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Tragischer Fall in ZürichToter fuhr sechs Stunden mit der Straßenbahn - keiner merkte es

Ein 64-Jähriger erlitt kürzlich in einer Straßenbahn in Zürich einen Herzstillstand. Was danach geschah? Wie seine Kinder nun berichten, passierte lange einmal gar nichts.

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Braucht es mehr Zivilcourage und Hilfsbereitschaft auch in der Straßenbahn?
Braucht es mehr Zivilcourage und Hilfsbereitschaft auch in der Straßenbahn? © APA/HANS PUNZ
 

Ein tragischer Todesfall in der Schweiz sorgt derzeit für Betroffenheit. Auf dem Weg in die Arbeit starb am Montag ein 64-jähriger Mann - in der Straßenbahn. "Mein Vater erlitt im Tram einen Herzstillstand", erklärte sein Sohn nun gegenüber dem Schweizer Portal "20min".  Was den 40-Jährigen neben der Trauer um seinen Vater besonders schockierte: "Weder dem Tramchauffeur noch den anderen Passagieren fiel etwas auf. Mein Vater fuhr stundenlang leblos in der Straßenbahn mit. Zur Hilfe kam dem Mann offenbar niemand.

Die Leute sind heutzutage zu sehr auf sich konzentriert und nehmen ihre Umwelt gar nicht mehr wahr.

Der Sohn des Verstorbenen

Erst sechs Stunden später habe eine Frau den Straßenbahnchauffeur auf den 64-Jährigen angesprochen. "Mein Vater war schon seit Stunden tot. Videoaufnahmen zeigen, dass er bereits kurz vor der Tramhaltestelle Lochergut eingesackt war und regungslos sitzen blieb", erklärte der Sohn.

Ihm gehe es nun darum, auf Fälle wie diesen aufmerksam zu machen. "Die Ignoranz der Leute macht mich fassungslos und traurig", so der Sohn. Er ruft die Menschen zu mehr Zivilcourage und Hilfsbereitschaft auf - auch in der Straßenbahn.

Kommentare (8)
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Adiga
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Anonymität

Es liegt wahrscheinlich an der Anonymität mit der sich die Bewohner in einer größeren Stadt bewegen und aufhalten. Man will ja niemanden den man nicht kennt zu nahe rücken. Außerdem läuft man so vielen Individuen übern Weg, und damit man davon nicht geschlaucht wird, wenn man zu vielen davon bewusst wahrnehmen würde, blendet man die anderen, die man sowieso nicht kennt, und dessen Leben man sich auch nicht einmischen möchte, einfach aus.

Die zufälligen Begegnungen sind nur ein annoymes aneinander vorbeilaufen, nur wenn man eine Gangbild oder eine Haltung zufällig wiederzuerkennen glaubt, weil es Bewegungsmuster einer persönlich bekannten Person gleicht, wird man etwas aufmerksamer, falls man nicht sowieso im Kopf schon am Ziel ist, oder bei einem anderen Gedanken von dem beschäftigt wird.

Der tägliche Weg durch eine Stadt ist eine automatisierte Routinehandlung und oft hasst man es sogar wenn fremde Leute daherkommen, die die eigene Abschottung durchbrechen. Schließlich benutzt man dies wie ein Schild, um sich so energiesparend wie mgöich von A nach B zu bewegen. Weil wer kann sich heutzutage schon leisten seine Energie zu verschwenden, indem man dem Gewussel um sich zuviel Aufmeksamkeit schenkt. Die einzigen die sich im Gewussel umsehen sind jene, die aktiv nach paarungswilligen Individuen umschauen. Die bemerken aber ältere Menschen auch nicht.

Durch die Maskenpflicht wird das alles noch unaufälliger... sozusagen abgetaucht in den Tarnmodus.

Metis
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Wahrscheinlich ….

… ist es ja auch nicht immer leicht sofort so eine Situation zu erkennen. Es nicken immer mal Passagiere ein, deswegen sind sie noch lange nicht gestorben. Wenn ich selbst ein paar Stationen in der Straßenbahn fahre, wecke ich nicht jeden eingeknickten auf. Das hat mit dem Handy (früher auch Zeitunglesen ) nichts zu tun.

seigin
5
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Situation erkennen

Man kann aber zumindest versuchen zu erkennen, ob die Person atmet oder sich gelegentlich bewegt. Und wenn die Situation eigenartig erscheint, kann man zum Fahrer gehen um das zu melden, wenn man selbst nicht in der Lage ist zu helfen.

merch
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...

Und wer soll das tun? Zuerst muss man was ungewöhnlich erscheinendes bemerken.....

eleasar
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Vielleicht auch Generation "Smartphone vorm Gesicht, Kopfhörer auf"?

Viele können nicht mal mehr 10 sek nichts tun, ohne das Smartphone zu zücken, geschweige denn ihre Umwelt wahrnehmen. Am Bildschirm lesen sie dann, dass der Mann, neben dem sie gerade saßen, schon lange tot war.

Wobei auch Corona uns menschlich voneinander entfremdet hat. Über ein Jahr lang "Abstand halten und nur nicht zunahe kommen" hinterlässt Spuren...

silentbob79
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Vor 30 Jahren sind die Leute halt

mit der aufgeschlagenen Zeitung in der Straßenbahn gesessen, damit sie ja von der Umgebung nix mitbekommen haben.

shaba88
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Kommentar

Die Schweizer brauchen dazu erst mal eine Volksabstimmung um hilfsbereit zu sein.

paulrandig
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shaba88

Wenn das lustig sein soll: FAIL