Fukushima AKW-Betreiber Tepco will "aufbereitetes" Wasser über einen Tunnel ins Meer entsorgen

Betreiberfirma von AKW Fukushima will Wasser durch einen Tunnel ablassen. Fischer und Anrainerstaaten fürchten Verschmutzung des Pazifiks.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© AP
 

Die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima will mehr als eine Million Tonnen aufbereitetes Abwasser durch eine unterirdische Leitung ins Meer entsorgen. Die ein Kilometer lange Leitung soll unter dem Meeresgrund gebaut werden, wie das Unternehmen Tepco am Mittwoch mitteilte. Die Regierung in Tokio hatte im April entschieden, das Wasser innerhalb von zwei Jahren abzulassen.

Die Regierung argumentiert, das Ablassen des Wassers in den Pazifik sei sicher, da so gut wie alle radioaktiven Elemente herausgefiltert worden seien. Anrainerstaten und Fischereiverbände protestieren allerdings gegen die Pläne.

Warten auf Genehmigung

Das Unternehmen Tepco will nach eigenen Angaben bis März kommenden Jahres mit dem Bau beginnen. Zuvor sollen Machbarkeitsstudien und die Genehmigung der Regierung abgewartet werden.

Über den Tunnel sollen 1,27 Millionen Tonnen aufbereitetes Wasser in den Pazifik gepumpt werden. Dazu gehört Wasser, das nach dem Atomunfall zum Kühlen der Atomanlage benötigt wurde, aber auch Regen- und Grundwasser von dem radioaktiv verseuchten Gelände. Aktuell wird das Wasser auf dem Gelände der Atomanlage von Fukushima in mehr als tausend Tanks gelagert. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco sind die Lagerkapazitäten ab Herbst 2022 ausgeschöpft.

+

Fukushima: Japans Tsunami-Katastrophe vor zehn Jahren in Zahlen

Stärke 9,0: Das Seebeben vom 11. März 2011 ereignete sich um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) rund 130 Kilometer vor dem nordöstlichen Verwaltungsbezirk Miyagi in einer Tiefe von 24 Kilometern. Es hatte eine Stärke von 9,0 und war damit eines der stärksten Beben, das jemals weltweit gemessen wurde.

(c) EPA (KOICHI KAMOSHIDA)

Die Erschütterungen waren so stark, dass sie Japans Hauptinsel Honshu 2,40 Meter ostwärts verrückten. Selbst die Erdachse soll durch das Beben um mehr als zehn Zentimeter verschoben worden sein.

(c) EPA (KOICHI KAMOSHIDA)

16,70 Meter: Das Beben löste einen Tsunami aus, der Japans Küsten bereits 30 Minuten später erreichte. Die Japanische Meteorologiebehörde maß als höchsten Wert der Flutwelle eine Höhe von 9,30 Meter in Soma im Verwaltungsbezirk Fukushima.

(c) dapd (Sadatsugu Tomisawa)

In Wirklichkeit türmten sich die Wassermassen aber noch deutlich höher auf. Sie überwanden Hügel und Tsunami-Schutzwälle, rissen Häuser mit sich und verwüsteten ganze Landstriche. Für Ofunato im Bezirk Iwate errechnete die Meteorologiebehörde nachträglich anhand von Spuren an den Gebäuden, dass die Tsunami-Wellen eine Höhe von bis zu 16,70 Metern erreichten.

(c) AFP (TORU YAMANAKA KAZUHIRO NOGI)

18.426 Tote und Vermisste: Bei der Dreifach-Katastrophe sind die meisten Opfer auf den Tsunami zurückzuführen. Bis Dezember 2020 zählte die japanische Polizei 15.899 Todesfälle und 2.527 Vermisste. Mehr als 6.000 weitere Menschen erlitten durch Beben und Tsunami Verletzungen, andere starben während oder nach der Evakuierung des Katastrophengebiets. Die meisten Opfer entfallen auf die drei Verwaltungsbezirke Fukushima, Miyagi und Iwate an Japans Nordostküste.

