Papst Franziskus hat am Freitag eine Gruppe von kanadischen Indigenen-Vertretern in Rom um Verzeihung für Missbrauch und Misshandlungen in früheren Schulen und Erziehungseinrichtungen in Kanada für Kinder indigener Familien gebeten. Zugleich kündigte der Papst eine Reise nach Kanada an, mit der er den indigenen Völkern seine Nähe ausdrücken wolle. Der Papst äußerte "Empörung", "Scham" und "Trauer" über das, was die kanadischen Ureinwohner in den katholischen Internatsschulen erlitten haben.

Der Papst beklagte, dass "kolonialistische Mentalität" immer noch sehr verbreitet sei. An den sogenannten Residential Schools (Internaten) sollten indigene Mädchen und Buben unterrichtet und im Auftrag des kanadischen Staates an die Gesellschaft und Kultur der christlichen europäischen Einwanderer angepasst werden. Rund drei Viertel der Einrichtungen wurden von kirchlichen Gemeinschaften betrieben. Insgesamt wurden im 19. und 20. Jahrhundert Schätzungen zufolge mehr als 150.000 Kinder indigener Mütter – oft zwangsweise – in den Heimen untergebracht. Die Kinder indigener Familien durften in den Residential Schools oft ihre Muttersprache nicht sprechen. Eine unbekannte Zahl von Kindern und Jugendlichen wurde körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht, viele starben an Krankheiten wie Tuberkulose, Masern und Grippe.

Nach Angaben der Kanadischen Bischofskonferenz sind insgesamt 32 Älteste der First Nations, Metis und Inuit, sowie Jugendliche und Menschen, die selbst Opfer von Missbrauch in früheren kirchlichen Schulen und Erziehungseinrichtungen geworden sind, nach Rom gekommen. Seit vergangenem Montag bis zum heutigen Freitag fanden private Begegnungen mit dem Papst statt.