LockerungenCoronawende im Ferienland: Warum Portugal wieder aufmacht

Die „Notbremsung“ im Juni hat offensichtlich geholfen. Delta-Welle unter Kontrolle, die Beschränkungen fallen.

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Straßenszene aus Porto: Beschränkungen werden Schritt für Schritt zurückgenommen © Andreas Lieb
 

Aufatmen in Portugal: Das Atlantik-Ferienparadies, das als erstes Land auf dem europäischen Kontinent von der Delta-Variante erfasst worden war, scheint den Scheitelpunkt dieser neuen Coronawelle überstanden zu haben. Offenbar zeigen die Mitte Juni eingeführten neuen Beschränkungen Wirkung. Die Infektionskurve sinkt seit einigen Tagen deutlich. Premier António Costa kündigte deswegen an, dass das Land am Atlantik vom 1. August an wieder die Öffnung wagt.

„Die Befreiung der Gesellschaft wird schrittweise erfolgen“, sagte Costa. In einer ersten Stufe, die pünktlich mit dem Start des Ferienmonats August beginnt, fällt die bisherige nächtliche Ausgangssperre. Der Lockdown galt von elf Uhr abends bis fünf Uhr morgens in all jenen Regionen mit besonders hoher Inzidenz. Vom Ausgehverbot waren auch die wichtigsten Touristenhochburgen betroffen wie etwa die Algarve-Küste, der Großraum Lissabon und die Region rund um die malerische Hafenstadt Porto.

Zudem werden in der Gastronomie die Zügel lockerer gelassen. Landesweit dürfen Bars und Restaurants wieder bis zwei Uhr morgens öffnen. Allerdings müssen die Gäste weiterhin bestimmte Regeln beachten: Auf den Außenterrassen sind maximal zehn Personen pro Tisch erlaubt, drinnen sogar nur sechs. Wer am Wochenende in den Innenräumen speist, kann dies nur mit Gesundheitszeugnis tun, das belegt, dass der Gast geimpft, genesen oder kürzlich getestet ist.

Das Covid-Zertifikat ist auch weiterhin für die Einreise auf dem Land- wie auf dem Luftweg für alle Urlauber Pflicht. Zudem muss bei jedem Einchecken in einer touristischen Unterkunft nachgewiesen werden, dass der Gast gesund ist.

Verschlechterung im Juni

Mitte Juni waren die Infektionen in Portugal explodiert. Der starke Anstieg war vor allem der Delta-Variante zugeschrieben worden. Vermutlich war diese Mutation über Großbritannien, den wichtigsten Reisemarkt Portugals, eingeschleppt wurden. Inzwischen ist die hochansteckende Variante Delta nicht nur in Portugal, sondern in ganz Europa vorherrschend. Portugals Notbremsung mit einem Teil-Shutdown half anscheinend, die Ansteckungskurve langsam wieder nach unten zu drücken.

Inzwischen sank die landesweite 7-Tage-Inzidenz leicht unter 200 Fälle pro 100.000 Einwohner. Damit steht Portugal mittlerweile besser da als die Urlaubsländer Spanien, Frankreich oder Griechenland. 200, das ist der Grenzwert, ab dem zum Beispiel Deutschland eine Region als Hochinzidenzregion einordnen kann, was dann im Falle Portugals auch geschah. Für nichtgeimpfte deutsche Reiserückkehrer hat dies eine Quarantänepflicht zur Folge, die erst nach fünf Tagen mit einem negativen Test beendet werden kann.

Diese Berliner Einstufung Portugals, die wohl zunächst noch bestehen bleiben wird, hatte einen empfindlichen Buchungseinbruch auf dem deutschen Reisemarkt zur Folge. Die Deutschen gehören nach den Briten und den Spaniern traditionell zu den besten Ferienkunden Portugals.

Coronabrennpunkt war und ist ausgerechnet die Algarve-Urlaubsküste, die beliebteste Ferienregion des Landes. Dieser Umstand spricht dafür, dass der Tourismus - und dies, wohl nicht nur an der Algarve – ein guter Virus-Nährboden ist. Zuletzt lag die Wochen-Inzidenz an der Ferienküste bei 380 Fällen pro 100.000 Einwohner – ebenfalls mit sinkender Tendenz. Vor zwei Wochen war an der Algarve noch ein Risikowert von nahezu 500 registriert worden.

Erfolgreiche Impfkampagne

Portugals Regierungschef Costa glaubt, dass sein Land das Schlimmste überstanden hat. Die Folgen dieser nun abklingenden Coronawelle seien weniger dramatisch gewesen als jene der vorhergehenden Welle Anfang des Jahres. Damals waren die Krankenhäuser mit Patienten überfüllt. Das war dieses Mal nicht der Fall, die meisten Infektionsverläufe waren sehr viel leichter als früher.

Diese positive Entwicklung sei vor allem der erfolgreichen Impfkampagne zuzuschreiben, sagte Costa. Jetzt, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung den kompletten Schutz erhalten habe, sei es zudem an der Zeit, zur Lagebeurteilung nicht mehr auf den Inzidenzwert zu starren, sondern die hohe Impfrate zu berücksichtigen. 57 Prozent der Portugiesen seien inzwischen doppelt geimpft, damit liege das Land über dem europäischen Durchschnitt.


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