Im französischen Parlament gilt für die männlichen Abgeordneten künftig eine Sakko-Pflicht, eine Krawatte wird empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Das hat das Parlament am Mittwoch beschlossen, wie Medien berichteten. Explizit aufgenommen in die Bekleidungsregeln wurde auch das Verbot, kurze Hosen oder Bermudas zu tragen. Bisher war im Regelwerk nur von Geschäftskleidung die Rede, was kurze Hosen eigentlich bereits ausschloss.

"Die Kleidung, die von den Abgeordneten im Plenarsaal getragen wird, muss neutral sein und der Feierlichkeit des Ortes entsprechen", heißt es nun. Sie müsse "angemessen" und dürfe "nicht leger" und erst recht "nicht nachlässig" sein.

Für ein Verschärfen der Bekleidungsregeln hatten sich konservative Abgeordnete eingesetzt, die an linken Kollegen ohne Krawatte und Sakko Anstoß genommen hatten. Dazu zählte etwa Louis Boyard (Linkspartei), der allerdings in adrettem weißen Oberhemd im Parlament erschien. Er forderte im Gegenzug, exorbitant teure Kleidung und Anzüge in der Assemblée Nationale zu verbieten, um die Kluft zwischen der normalen Bevölkerung und Politikern nicht noch zu vergrößern.

Debatten über den Kleidungsstil der Abgeordneten gab es in Frankreich schon in früheren Jahren. 1997 kam ein frisch gewählter kommunistischer Politiker im Blaumann ins Parlament. Es sei der einzige Vertreter aus der Arbeiterschicht, rechtfertigte er seine Kluft damals.