Pro & Kontra Soll es eine Corona-Impfpflicht für Lehrpersonal geben?

Die Debatte über eine Impfpflicht, zumindest für manche Berufsgruppen, nimmt mit steigenden Infektionszahlen wieder Fahrt auf. Niederösterreich will nun Lehrer zur Impfung verpflichten – ein Vorhaben, das polarisiert. Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin für Bildung und Soziales in Niederösterreich und Elisabeth Meixner, steirische Bildungsdirektorin im "Pro & Kontra".

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Soll es eine Corona-Impfpflicht für Lehrpersonal geben?
Soll es eine Corona-Impfpflicht für Lehrpersonal geben? © (c) Stefan Pajman/ ballguide
 

Pro

Kinder haben Einschränkungen zum Schutz der Älteren monatelang mitgetragen. Nun sollten wir einen Schutzwall für die Kinder errichten – in Form der Impfung als Voraussetzung bei Neuanstellung im Bildungsbereich. Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin für Bildung und Soziales in Niederösterreich

Die Impfung ist der wichtigste Trumpf in unseren Händen im Kampf gegen die Pandemie. In allen Arbeitsbereichen mit engem Kontakt zu vulnerablen Personengruppen wie in Pflegeheimen, haben wir die positiven Auswirkungen der Impfbereitschaft deutlich gespürt. Deshalb ist es wichtig, eine ernsthafte, wertschätzende Diskussion auf Augenhöhe über die Impfung als künftige Voraussetzung für Neuanstellungen in Bereichen wie Schulen und Kindergärten zu führen.

Die Lehrerinnen und Lehrer haben in dieser Pandemie extrem viel geleistet. Sie haben sämtliche Vorschriften befolgt, Hygienebestimmungen eingehalten, das Distance Learning organisiert, Testkonzepte umgesetzt und zu einem großen Teil freiwillig vom Impfangebot Gebrauch gemacht. In Niederösterreich gehen wir im Bereich des Bildungspersonals von einer Durchimpfungsrate von bis zu 80 Prozent aus. Das ist eine großartige Zahl, die deutlich macht, wie hoch die Impfbereitschaft ist. Jetzt geht es darum, sicherzustellen, dass wir auch bei Neueintritten in das Bildungssystem diese Bereitschaft zur Mithilfe im Kampf gegen die Pandemie voraussetzen und damit weiter beibehalten, um so gemeinsam einen Schutzwall für unsere Kinder zu errichten. Kinder sind in diesem System jene Personengruppe, die sich nicht aus eigenem Entschluss mittels Impfung schützen kann. Allen anderen kommt eine besondere Schutzpflicht zu.

Ich bin davon überzeugt, dass sich jene Menschen, die einen Beruf in dem sensiblen Bereich ergreifen, bewusst dafür entscheiden, Kindern und Jugendlichen beim Start ins Leben umfassend zu helfen, sie zu unterstützen, zu beschützen. Dazu sollte die Bereitschaft zählen, sich zum eigenen sowie zum Wohle der anvertrauten Kinder, die sich selbst noch nicht umfassend schützen können, gegen das Virus impfen zu lassen.
Wir haben als Gesellschaft in der ersten Phase der Pandemie alle Kräfte gebündelt, um die älteren Menschen in unserem Land bestmöglich zu schützen. Unsere Kinder und Jugendlichen haben die Einschränkungen und Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitmenschen monatelang mitgetragen, haben etwa ihre Großeltern und Freunde nicht besucht, auf Hobbys verzichtet und von zu Hause gelernt. Jetzt sollten wir die gleiche Kraftanstrengung für unsere Kinder aufbringen und alles tun, um die Jungen, die sich nicht impfen lassen können, besonders gut zu schützen.
Für uns alle gilt: Wer sich impfen lässt, hilft aktiv mit, jene Mitmenschen zu schützen, für die aus den unterschiedlichsten Gründen keine Impfung in Frage kommt.

