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Starvirologe DrostenDeutschland könnte zweiter Welle entgehen

Der Virologe Christian Drosten hält es für möglich, dass Deutschland eine zweite Corona-Welle erspart bleibt. "Vielleicht entgehen wir einem zweiten Shutdown", sagte der Virologe vom Berliner Universitätsklinikum Charite dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" laut einer Meldung vom Freitag.

Der Starvirologe gibt vorsichtigen Anlass zur Hoffnung, dass man einem zweiten Lockdown entkommen könnte. © (c) AFP (MICHAEL KAPPELER)
 

Die Wissenschaft habe inzwischen ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens. "Jetzt kennen wir das Virus genauer, wir wissen besser, wie es sich verbreitet." Dies geschehe über wenige sogenannte Superspreader, also Infizierte, die für viele Ansteckungen verantwortlich sind. "Und ein solches Infektionsgeschehen kann man besser kontrollieren als eine gleichförmige Ausbreitung unterm Radar, wie wir das am Anfang angenommen haben", sagte Drosten. Es gebe jetzt eine "theoretische Möglichkeit", dass die Deutschen "ohne zweite Welle durchkommen".

Wichtig sei nach wie vor, einen möglichen Ausbruch früh zu erkennen und zu stoppen, indem sämtliche Kontaktpersonen in Quarantäne kommen, ohne sie vorher erst langwierig zu testen. Dafür könnte die Zeit der Quarantäne aber deutlich verkürzt werden. Kontaktpersonen müssten künftig nur eine gute Woche in der Isolation verbringen, denn die Inkubationszeit und die Zeit, in der ein Mensch ansteckend sei, sei deutlich kürzer als anfangs gedacht, betonte Drosten.

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck glaubt nicht, dass Deutschland von einer gewaltigen zweiten Corona-Welle überrollt wird. Er vermute, dass es immer wieder lokale Ausbrüche geben werde.

Das wird vielleicht im Herbst auch vermehrt und überraschend geschehen - aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns regelrecht überschwemmt und überfordert.

Das sagte Streeck den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Freitag.

Grundsätzlich sieht Streeck gute Chancen, das Virus beherrschbar zu halten. Einen entscheidenden Schlüssel für die Eindämmung sieht er vor allem in dem Verbot von Großveranstaltungen. "Die zu unterbinden, scheint am ehesten was gebracht zu haben", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn.

Als Hauptwaffe gegen das Coronavirus gilt ein Impfstoff, an dem weltweit mit Hochdruck geforscht wird. Einige Kandidaten sind in ersten klinischen Tests, mit einem Impfstoff wird in diesem Jahr allerdings nicht mehr gerechnet.

Streeck zweifelt indes an einem baldigen Erfolg der Impfstoffsuche. "Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert", sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde.

Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen.


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Kommentare (30)
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scionescio
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@erst ...: an ihrer Stelle würde ich mich langsam anfangen, mich genau das zu fragen ...

... einfach einmal die Message Control ausblenden, nicht auf das Geschwurbel der Parteitrolle hören, selbst recherchieren und sich eine eigene, faktenbasierte Meinung bilden - sie werden sehen, da ergeben sich plötzlich hochinteressante Fragestellungen ;-)

scionescio
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"Deutschland könnte zweiter Welle entgehen" ...

... Deutschland ist schon der zweiten Welle entgangen - nach seinen Katastophenszenarien wäre Deutschland jetzt nämlich schon mitten drin ... da ist er zum wiederholten Mal kräftig danebengelegen und rudert wieder einmal zurück.
Wenn er diesmal Recht behalten würde (eher unwahrscheinlich, da bisher wenig vom dem, was er prognostiziert hat, eingetreten ist) würde das nichts anderers bedeuten, als dass der angenommene exponentielle Verlauf bei SARS-CoV-2 nicht stattfindet, weil eben hauptsächlich nur Superspreader und nicht jeder Infizierte zur Verbreitung beiträgt.
Das passt auch wunderbar zu den Statistiken, wo kein starker Zusammenhang zwischen Art der Maßnahmen und der Anzahl der COVID-19 Toten ableitbar ist - offensichtlich bestimmt die Anzahl der Superspreader das Ausmaß der Infektionen und damit natürlich auch die Anzahl der dadurch bedingten Toten. In der Lombardei war so eine Häufung und anscheinend auch in Ischgl - und von dort aus wurden diese Superspreader dann Dank des verspäteten und verantwortungslosen Handelns der Beteiligten in ganz Europa verbreitet.
Wenn Drosten diesmal Recht behalten sollte, hat der Herr Kurz nicht auf die richtigen Experten gehört, sondern 1,8 Millionen Menschen in Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit seiner Selbstverliebtheit und seinem Wunsch nach Selbstinszenierung geopfert.
Noch lächerlicher wird damit die gestrige Selbstbeweihräucherungsshow des Herrn "100.000 Tote" Simulationsexperten, weil dann natürlich sämliche Annahmen falsch waren.

erstdenkendannsprechen
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die zweite welle

wird/wurde für den herbst prognostiziert..

scionescio
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@erstdenkendannsprechen: die zweite Welle im Herbst wird von Virologen angenommen, die von einem ähnlichen Verhalten wie bei einer Grippewelle ausgehen (mehr Leute auf engerem Raum und dadurch höhere Infektionsgefahr) ...

... ich beziehe mich auf die Aussagen von Drosten im April, wo er gegen die Lockerungen war, weil es dann zu einer zweiten Welle kommen würde - nichts davon ist auch nur annähernd eingetreten!

MaBe
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NACHER

hat's immer einer VORHER schon ganz genau gewusst. - Kunststück -

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