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Corona-PandemieForscher: "Schulen sind kein sicherer Hafen"

Nachdem mit vergleichsweise starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu Beginn, habe es jetzt den Anschein, dass nun vielerorts ein "laxer Umgang" mit der Situation gepflegt werde, so Molekularbiologe Michael Wagner.

Schulstart in Schleswig-Holstein
Schulstart in Schleswig-Holstein © (c) APA/dpa/Gregor Fischer
 

Durchaus noch Luft nach oben sieht der Molekularbiologe Michael Wagner von der Universität Wien in Bezug auf die österreichische Teststrategie in der Coronakrise. Noch immer werde die angestrebte Kapazität von rund 15.000 Testungen pro Tag bundesweit kaum erreicht. Eine von Forschern aufgebaute Testpipeline sei in ihrer Kapazität "nie im vollem Umfang abgefragt worden", sagte Wagner am Montag.

Nachdem Österreich auf die Covid-19-Pandemie rasch und erfolgreich mit vergleichsweise starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens reagiert hat, habe es jetzt den Anschein, dass nun vielerorts ein "laxer Umgang" mit der Situation gepflegt werde, so der Wissenschafter im Rahmen einer Online-Vortragsreihe mit dem Titel "Wien erforscht Corona" des Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds (WWTF). Mit Blick auf den Herbst, mit mitunter zahlreich im Rahmen der Urlaubsbewegungen eingeschleppten Infektionen, halte er dies für "durchaus risikoreich".

"Schulen sind kein sicherer Hafen", so Wagner mit Blick auf den Herbst. So hätten infizierte Kinder und Jugendliche vermutlich im Schnitt eine ähnlich hohe Viruslast wie Erwachsene. Wenn in der kälteren Jahreszeit Ko-Infektionen wahrscheinlicher werden und insgesamt mehr gehustet und geniest wird, könnten auch die meist asymptomatisch erkrankten Kinder verstärkt zu "Treibern der Verbreitung werden". Um hier gegebenenfalls rasch reagieren zu können, brauche es auch weitere schnell und sauber durchgeführte Screening-Programme, in deren Rahmen viele Bevölkerungsgruppen möglichst oft und in engen zeitlichen Abständen getestet werden sollten.

Eine von Forschern aufgebaute Testpipeline ist in ihrer Kapazität nie im vollem Umfang abgefragt worden.

Molekularbiologe Michael Wagner

Ein Indiz für offenbar immer noch bestehenden Schwierigkeiten sei die Tatsache, dass die angestrebten Test-Zahlen kaum erreicht werden. Bei der "Vienna COVID-19 Diagnostics Initiative" (VCDI) - einem Zusammenschluss von 21 Wiener Forschungsinstituten, die zunächst aus Eigeninitiative heraus eine eigene PCR-Teststraße zum Nachweis des Erbguts des SARS-CoV-2-Virus aufgebaut haben - habe man bereits früh in der Epidemie um die 6.000 Tests durchführen können. Ausgeschöpft wurde dieses Potenzial jedoch nie.

Wie viele andere Länder sei Österreich klarerweise zunächst "nicht gut" auf die Krise vorbereitet gewesen. Forscher, die "nur unterstützen wollten", hätten aber da und dort auch Erfahrungen mit "einem sperrigen Regelwerk gemacht, das nicht rasch genug angepasst werden kann". Darüber hinaus habe man "auch interessante politische Erfahrungen" hinter sich, wenn bei der Umsetzung von Testinitiativen oft die Frage mitschwang: "Wer darf damit glänzen?"

Mit der von Wagner und Kollegen entwickelten "Gurgelmethode" habe man beispielsweise einen Ansatz entwickelt, bei dem die Probenentnahme schmerzfrei erfolgt, und der damit auch gut für Kinder ab einem gewissen Alter geeignet ist. Sehe man sich an, dass nun viele kommerzielle Anbieter auf die Methode setzen, habe man damit eine gewisse Breitenwirkung erzielt. Kurz vor Ende des Schuljahres konnten die Forscher eine erste Studie unter rund 5.100 Wiener Schülern und Pädagogen durchführen, in deren Rahmen bei damals allgemein niedrigen Infektionszahlen ein neuer Fall entdeckt wurde.