Zur Person

Christiane Teschl-Hofmeister ist gebürtige Grazerin. Sie war Chefredakteurin im ORF-Landesstudio NÖ, ehe sie 2018 von LH Johanna Mikl-Leitner als Landesrätin für Bildung und Soziales in die Regierung geholt wurde.

© APA

 

 

Kontra

Die Impfung sollte kein Zwang werden müssen,
sondern eine Selbstverständlichkeit. Denn eine
hohe Durchimpfungsrate verspricht unseren Kindern und
Jugendlichen ein Schuljahr des sozialen Miteinanders. Elisabeth Meixner, steirische Bildungsdirektorin

Verantwortungsträger unternehmen intensive Anstrengungen, das Ende der Pandemie und die nachhaltige Rückkehr zu unserem gewohnten Leben herbeiführen. Dieses viel zitierte „Licht am Ende des Tunnels“ aufgrund des Impffortschritts und der beinahe flächendeckenden Testungen lassen hoffen. 2020/21 zählte bereits zum zweiten Schuljahr, das von der andauernden Pandemie überschattet war. Für 141.000 steirische Schüler und rund 16.000 Lehrer war das Jahr geprägt von ihnen bisher unbekannten Umständen.

Der Kit für das dennoch gelungene Schuljahr war der Zusammenhalt und Fleiß von Direktoren, Lehrern und Eltern. In kürzester Zeit wurden unsere Schüler mit MNS, FFP2 Masken, Desinfektionsmittel und Millionen von Tests versorgt. Wer über unsere Schüler von einer verlorenen Generation spricht, der irrt. Verzicht, Selbstorganisation, ein Zuwachs an digitaler Kompetenz, die Sehnsucht nach Begegnung, das Verhalten in einer Krise und vieles mehr sind lehrreicher Teil der Entwicklung unserer jungen Menschen. Geprägt war die Zeit gleichsam von Isolation, Sehnsucht nach Freunden, zahllosen Stunden vor dem Computer und der steten Ungewissheit, wie es in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten weitergehen würde. In der Wissenschaft schaffende Menschen haben ein Meisterstück vollbracht. Wir erinnern uns an den ersten Stich in den Oberarm eines angesehenen Arztes im Licht des Scheinwerfers. Ein Impfstoff gegen dieses gefürchtete Virus, das zum Tod von so vielen geliebten Müttern, Vätern und Großeltern geführt hatte, ist erfunden. Gefolgt von der Neiddebatte und Zwiespalt um das Erfundene, erreichte uns eine öffentlich wankelmütige Diskussion. Wer zuerst? Welcher Impfstoff? Welche Nebenwirkungen? Der Sommer verleitet zur Normalität. „Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt – und nicht, was wir ersehnt haben“ – dieser Sinnspruch Arthur Schnitzlers gilt, wenn wir uns nach dem Ende der Pandemie sehnen. Dank an das Land Steiermark für die Impfaktion für das Bildungspersonal, frühzeitig. Die Impfung sollte nicht zum Zwang werden müssen, sondern eine Selbstverständlichkeit sein, aus Dankbarkeit und Solidarität unter Menschen. Eine hohe Durchimpfungsrate verspricht unserem wertvollsten Glied der Gesellschaft, unseren Kindern und Jugendlichen zumindest ein Schuljahr des sozialen Miteinanders, der Begegnung, des sich Umarmen Könnens, des Austausches und der Bildung unter Gleichaltrigen in unseren Bildungsstätten.

Zur Person

Elisabeth Meixner ist steirische Bildungsdirektorin. Sie trägt die Verantwortung für das gesamte steirische Schulwesen und ist damit auch für die Pädagoginnen und Pädagogen zuständig.

© KK


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (19)
STEG
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Bildungspersonal

Angeblich lassen sich bildungsferne Schichten nicht impfen. Dass 30 % Bildungspersonal auch bildungsfern handelt, zeugt nicht gerade von Intelligenz. Und das kleinkindhafte Verhalten (wieso soll ich mich impfen lassen?), spricht Bände. Nie Erwachsen geworden, manches Lehrpersonal. Das ist offensichtlich!

