Es ist weiter ein Kampf zwischen Hoffen und Bangen: Gestern vor einem Jahr trat in Italien der erste pandemiebedingte Lockdown in Kraft. 60 Millionen Italiener mussten zwei Monate zu Hause bleiben - beispiellos in der Geschichte Italiens.

Mittlerweile hat Österreichs Nachbarland 100.479 Opfer zu beklagen, die mit oder am Coronavirus gestorben sind. Erst am Dienstag wurden 376 weitere Todesfälle gemeldet - am Vortag waren es noch 318 gewesen. Gestern gab es 19.749 Neuinfektionen nach 13.902 am Montag, so das Gesundheitsministerium. Der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt aktuell bei 240,9.

Experte Giovanni Rezza mahnte, dass Italien, das seinen öffentlichen Raum zuletzt wieder merklich geöffnet hatte, die laufende Impfkampagne massiv beschleunigen müsse. Bei einer durchschnittlichen Impfrate von 240.000 Personen pro Tag könne man nämlich erst in einem Zeitraum zwischen sieben bis 15 Monaten damit rechnen, zu einem Lebensstil wie vor Beginn der Pandemie im Februar 2020 zurückzufinden. Matteo Salvini, Chef der rechten Regierungspartei Lega, hatte Anfang des Monats dazu aufgefordert, dass Italien sich bei den Impfstoffen "eigenständig organisiere".

Dazu passt, dass die erste Produktionsstätte in Europa für den russischen Impfstoff "Sputnik V" in Italien entstehen soll: Der russische Fonds RDIF, der das Vakzin weltweit vermarktet, habe eine entsprechende Vereinbarung mit der in der Schweiz ansässigen Pharma-Firma Adienne Pharma & Biotech unterzeichnet, teilt die italienisch-russische Handelskammer mit. Damit sei der Weg geebnet, um das erste "Sputnik-V"-Werk in Europa zu errichten. Die Produktion solle bereits im Juni in der Lombardei bei Adienne, Tochter von Adienne Pharma & Biotech, beginnen.

Italiens Handelskammer-Chef Vincenzo Trani nannte das Abkommen "historisch" und nahm es als Beleg dafür, dass italienische Unternehmen über politischen Differenzen stünden. Allein: Das Mittel ist aktuell noch nicht in der EU zugelassen - obgleich seriöse Forscher "Sputnik V" eine Wirksamkeit von fast 92 Prozent bescheinigen. In Ungarn, der Slowakei und Tschechien ist das Vakzin bereits zugelassen oder es laufen dazu beschleunigte nationale Zulassungsverfahren. Weltweit ist es laut Angaben der Entwickler bereits in 48 Ländern zugelassen - zuletzt etwa in Marokko.

In Deutschland setzt die Ständige Impfkommission mittlerweile ebenfalls auf eine Zulassung des russischen Vakzins auch in der Europäischen Union. "Das ist ein guter Impfstoff, der vermutlich auch irgendwann in der EU zugelassen wird", sagte Stiko-Chef Thomas Mertens der "Rheinischen Post". "Die russischen Forscher sind sehr erfahren mit Impfungen. Sputnik V ist clever gebaut", betont er.

Mut machen will indes Italiens Premierminister Mario Draghi, der den Italienern zuletzt für ihre "Geduld und Disziplin" dankte. Er versprach eine Beschleunigung der Impfkampagne - im Fokus stehen sollen die schwächeren Personen, sowie das Gesundheits-, das Lehrerpersonal und die Sicherheitskräfte. Mit "Covid-eVax" hat Italien ein Vakzin in der Erprobungsphase, das von den italienischen Pharmakonzernen Takis und Rottapharm entwickelt wurde. 1200 Personen erklärten sich bereit, als Freiwillige das Serum zu testen.