Nun sei man in Gesprächen mit Behörden, um im Herbst weitere ähnlich geartete Studien etwa im Schulbereich durchzuführen.

 


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Kommentare (9)

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homerjsimpson
1
10
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Experten bieten Analysen, handeln müssen Politiker und Behörden.

Nachdem in Österreich der Föderalismus herrscht, ist das mit dem Handeln oft mehr als schwer, wenn der eine Chef-Föderalist es ganz anders sieht als der andere Chef-Förderalist (aka Landeshauptmann). Dann noch unser Kammernsystem dazu (Ärztekammer gegen Apotheker oder ÄK gegen GKK, das ist Brutalität), und kein Wunder dass alles "kompliziert" ist. Vieles davon hausgemacht.

romagnolo
17
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Die pandemische Vermehrung der Experten wird zunehmend bedrohlich.

Dieses ewige mantraartige Wiederholen von: Testen, Testen Testen hängt einem langsam zum Hals raus, weil es kaum etwas sinnloseres gibt, als Asymptomatische zu testen. Aber wenn man seinen eigenen Gurgetest bewerbe möchte, ist das natürlich ganz was anderes.

lucie24
3
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Naja

Lax kann man es ja nun wirklich nicht nennen, wenn man mit leichten Schnupfen sofort auf Corona getestet wird. Das ist eigentlich das genaue Gegenteil von lax.

Bin ja gespannt wer dann im Herbst noch arbeiten gehen wird...

samro
10
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lax

''habe es jetzt den Anschein, dass nun vielerorts ein "laxer Umgang" mit der Situation gepflegt werde''
ja stimmt.
hoffetlich lesen das alle die meinen is eh alles ok undnur ein gripperl oder kann einen selbst nichterwischen.wir muessen wieder alle mitmachen und nur so gibts schulen und betriebe offen und gesunde auch.
bitte denkts alle dran: wir brauchen uns gegenseitig in der krise.

henslgretl
7
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Liebe /r Samro

Jene, die nach wie vor mit dem Gripperl daherkommen, werden die Appelle nicht beherzigen. Das ist leider die Realität. Den Weitblick haben viele nicht. Hauptsache, ich und meine Bedürfnisse. Das ist deren Motto. Ich habs schon aufgegeben überzeugen zu wollen.

samro
5
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aufgeben

aufgeben soll man nie.
auch wenns absolut muehsam ist. ;)

Lamax2
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lax?

Bis auf die feierlaunige Jugend geht es in Österreich nicht lax zu. Man kann aber auch nicht alles zusperren, damit man gesund bleibt.

erstdenkendannsprechen
2
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es geht gar nicht ums zusperren.

man müsste ev. sogar viel weniger "zusperren", wenn die menschen dinge wie abstandsregeln oder maskenpflicht beherzigen. und da geht es nicht um die jugend, das sind auch ältere semester dabei.
geschehen am wochenende: bekannte (mitte 60) hat mich ein jahr nicht gesehen, ist auf urlaub da, fällt mir unvermittelt um den hals, bussi links, bussi rechts mit den worten "ich bin eh gsund". ja - und woher will sie wissen, dass ich gesund bin? ich habe täglich viele kundenkontakte. woher will sie wissen, dass alle, die sie schon vor lauter wiedersehensfreude abgeküsst hat, gesund sind - und deren kontakte?
es ist nicht nur die "jugend".
der großteil der menschen verhält sich eh gut (sonst hätten wir wohl mehr infektionen). aber um einen cluster zu erzeugen brauchts nur eine marianne aus dortmund...

samro
6
12
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zusperren

ebenda mit nichts zugesperrt werden muss, brauchts jetzt nur bissl verstaendnis.
das wuerde schon viel bewirken.