Coronakrise in Asien Näherinnen haben Wahl zwischen Verhungern und Infektionsrisiko

Am anderen Ende der Lieferkette: Näherinnen in Bangladesch haben die Wahl zwischen Verhungern und Infektionsrisiko.

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Abstand halten ist in den Fabriken von Bangladesch unmöglich
Abstand halten ist in den Fabriken von Bangladesch unmöglich © (c) Jorja Currington/CARE (Jorja Currington/CARE)
 

Der Lockdown und die Schließung des Handels in der westlichen Welt zeigen nun am anderen Ende der Lieferkette – dort, wo die Waren produziert werden – massive Auswirkungen.

Unternehmen, darunter viele namhafte Marken, haben Aufträge im Wert von drei Milliarden Euro stornieren oder aussetzen lassen. Dabei waren laut der Vereinigung der Textilverarbeiter in Bangladesch auch ganze Tranchen fertig produzierter Ware. 40 Prozent der bestellten und gefertigten Aufträge wurden nicht bezahlt. Die Folge: Die meisten Fabriken in Bangladesch mussten zumindest zeitweise schließen. Doch es sind die Schwächsten in der Lieferkette – meist Frauen –, die es am härtesten getroffen hat.

Eine Million der insgesamt vier Millionen Textilarbeiter im Land haben in den letzten Wochen ihre Jobs verloren, Löhne wurden nicht ausgezahlt.

Verlust des Einkommens trifft Frauen hart


„Der Verlust des Einkommens wirkt sich massiv auf das Leben der Frauen und ihrer Familien aus. Ganze Mahlzeiten müssen ausgelassen werden, nötige Arztbesuche können nicht mehr bezahlt und Schulden nicht getilgt werden“, erzählt Deepmala Mahla, Direktorin der Hilfsorganisation Care in Asien. Die Behörden haben die mehr als 4000 Fabriken im Land aufgefordert, baldmöglichst wieder zu öffnen. Mit Einschränkungen – so sollen Arbeiter etwa Abstand halten. „Das ist in den meisten Fabriken jedoch unmöglich“, erklärt Mahla.

Eine Wahl haben die meisten Näherinnen dennoch nicht. Es sei eine Entscheidung zwischen Verhungern und Infektionsrisiko, erklärt die Care-Direktorin. Und die meisten würden lieber am Virus sterben als an Hunger. Care setzt sich seit über 20 Jahren für die Behebung sozialer Missstände in der Bekleidungsindustrie ein, nun wird auch auf Notfallhilfe gesetzt.

Der Verlust des Einkommens wirkt sich massiv auf das Leben der Frauen und ihrer Familien aus. Ganze Mahlzeiten müssen ausgelassen werden, nötige Arztbesuche können nicht mehr bezahlt und Schulden nicht getilgt werden.

Deepmala Mahla, Direktorin der Hilfsorganisation Care in Asien

„Es geht ums Überleben“, sagt Mahla. Marken und Zulieferfabriken müssten nun ihren Verpflichtungen gegenüber den Arbeitern nachkommen.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

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Kommentare (3)
fliegenpilz123
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Furchtbar wie die grossen

Firmen für ihr "level" auf Kosten dieser Frauen abcashen.Die Näherinnen brauchen dringend eine Solidarabgabe pro Kleidungsstück aber wer könnte so etwas kontrolliert abwickeln? Die Textilkonzerne werden sicher nicht dazu bereit sein.Der Mensch ist eine unmögliche Kreatur,nur darauf aus andere auszubeuten und auf deren Kosten gut zu leben.Ein schlechtes Gewissen haben viele nicht .Wir können als Konsumenten in diesem Fall auch wenig tun, kaufen wir die Kleidung nicht haben die Frauen keine Arbeit,kaufen wir werden sie von vorn bis hinten ausgenützt!!!!!

mostlant
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Das direkte Übel an dieser traurigen Misere sind wir alle die Konsumenten !

Wir wollen alles fast geschenkt, Geiz macht uns ja so geil !! Wir haben eine freie Marktwirtschaft mit Angebot und nachfrage; wenn einer der Konzerne bei diesem preiskampf nicht mitmacht und angemessene preise den Herstellern in asien zahlt kann er am markt keine konkurrenzfähigen preise anbieten; er wird er kaum etwas verkaufen; er wird pleite gehen; und damit verlieren alle seine mitarbeiter ihren job; ein konzern ist kein ungetüm sondern der einzige wert sind seine mitarbeiter mit ihrer leistungsfähigkeit und knowhow; die ganze immobilie konzern ist wertlos ,wenn keine mitarbeiter arbeiten; ich meine unsere so oft kritisierten konzerne sind nur indirekt schuld an der misere in den asiatischen ländern; direkt schuld an dieser traurigen misere ist unser zügelloses konsumverhalten, unser konsumrausch möglichst alles geschenkt zu bekommen !!!!

Willi128
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Das stimmt meiner Meinung nach so nicht ganz!

Wenn internationale Arbeitnehmerorganisationen dafür sorgen, dass Arbeitnehmer in ALLEN armen Ländern so viel verdienen würden, dass sie von ihrer Arbeit leben können, würden bei uns die "billigen" Waren aus diesen Ländern noch immer günstig sein und diesen betroffenen Arbeitnehmern wäre geholfen. Wenn wir Konsumenten diese "billigen Artikeln" nicht mehr kaufen würden, wären die Arbeitnehmer in diesen Ländern arbeitslos und die Armut würde noch mehr steigen.
Übrigens, es soll auch in Österreich Menschen geben, die sich sogenannte "Markenartikel" nicht leisten können und auf diese "billige" Ware angewiesen ist.