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Zahlen von Wifo und IHS2020 droht heftige Rezession, 2021 dafür ein Aufschwung

Optimistischere Prognosen: Experten rechnen, dass Österreichs Wirtschaftsleistung heuer um 7 Prozent einbricht. Die Arbeitslosenrate wird auf knapp 10 Prozent und damit ebenso hoch wie das Budgetdefizit klettern.

IHS-Chef Martin Kocher und Wifo-Boss Christoph Badelt
IHS-Chef Martin Kocher und Wifo-Boss Christoph Badelt © APA/HANS PUNZ
 

Der Wirtschaftseinbruch in Österreich durch die Coronakrise im heurigen Jahr könnte eine Spur schwächer ausfallen als noch vor einigen Monaten gedacht, und kommendes Jahr soll es von niedrigerem Niveau aus eine merkliche Erholung geben. Wifo und IHS rechnen für 2020 nur noch mit weniger als 7 Prozent BIP-Rückgang. Die Arbeitslosigkeit erreicht Rekordhöhe, sinkt aber langsam. Das Budgetdefizit dürfte mit 9 1/2 bis 11 1/2 Prozent des BIP bisher ungeahnte Höhen erreichen.

Die beiden Institute erwarten für heuer 6,8 bzw. 6,7 Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung, für 2021 dann 4,4 bzw. 4,7 Prozent Anstieg, wobei das IHS jeweils etwas optimistischer ist als das Wifo. Das Vorkrisenniveau werde erst im Jahr 2022 erreicht.

Im Juni sah man noch mindestens 7 Prozent Abschwächung für heuer. Dabei schrumpfte das BIP im ersten Halbjahr um 8,7 Prozent, wie das Institut für Höhere Studien (IHS) am Freitag erklärte. Die großzügige Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen im Sommer habe eine kräftige Erholung ermöglicht, vor allem der Konsumrückstau habe sich weitgehend aufgelöst, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Hälfte der Mehr-Arbeitslosigkeit wieder abgebaut

Die Arbeitslosenrate, die 2019 nach nationaler Rechnung 7,4 Prozent betrug, dürfte heuer auf 9,8 (Wifo) bis 9,9 (IHS) Prozent klettern und 2021 mit 8,8 bzw. 9,4 Prozent recht hoch bleiben. Nach 0,7 Prozent Budgetüberschuss gemessen am BIP im Vorjahr dürften heuer 9,4 bzw. 11,7 Prozent Budgetdefizit ins Haus stehen, 2021 dürfte das Minus dann 4,7 bzw. 6,1 Prozent Minus betragen. Das Wifo ist hier gegenüber der letzten Prognose von Juni etwas zuversichtlicher geworden, das IHS nicht.

Vom krisenbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit im heurigen Jahr wurde laut Wifo bis September bereits etwa die Hälfte wieder abgebaut. Und: Die Covid-19-Kurzarbeit sorgt zwar für eine starke Verringerung des Arbeitsvolumens - etwa die Hälfte des Rückgangs geht auf ihr Konto -, doch konnten dadurch Jobs erhalten werden. Das IHS begrüßt ausdrücklich die geplante Ausweitung der Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik gegen eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit.

Großes Minus zwischen Ende März und Anfang Mai

Bis Ende des heurigen Jahres werde sich die Konjunkturdynamik laut den Forschern jedenfalls verlangsamen und das BIP im vierten Quartal nur um 0,8 Prozent über jenem des dritten liegen, glaubt das Wifo. Im zweiten Quartal war der Tiefpunkt der Rezession erreicht, danach zog die wirtschaftliche Aktivität wieder kräftig an. Ein neuerlicher Lockdown freilich könnte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal auf das Niveau des zweiten Quartals herunterdrücken und im gesamten Prognosezeitraum einen Wertschöpfungsverlust von 4,5 Prozent bewirken, warnt das Wifo.

Die Anti-Corona-Maßnahmen im März und April hatten die Wirtschaft massiv einbrechen lassen - laut IHS von Ende März bis Anfang Mai um 20 bis 25 Prozent. Wegen der folgenden starken Lockerung war die Rezession in Österreich zwar tief, aber nur kurz, erklärte das Wifo. Der BIP-Einbruch um 8,7 Prozent bis Juni betraf vor allem die Warenproduzenten und die Dienstleister, etwa den Tourismus. Auch die Warenexporte schrumpften deutlich. Der öffentliche Konsum dämpfte dagegen den Rückgang der Inlandsnachfrage, so das Wifo.


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Kommentare (3)
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Hgs19
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7
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Man kann an der Prognose zweifeln...

Wissen die, dass die ganze Corona Misere, verbunden mit zusperren, einschänken und Einkommensverluste durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in 2021 vorbei ist?
Oder wollen sie uns nur gute Stimmung für die Zukunft machen?
Das ist alles mit WENN, DANN, ABER ... verbunden...
Hoffen wir das sie Recht haben!

wintis_kleine
1
3
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Na, das schaut ja in Prozenten gar nicht so wild aus

aber schon mal nachgerechnet, was das in Realwerten bedeutet?
Das BIP 2018 betrug 455,3 Mrd für Österreich
Das BIP 2020 wird daher um ca. 30 Mrd geringer sein.
(Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur daran, dass sich unser BK über ein positiven Jahresabschlus 2019 in der Höhe von 500 Mio gar überschwenglich freute, was 1,6 % des Gesamtverlustes für heuer ausmacht) .
Bei 4,7 % Anstieg 2021 ist das BIP immer noch um gut 10 Mrd. unter dem Wert von 2018 und würde erst bei einem weiteren Wachstum in der Höhe von weiteren 3% im Jahr 2022 wieder den Wert von 2018 erreichen.
Daher: Die Bewältigung dieser Krise und vor allem die wirtschaftliche Problembewältigung ist ein Generationenauftrag für die nächsten Jahrzehnte. Denn selbst bis Ende 2021 hätten wir ein Budgetdeffizit von weiteren 81 Mrd angesammelt. D.h.: wir bräuchten alleine 160 Jahre um das Defizit der Jahre 2020 und 2021 zu egalisieren. (bei 500 Mio Überschuss ab 2022)
So sehen die Zahlen halt gleich (leider) noch ein bisserl trostloser aus, als sie es eh schon sind.

melahide
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Ja

In realen Werten schaut es auch nicht so arg aus. Für die Zukunft wäre es halt wichtig, dass halt auch sehr viel davon im Inland umgelegt wird. Wenn wir regionaler produzieren mit kurzen Transportwegen, haben wir regionale Arbeitsplätze und leisten auch Beiträge zum Klima. Vor allem Lebensmittel sollten wir hier erzeugen und verarbeiten, Kleidung, die Grundbedürfnisse halt. Wo wir gut sind, exportieren wir mehr - was wir nicht erzeugen können, importieren wir.

Aber kann man zb echt Dinge wie Fernseher, Laptops, Waschmaschinen, Elektromopeds usw nicht hier in Österreich bauen??

Dazu massive Anreize für Pflegeberufe, Grüne Jobs für neue Energien, massiv in die Forschung investieren ... so dass für jeden was dabei ist