Ogolius
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Impfpflicht

Dass bezüglich unserer herrschenden Pandemie keine evidenzbasierten Daten bestehen, ist Fakt. Die letzte unsere Menschheit ähnlich gewesene Bedrohung war die „spanische Grippe“, die bekanntlich mehr Menschenleben als der gesamte erste Weltkrieg gefordert hat. Erst mit der Möglichkeit einer Impfung wurden zB Polio und Kinderlähmung in unseren Breiten in den Griff bekommen. Wir als Kinder meiner Generation hatten Gottseidank diese Chance und das war gut so. Heute gibt’s einen „freien Denkraum“ und die sogenannte „freie Entscheidung“, nur das Gesellschaftsbild hat sich geändert - leider nicht nur zum Guten. Vielleicht ist es wieder an der Zeit, dass ein Gedanke an „ein bisschen Not tut gut“ Platz greift, es könnte einem gesunden Hausverstand dienlich sein.

feringo
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Direktion hat sich zu deklarieren | Freie Schulwahl

Für oder gegen Impfpflicht ist grundsätzlich eine schwierige Entscheidung. In Sachen Schule und Lehrer ist die Lage mit Fixpunkten versehen, die zu ändern sind. Die Frisörin kann ich mir aussuchen, gehe halt nicht zur ungeimpften und auch nicht zum ungeimpften Mechaniker. Genau diese Freiheit möchte ich aber auch für die Schüler.

selbstdenker70
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...

Vernünftige Luftfilter in die Klassen und Ruhe ist. In jedem vernünftigen Büro stehen sie bereits, und die Wirkung ist mehrfach bewiesen. Aber die kommen wahrscheinlich erst wenn ein Freund von einem Freund von einem Politiker diese Geräte vertreibt.....

checker43
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Das

RKI sagt, dass die Luftfilter in Klassenräumen nichts nützen. Die Ansteckungen erfolgen von Kind zu Kind direkt, nicht über die Raumluft.

vpower
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Unfassbar

Es ist unfassbar eine Impfpflicht zu fordern, nachdem wir mittlerweile gesehen haben, dass diese Impfung für so manchen alles andere als harmlos ist. Deshalb: Selbstverantwortung, Freiwilligkeit. Krankheit ganzheitlich sehen.

Patriot
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Wenn Impfpflicht, dann für ALLE!

Alles andere hält ohnedies nicht vor dem Verfassungsgerichtshof.

ReinholdSchurz
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Über so was braucht man nicht diskutieren 👣🎪

Die Damen und Herrn haben eine Vorbild Funktion und das sagt bereits alles über ihr zukünftiges Verhalten aus🙆🏻‍♂️

Stemocell
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Ist schon komisch,

fast jeder zweite Artikel den ich unlängst lese handelt in irgendeiner Form von Pflicht. Impfpflicht, Testpflicht, Registrierpflicht, Mitwirkungspflicht…bald Fernsteuerungspflicht? Und das Volk macht jubelnd mit, anscheinend völlig Wurscht, jetzt wissens‘ wenigstens, dass‘ alles mit uns machen können, wenn nur genug Leute glauben, dass es zum Wohle der Allgemeinheit gerechtfertigt ist. Hat immer schon gut funktioniert.
Für mich ist eine Impfpflicht mit einer demokratischen Republik jedenfalls nicht vereinbar, egal in welcher Form. Ich habe mich für die Impfung entschieden, ganz einfach, weil ich sie für das geringere Übel halte und grundsätzlich nichts gegen Impfungen habe. Ich verurteile im Gegenzug aber auch niemanden, der sich, aus welchen Gründen auch immer, dagegen entscheidet.
Wir brauchen keine ‚Konsequenzen‘ für nicht-Geimpfte oder ‚Zuckerl‘ für Geimpfte, für müssen einfach nur jedem die Möglichkeit geben, sich durch die Impfung gegen eine Krankheit zu schützen, mehr nicht.

gm72
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Doch, wir brauchen Konsequenzen für Nicht-Geimpfte!

