Am Montag passierte ein Gesetzesentwurf das jordanische Repräsentantenhaus, der Suizidversuche an öffentlichen Orten künftig unter Strafe stellt. Das Gesetz ging mit einer Reihe von Änderungen im Strafgesetz einher. Menschen, die einen Suizid versuchen, drohen damit bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldbuße von bis zu 100 Dinar (etwa 134 Euro) – oder beides. Bei einem "Massensuizid", wenn sich mehrere Personen gleichzeitig das Leben nehmen wollen, sollen die Strafen doppelt so hoch ausfallen können. 

Die Maßnahme dürfte eine Reaktion auf den Anstieg der Suizidrate in dem Königreich sein, diese ist seit 2017 um zehn Prozent gestiegen. Human Rights Watch nennt sowohl den wirtschaftlichen Abstieg durch die Corona-Pandemie sowie ein zunehmend repressives politisches Umfeld als Grund für den Anstieg. 

Das Gesetz löste nicht nur unter Experten eine Welle der Empörung aus, widerspricht es doch allen Empfehlungen zum Umgang mit mentalen gesundheitlichen Problemen und der Behandlung suizidgefährdeter Personen. Die Jordanische Psychologische Vereinigung rief die Politik in einem Statement auf, den zunehmenden Suiziden mit Maßnahmen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnissen zu begegnen, anstatt das Problem zu kriminalisieren.