Die zunächst in Indien entdeckte Corona-Variante Delta ist Analysen zufolge wesentlich ansteckender als der in Großbritannien entdeckte Alpha-Typ. Das Risiko, die Menschen im eigenen Haushalt anzustecken, sei bei Delta schätzungsweise 60 Prozent höher als bei Alpha, teilte die englische Gesundheitsbehörde Public Health England am Freitag mit. Außerdem soll sich Delta stärker als andere Varianten der Schutzwirkung der Impfstoffe entziehen können.

Studie: Vollgeimpfte dürften gut geschützt sein

Das gelte vor allem nach nur einer Impfdosis. Vollständig Geimpfte seien jedoch sehr gut vor der Delta-Variante - auch B.1.617.2 genannt - geschützt. Einer neuen Studie der University of Texas zufolge, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, gilt dies vor allem auch für den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer.  Auch vor mehreren anderen Varianten wie beispielsweise der zuerst in Nigeria aufgetretenen Mutante B.1.525 schütze der Impfstoff, schreiben die Wissenschafter um Pei Yong Shi.

Zu Bedenken ist aber, dass dies kein abschließendes Urteil sein kann, denn die Studie ist sehr klein. Die Forscher untersuchten 20 Blutproben von 15 Menschen, die jeweils zwei Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer erhalten hatten, und testeten die Reaktion auf die verschiedenen Corona-Varianten. Die Wirksamkeit der Antikörper sei bei den Varianten zwar niedriger ausgefallen als bei einem im Jänner 2020 isolierten Coronavirus-Typ, sie sei jedoch immer noch "robust", hieß es. Vorherige Studien und Datenerfassungen hatten ähnliche Ergebnisse erbracht.

Österreichs Vorsprung gegenüber Großbritannien

Die Delta-Variante sorgt im Vereinigten Königreich derzeit offiziellen Angaben zufolge für rund neun von zehn Corona-Infektionen. Sie ließ die lange Zeit sehr niedrige Sieben-Tage-Inzidenz auf zuletzt knapp 52 ansteigen und könnte die geplanten weiteren Corona-Lockerungen gefährden.

Der österreichische Virologe Andreas Bergthaler hat diese Woche vor der Delta-Variante gewarnt. Ein hoher Immunisierungsgrad sei das beste Mittel, um infektiösere Varianten mit möglichem Immunescape (Ausweichen gegenüber dem Immunsystem; Anm.) hintanzuhalten. "Bei der Delta-Verbreitung scheint Österreich bis jetzt circa ein bis zwei Monate 'Vorsprung' gegenüber Großbritannien zu haben. Dieses Fenster sollten wir durch Impfungen nutzen", forderte Bergthaler auf Twitter.