Die tunesischen Justizbehörden haben die Mutter des vierjährigen Mädchens freigelassen, das am vergangenen Sonntag allein auf Lampedusa angekommen war. Dies berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die Position des noch inhaftierten Vaters werde noch vom Untersuchungsrichter geprüft, der ihn weiterhin befragt.

Die Anklage gegen die Eltern wegen "Menschenhandels" sei fallengelassen worden, während jene wegen Vernachlässigung des Kindes bestehen bleibe. Widersprüche seien in den Behauptungen des Mannes aufgetaucht.

"Das Aussetzen von Kindern ist eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von höchstens fünf Jahren geahndet wird. Der Ermittlungsrichter hat die Mutter des Kindes jedoch freigelassen. Und wenn sie nicht zu ihrer Tochter darf, wird die tunesische Justiz über die Rückführung des Kindes entscheiden, damit es in seiner Familie aufwachsen kann", betonte ein Sprecher des tunesischen Gerichts.

Das Ehepaar soll versucht haben, von der tunesischen Küste mit einem Boot in Richtung Italien abzufahren. Um in das Boot einzusteigen, mussten sie durchs Wasser waten. Der Mann trug die vierjährige Tochter, während seine Frau mit der älteren Tochter folgte.

Boot fuhr ohne Eltern ab

Als der Mann merkte, dass die Frau in Schwierigkeiten war und zu ertrinken drohte, ließ er die vierjährige Tochter im Boot zurück, um seiner Frau Hilfe zu leisten. In der Zwischenzeit fuhr das Boot ab. Das Kind wurde während der fast 30-stündigen Überfahrt nach Lampedusa von einigen Frauen an Bord betreut und befindet sich jetzt in einem Zentrum für Minderjährige in der sizilianischen Stadt Agrigent.

Der in Italien lebende ehemalige tunesische Parlamentsabgeordnete Majdi Karbai bestätigte, dass das vierjährige Mädchen am Sonntag ohne die Eltern auf Lampedusa angekommen sei. Die Nachricht der Verhaftung des Elternpaares wurde von Karbai bestätigt, der mit einer Tante des kleinen Mädchens in Kontakt steht, die sich noch in Tunesien aufhält.