Es betrifft vor allem die Frauen und Kinder in den Dörfern. Ihre Haut färbt sich krebsrot, die Augen rinnen, sie keuchen und husten, verbrennen sich. Ihr Leben besteht aus Qualm und Qual. Sie sind es nicht anders gewohnt.

Machos und Misstrauen

In den Bergdörfern von Guatemala - einem der bevölkerungsreichsten und gleichzeitig ärmsten Ländern in Mittelamerika - kochen sie für ihre Familien am offenen Feuer. Mitten im Raum, denn im Freien reicht der Platz nicht aus, gleichzeitig dienen die gefährlichen Feuerstellen im bitterkalten Winter als einzige Heizung in den Bretterhütten. Strom und Trinkwasser gibt es kaum. Die Kochstellen, sie sind lebenserhaltend und gleichzeitig lebensgefährdend. Sie sind ein Spiel mit dem Feuer, sprichwörtlich. Der beißende Rauch, der von den kochenden Frauen und Kindern eingeatmet wird, ruft chronische Erkrankungen hervor. Der Qualm zersetzt die Lungen, schädigt den Herzkreislauf.

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Simple Holzsparöfen können Abhilfe leisten. Angefangen hat alles in Joyabaj, erinnert sich Franz Hehenberger von der Organisation "Sei so frei". Die Begeisterung für sein Entwicklungsprojekt war zunächst verhalten: "Die Menschen waren misstrauisch. Sie hatten Angst". Auch der regionale Glaube spielte eine Rolle. "Viele dachten, sie würden damit böse Geister in ihr Haus lassen und dass die Öfen Unglück bringen". Patriarchale Gesellschaftsstrukturen seien eine weitere Herausforderung. Denn während die Männer der Familien unter der Woche auf weit entfernten Zuckerrohrplantagen arbeiten, sei der Empfang Fremder verboten -  auch jeder der Helfer.

Franz Hehenberger von der Organisation "Sei so frei"
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Feuer der gesellschaftlichen Veränderung

Seit 2013 versorgt er - nach vielen Annäherungsgesprächen in den Dorfgemeinschaften - mit lokalen Helfern die arme Bergregion mit Tischherden. Mehr als 1.500 Maya-Familien in 17 Dörfern kochen heute mit diesen Holzsparöfen. Durch lokal ausgebildete Ofensetzer werden neue Arbeitsplätze geschaffen, das Rauchabzug-System schützt vor Atemwegserkrankungen, zusätzlich wird das Einkommen verbessert und die Umwelt geschont, da die Öfen bis zu zwei Drittel weniger Holz verbrauchen. Auch muss der Brennstoff nicht mehr mühsam - teils von Kinderhand - besorgt werden.

Doch ist der Nutzen der Öfen noch viel weitreichender. Die Familie rückt durch die Bauprojekte näher zusammen, die Arbeit der Frau wird immer mehr sichtbar. "Wir merken, dass die Gleichberechtigung steigt, das Selbstvertrauen ebenfalls. Frauen treten bei Dorfversammlungen vor, sprechen über Probleme und Herausforderungen", so Hehenberger. Die Tischherde sorgen also nicht nur für Wärme, sondern entfachen das Feuer der gesellschaftlichen Veränderung.