Wie immer diese auch aussehen mögen, z.B weitere Testpflicht, etc. Sonst glauben die Verweigerer auch noch, dass sie mit ihrem Nullbeitrag auch noch Recht haben. Ich verstehe, dass es Personen gibt, die nicht geimpft werden *können* und die gehören geschützt durch eine hohe Durchimpfungsrate. Aber ich habe kein Verständnis für Verweigerer, die sich auf der Siegerstraße fühlen, aber völlig falsch liegen und niemandem einen Dienst erweisen, außer sich selbst.

Stemocell
26
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Und wen genau erweise ich

mit der Impfung einen Dienst, außer mir selbst? Kann man sich nicht nach jüngsten Erkenntnissen trotz Impfung infizieren und das Virus weitergeben? Wurde nicht unlängst wegen genau diesen Erkenntnissen eine Testpflicht auch für Geimpfte gefordert bzw. Geimpfte als ‚die neuen Gefährder? bezeichnet? Sorry, aber die allermeisten Menschen lassen sich aus rein egoistischen Gründen impfen und sei es nur, un wieder halbwegs normal lebeb zu können.

35319cd1ae6eda8de8aa5653d48c495c
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"Schutzwall für Kinder"

Warum muss ich mich eigentlich regelmäßig pflanzen lassen, indem die Kinder als gefährdet hingestellt werden? Gefährdet sind sie nur von Subjekten, die sie den ganzen Tag lang mit Masken in Klassenzimmern sitzen lassen.
Irgendwann reichts dann mal - es gibt Menschen, von denen sollte man als Kind nicht "geschützt" werden...

DannyHanny
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Styriart!

Vielleicht kennen Sie jemanden, der jemanden kennt, der an der Kinderklinik im LKH Graz arbeitet, oder im AKH in Wien!
Fragen Sie bei denen mal nach!

35319cd1ae6eda8de8aa5653d48c495c
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Danny

Wenn du Tatsachen verdrehen möchtest - bei mir bist da ganz falsch....

DannyHanny
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Styriart!

Welche Tatsachen verdrehe ich???
Nur weil Sie nicht wahrhaben wollen,das Kinder sehr wohl schwer an Covid 19 und deren Folgen, erkranken können!
MIS-C sagt Ihnen der Begriff etwas?
Es ist zwar richtig, das Kinder viel weniger an dem Virus erkranken, aber ausgeschlossen ist gar nichts. Und ein Kind mit z.B. Multiplen Entzündungen im ganzen Körper auf Intensiv liegen zu haben, ist auch das Gegenteil von lustig!

35319cd1ae6eda8de8aa5653d48c495c
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Diese Fälle

sind so selten, dass sie gar nix rechtfertigen. Da gibt es bei der Grippe mehr und schwerere Fälle. Da hüpfst ja auch nicht so hysterisch auf und ab, oder?

DannyHanny
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Styriart!

Sagen Sie das den betroffenen Eltern und Kindern!
Und hüpfen ist besser, als den Kopf in den Sand stecken.....die Sauerstoffversorgung vom Gehirn ist besser!

freeman666
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Menschen mit Verantwortung lassen sich impfen

Die Impfung ist sicher und schützt, das haben alle Menschen mit klarem Verstand kapiert. Die Aluhuttypen ala Kickl machen ohnehin alles anders aus kindlichem Trotz und Frust heraus. Die impft irgendwann eben das Virus persönlich.

DannyHanny
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@ Menschen mit Verantwortung

Bei der Menge an Rotstrichlern, glaubt man wirklich......viele warten nur auf einen Tritt in den Hintern von Covid 19!