(c) EPA (KOICHI KAMOSHIDA)

3 Reaktoren mit Kernschmelze: Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wurde am 11. März 2011 von einer fast 15 Meter hohen Wasserwand getroffen. Die Anlagen zur Stromerzeugung für das Kraftwerk wurden überschwemmt. Da dadurch die Kühlung ausfiel, ereignete sich in drei der sechs Reaktoren eine Kernschmelze. In den folgenden Tagen ereigneten sich in den Reaktoren 1 und 3 mehrere Wasserstoffexplosionen.

(c) AFP (HANDOUT)

Zehn Jahre nach dem Atomunfall kommt der Rückbau des havarierten Atomkraftwerks immer noch nur langsam voran. Im besten Falle wird er noch mindestens drei bis vier Jahrzehnte lang dauern. Umstritten ist weiterhin, ob das radioaktive Wasser einfach ins Meer geleitet werden soll.

(c) AFP (HANDOUT)

Noch 36.800 Vertriebene: Unmittelbar nach der Katastrophe erklärte die Regierung das Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern rund um das Atomkraftwerk Fukushima zur Evakuierungszone. Die Menschen, die in dieser "verbotenen Zone" lebten, wurden angewiesen, das Gebiet zu verlassen. Auch viele Menschen außerhalb des 20-Kilometer-Radius entschieden sich zur Flucht.

(c) AFP (PHILIP FONG)

Im Mai 2012 zählte der Bezirk von Fukushima noch 164.865 auf Anordnung oder eigenen Entschluss hin Geflüchtete. 2020 waren es noch 36.811.

(c) AFP (PHILIP FONG)

337 Quadratkilometer No-Go-Area: Das nach dem Atomunfall zur verbotenen Zone erklärte Gebiet entsprach etwa zwölf Prozent der Fläche des Regierungsbezirks Fukushima. Nach zehn Jahren intensiver Arbeiten zur Dekontaminierung der Gegend sind es noch 2,4 Prozent. Das sind 337 Quadratkilometer.

(c) AFP (PHILIP FONG)

Viele Menschen haben aber Bedenken, in von der Regierung mittlerweile als sicher erklärte Gebiete zurückzukehren. Sie fürchten, radioaktiv verstrahlt zu werden, oder wollen ihre andernorts ausgebaute Existenz nicht aufgeben.

(c) AFP (PHILIP FONG)

430 Kilometer Deiche: Deiche gegen Überflutungen gab es im Inselstaat Japan schon vor 2011 viele. Der schreckliche Tsunami hat aber ihren Ausbau weiter beschleunigt. An den Küsten von Fukushima, Miyagi und Iwate sollen Schutzwälle mit einer Gesamtlänge von 430 Kilometern neu errichtet oder wiederaufgebaut werden. Bis September 2020 war das umgerechnet rund zehn Milliarden Euro teure Vorhaben zu 80 Prozent umgesetzt.

(c) AP
1/12

Fischer in der Region fürchten, dass sie ihren Fang nach Inbetriebnahme des Abwassertunnels nicht mehr oder nur noch zu schlechten Preisen loswerden.

Der Beauftragte für den Rückbau des Atomkraftwerks, Akira Ono, erklärte, das Ablassen durch einen Tunnel werde dazu führen, dass das Wasser nicht Richtung Land zurückgespült werde. Tepco verpflichtete sich, gegebenenfalls Entschädigungen zu zahlen. Auch zu einer Überprüfung der Anlage durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat das Unternehmen sich bereit erklärt.

Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Erdbeben am 11. März 2011 von einer fast 15 Meter hohen Tsunami-Wasserwand getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Die Katastrophe verwandelte umliegende Orte in Geisterstädte. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

Kommentare (2)
Balrog206
0
1
Lesenswert?

Ich

Bis jetzt da the ich immer Godzilla war ein Fantasie Film 🙈🙈

SoundofThunder
0
9
Lesenswert?

Ich verstehe

Aufbereitetes Wasser dass die nächsten 1000000 Jahre strahlt.