Die Besitzerin eines kleinen Cafés im irischen Athlone konnte ihren Augen nicht trauen, als sie in dieser Woche ihre Stromrechnung öffnete. "Ich setzte meine Brille mehrmals auf und wieder ab, fragte eine Mitarbeiterin, ob ich eine Dezimalstelle übersehen hatte", schildert die Gastronomin Geraldine Dolan.

Für etwas mehr als zwei Monate Energieverbrauch wurden ihr umgerechnet fast 10.000 Euro berechnet. Genauer: Die Stromkosten des Cafés Poppyfields für 73 Tage von Anfang Juni bis Ende August beliefen sich auf 9.024,70 € - ein Anstieg von 250 Prozent in nur 12 Monaten. Darin sind die 812,22 € Mehrwertsteuer nicht enthalten, die ihre Gesamtrechnung auf 9.836,92 € erhöhten.

Die Geschichte von Geraldine Dolan, die ihr kleines Cafe seit mittlerweile 16 Jahren führt, steht stellvertretend für die irische Energiekrise. Der Insel steht ein schwerer Winter bevor. Energiepreise und Lebenshaltungskosten steigen.

Von einem "toxischen" Problem spricht nun auch der Dachverband, der kleine und mittlere Unternehmen des Landes vertritt. Die Stromrechnung des Cafés sei kein Einzelfall. Vergleichbare Stromrechnungen würden vielen Unternehmen im Land blühen. Die Regierung hätte nicht erkannt, wie schwerwiegend das Problem der steigenden Energiepreise in diesem Winter sei, betont der Dachverband gegenüber der Irish Times.

Zu den Rechnungen einzelner Kundinnen und Kunden wollte sich der Stromanbieter "Electric Ireland" auf Anfrage irischer Medien nicht äußern. Jedoch verwies man auf ein "europaweites Problem".

Die Cafe-Besitzerin Geraldine Dolan will - wie sie gegenüber der Irish Times betont - die Rechnung trotz allem bezahlen, hofft aber auf eine Lösung: "Wir werden diese Rechnung bezahlen, weil wir den Strom verbraucht haben, aber wir wären nicht in der Lage, alle zwei Monate in dieser Höhe zu zahlen".