Den zweiten Tag in Folge hat die belgische Polizei in einem Brüsseler Park ein Treffen Hunderter Menschen wegen Verstößen gegen Corona-Regeln aufgelöst. Mit Wasserwerfern, Pferden und Tränengas wurden am Freitagabend die letzten größeren Gruppen aus dem Bois de la Cambre gedrängt, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete. Zuvor waren die Menschen per Lautsprecher aufgefordert worden, den Park wegen der Verstöße gegen die Hygienebestimmungen zu verlassen.

In Belgien dürfen sich derzeit nur Gruppen von vier Menschen draußen treffen. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga war von elf Festnahmen die Rede. Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es.

Zuvor waren Flaschen, Äste und Pyrotechnik auf die Polizistinnen und Polizisten geworfen worden, wie der dpa-Reporter beobachtete. Die letzten kleineren Gruppen wurden mit Tränengasgranaten und behelmten Einsatzkräften aus dem Unterholz im Park getrieben.

Protestierende am Tag nach dem Polizeieinsatz im Park
Protestierende am Tag nach dem Polizeieinsatz im Park © AP

Bereits am Donnerstag hatten sich nach einem Aufruf im Internet Polizeischätzungen zufolge rund 1500 bis 2000 Menschen in dem Park versammelt und gefeiert. Wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur berichtete, wurden bei dem Einsatz 26 Beamte und mindestens acht an dem Massenauflauf beteiligte Menschen verletzt. Wasserwerfer, berittene Polizisten und Polizeihunde kamen zum Einsatz. Schätzungen der Sicherheitskräfte zufolge versammelten sich rund 1.500 bis 2.000 Menschen im Bois de la Cambre, wo sie gegen Abstands- und Hygieneregeln verstießen. Vor dem Massentreffen war laut Belga über das Internet zu einer kostenlosen Musikveranstaltung aufgerufen worden. Wie die Polizei der dpa bestätigte, handelte es sich bei dem Aufruf um einen Aprilscherz. Für diesen Freitagabend ist im Internet laut Belga erneut eine Feier im Park angekündigt worden.

Die Polizei bestätigte 22 Festnahmen. Zudem wird ein Beteiligter laut Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung vor Gericht gestellt. Von den acht verletzten Partygängern kamen zwei zur Behandlung ins Krankenhaus.

Bilder zeigten blutüberströmte Polizisten, mindestens eine brennende Barrikade und offensichtlich betrunkene Jugendliche und junge Erwachsene. Auf einem Video, das vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTBF veröffentlicht wurde, war eine Aufforderung der Polizei zum Auflösen der Versammlung zu hören - zu Krawallen kam es augenscheinlich erst nach der Lautsprecherdurchsage.

Die Sicherheitskräfte wurden aus der teils sehr aggressiven Menschenmenge heraus mit Flaschen beworfen und von den zahlenmäßig überlegenen Randalierern in die Enge getrieben. Mindestens ein Beamter sei am Kopf getroffen und ins Krankenhaus gebracht worden, berichte Belga unter Berufung auf die Polizei.

Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo sprach am Freitag davon, dass er verstehen könne, wenn die Menschen pandemiemüde seien. Die Gewalteskalation sei jedoch "völlig inakzeptabel. Er betonte, dass es die Hygieneregeln aus guten Gründen gebe und sich die Krankenhäuser füllten. In den vergangenen Tagen hatten bereits viele Menschen in Brüssel das warme Frühlingswetter in den Parks genossen. Zu Szenen wie nun im Bois de la Cambre war es bisher jedoch nicht gekommen.

Die Corona-Infektionszahlen in Belgien waren in den vergangenen Wochen dramatisch angestiegen. Inzwischen liegt die 14-Tage-Inzidenz offiziellen Angaben von Freitag zufolge bei knapp 560 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner. Schon im Herbst hatte das Land mit 11,5 Millionen Einwohnern zeitweise eine der höchsten Corona-Infektionsquoten in Europa verzeichnet. Strikte Beschränkungen bremsten die Ausbreitung des Virus jedoch vorübergehend.