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Stichprobentest 30.000 Corona-Fälle in Österreich vermutet

Die Schwankungsbreite bei der Dunkelziffer liegt aber bei bis zu 67.400. Für Österreich wird ein weiterer Rückgang bei Hospitalisierten erwartet.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf Anschober © APA/Herbert Pfarrhofer
 

In Österreich hat es Anfang April zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern zwischen 10.200 und 67.400 Covid-19-Erkrankte gegeben. Der wahrscheinlichste Wert lag bei 28.500 Infizierten, berichtete Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Karfreitag zu repräsentativen Stichprobentests bei 1544 Österreichern. Der Rückgang bei der Belegung von Spitalsbetten dürfte sich unterdessen fortsetzen.

Dem Ergebnis der nun vorgelegten Dunkelziffer-Studie zufolge gab es Anfang April deutlich mehr aktiv Erkrankte als die offiziell rund 8600 behördlich bekannten. "Wir dürfen uns nicht selbst täuschen. Der Eisberg ist größer als gedacht", gab Faßmann zu bedenken. Berücksichtigt man die Schwankungsbreite, waren zwischen 1. und 6. April mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit zwischen 0,12 und 0,76 der Österreicher mit SARS-Cov-2 infiziert.

Keine valide Aussage über die Immunisierung

Die Stichprobentestungen werden fortgesetzt. Demnächst sollen rund 2.800 Personen ab 16 Jahren repräsentativ ausgewählt werden. Sie erhalten ab 16. April per Brief Informationen über den Ablauf der Studie. Faßmann räumte ein, dass es ohne Antikörper-Tests, bei denen auf Blutproben zurückgegriffen wird, keine valide Aussage über die Immunisierung der Bevölkerung geben kann. In diese Richtung seien selbstverständlich ebenfalls Testungen angedacht.

Nach bis Freitag 10.30 Uhr insgesamt 13.404 positiven Testergebnissen sind 6064 Personen wieder genesen und 319 gestorben. Die aktiven Fälle gingen damit im 24-Stunden-Vergleich um 7,4 Prozent auf 7.021 zurück. Die Zahl der Covid-19-Patienten in Spitalsbehandlung sank auf 1.032, das ist der niedrigste Stand seit 30. März und ein Rückgang um 54 Fälle zum Vortag. Darunter waren am Freitagvormittag 261 Erkrankte auf Intensivstationen, fünf weniger als 24 Stunden zuvor.

Österreich bewegt sich bei der erwarteten Auslastung der Spitalskapazitäten "auf der sicheren Seite", betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Laut Herwig Ostermann, dem Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, gehen die Prognosemodelle auch für nächste Woche von einem leichten Rückgang bei den belegten Betten aus.

Effektive Reproduktionsfaktor unter 1

Erfreulich sei auch, dass der effektive Reproduktionsfaktor mittlerweile bei unter 1 liege. Diese Zahl gibt an, wie viele Mitmenschen eine infizierte Person derzeit ansteckt. Den Ausgangsfaktor (R0) unter 1 zu drücken, war das erklärte Ziel der Bundesregierung. Anschober warnte aber erneut davor, die geltenden Maßnahmen ab nun nicht mehr einzuhalten. "Machen Sie nichts kaputt", appellierte der Minister.

Anschober hatte in der Nacht auf Freitag die erwartete Verordnung über die Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen bis Ende April veröffentlicht. Auch die Maskenpflicht bei der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel und Taxis ab kommenden Dienstag ist darin geregelt. Neben Begräbnissen sollen künftig auch Hochzeiten nur im engsten Familienkreis stattfinden.

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat kam am Freitagvormittag der vorerst letzte der vom Außenministerium organisierten Rückholungsflüge an. Die Boeing 777 der Austrian Airlines kam aus Neuseeland, wo zuvor noch nie eine AUA-Maschine gelandet war. An Bord des Fluges waren 288 Passagiere - überwiegend aus Österreich, aber auch aus anderen europäischen Ländern. Hunderte Europäer, die wochenlang in Südamerika ausharren mussten, wurden unterdessen aus Ecuador und Peru ausgeflogen, Österreicher waren nicht darunter.

Gute Nachrichten gab es auch aus den stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Italien und in Spanien. Madrid hat im Kampf gegen das Coronavirus am Freitag etwa die niedrigste Zahl neuer Todesfälle seit dem 24. März verzeichnet. Innerhalb von 24 Stunden wurden 605 verstorbene Patienten erfasst, die Gesamtzahl beläuft sich nun auf rund 15.800. Am Vortag waren noch 683 Tote registriert worden, zeitweise waren mehr als 900 Opfer pro Tag gemeldet worden. Auch die Zuwachsrate der Neuinfektionen ging in Spanien weiter zurück: Sie lag nur noch bei drei Prozent. Die Gesamtzahl der verzeichneten Fälle belief sich auf 157.000. In Italien gab es zuletzt nur noch leichte Zuwächse zu verzeichnen.

Maßnahmen nicht gelockert

Auch wenn die Zahlen ein wenig zurückgingen, wurden die Maßnahmen sowohl in Spanien als auch in Italien nicht gelockert. Die italienische Regierung will die Ausgangssperre für Bürger bis zum 3. Mai verlängern. Ab kommenden Dienstag werden lediglich einige Geschäfte wie Buch- und Schreibwarenshops öffnen dürfen. Seit dem 12. März sind in Italien nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken geöffnet. Nach Ostern soll eine Kommission eine gezielte Wiedereröffnung von Industrien und Unternehmen planen. Ganz zum Schluss sollen laut Medienangaben Bars, Restaurants, Schulen, Zahnärzte, Friseure und Fitnessstudios wieder öffnen dürfen.

Die USA, die eine enorme Anzahl von Todesfällen durch Covid-19 pro Tag registrieren, sah sich auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise. "Ich bin ziemlich sicher, dass wir auf dem Gipfel des Hügels sind. Und jetzt gehen wir herunter. In einigen Fällen haben wir diesen Prozess schon begonnen", sagte US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Vize-Präsident Mike Pence präzisierte im Anschluss, dass die Gebiete, die besonders von der Epidemie betroffen seien - wie New York, Louisiana und Detroit, dem Höhepunkt "nah" seien. "Es gibt Anzeichen für Fortschritte. Und Hoffnung wird sichtbar", sagte Pence.

Trump zeigte sich optimistisch, dass weniger Menschen in der Krise sterben könnten als bisher mindestens erwartet worden waren. Er sprach von einem Niveau, das niedriger liegen könnte als 100.000. "Wir haben entsetzliche Zahlen", sagte Trump zugleich. Pence sprach von einer "schwierigen" und "herzzerreißenden Woche", in der sich die USA gerade befänden. An zwei Tagen in Folge waren zuletzt fast 2.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gestorben. "Das sind keine Zahlen, das sind Leben", sagte Pence. In den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, gab es bis Donnerstag rund 450.000 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus, wie Daten der Universität Johns Hopkins zeigten. Rund 16.000 Menschen starben demnach.

China dürfte hingegen das schlimmste überstanden haben. Das Festland meldete 42 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Darunter seien 38 Reisende, die den Erreger in sich tragen, teilen die Gesundheitsbehörden mit. Zudem gebe es 47 neue asymptomatische Fälle. Am Vortag hatte China 63 neue Infektionen und 61 asymptomatische Fälle registriert.


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