etc etc als gäbe es kein Morgen. Und das nennen die Deppen wohlverdienten Wohlstand. 80% der Erdbewohner fliegen nie in ihrem Leben.
Wie oft im Jahr fliegt der Durchschnittsösterreicher?
Ließe sich endlos fortsetzen.......

huckg
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Alles Relativ

Natürlich kannst du den CO2 Fußabdruck und die Umweltverschmutzung auf Nationalstaaten herunterbrechen, nur das ist dem Klimawandel so was von egal. Wenn du aber das einzelne Individuum betrachtest wirst du merken, das wir - du und ich - zu den 5% der größten Verursacher auf der Welt zählen. Und nicht Herr Wu und Herr Xing aus China. Also Vergiss diesen Blödsinn mit China, dass ist nur Selbstbetrug.

GordonKelz
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Solange bei den Präsidenten von CHINA und

anderen Großverschmutzern der Erde, nicht die LUNTE AM HINTERN BRENNT ist denen jede Entwicklung auch eine " exponentielle "
völlig egal.....
Gordon