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Neue DetailsOpfer der Bluttat von Würzburg waren vor allem Frauen

Die zuständigen Behörden haben am Samstagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Würzburg neue Informationen zu der Bluttat bekannt gegeben, die am Freitagnachmittag in der Innenstadt drei Menschenleben gekostet hat.

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© APA/dpa
 

Ob der mutmaßliche Täter des Attentats im deutschen Würzburg - ein 24 Jahre alter Mann aus Somalia - bewusst Frauen als Opfer ausgewählt hatte, sei noch nicht bekannt und müsse noch ermittelt werden, hieß es. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand könne es sich auch um einen Zufall handeln. Eine verletzte Frau befand sich am Samstag noch in Lebensgefahr. Zwei von sieben ernstlich Verletzten konnten inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden, der Zustand der anderen sei ärztlich stabilisiert worden, hieß es auf der Pressekonferenz.

In dem Obdachlosenheim, in dem der Verdächtige zuletzt gelebt hatte, wurden unterdessen von den Ermittlern Hassbotschaften gefunden. Das gab der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert bekannt. Das Material sei sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet worden. Auch Nachrichten auf einem entdeckten Handy müssten noch untersucht werden, was wegen der dabei genutzten Fremdsprache etwas dauere.

Der Angreifer soll schon im vergangenen Jänner bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen haben. Dabei habe er die Waffe "bedrohlich in der Hand gehalten", sagte Wolfgang Gründler von der Generalstaatsanwalt Bamberg. Worum es bei der Auseinandersetzung mit Mitbewohnern und Verwaltern ging, gab Gründler nicht preis. Verletzt worden sei damals niemand. Die Polizei leitete aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, der Somalier kam vorübergehend in eine Psychiatrie.

Täter wurde nach einem Tag in der Psychiatrie entlassen

Erst vor wenigen Wochen soll der 24-Jährige zudem einen Verkehrsteilnehmer in der Würzburger Innenstadt belästigt haben: "Da hat der Beschuldigte ein verstörtes Verhalten mit psychischen Auffälligkeiten gezeigt." Der Mann sei erneut in eine Psychiatrie gekommen, aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfs entlassen worden.

Bezogen auf die nunmehrige Bluttat soll sich der Verdächtige unmittelbar vor der Attacke in einem Geschäft nach Messern erkundigt haben, sich eines aus einer Auslage geschnappt, sofort auf eine Verkäuferin eingestochen und diese tödlich verletzt haben. Anschließend tötete der Mann nach bisherigen Erkenntnissen in dem Kaufhaus zwei weitere Frauen. Danach griff er weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an.

"Ich habe Verletzte gesehen, ich habe Tote gesehen", sagte Polizeipräsident Kallert. Er bedankte sich unter anderem bei Bürgern, die durch das Verbrechen in eine Extremsituation geraten seien und mitgeholfen hätten, den Täter in eine Gasse zu treiben.

Motiv für die Tat ist weiterhin unklar

Das Motiv ist noch immer nicht vollends geklärt. Es müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Von den mindestens fünf Schwerverletzten des Messerangriffs kämpfen nach Herrmanns Angaben immer noch mehrere Menschen um ihr Leben. Er hoffe und bete, dass diejenigen, die in Lebensgefahr seien, wieder genesen.

Unterdessen wurde Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen erlassen. Dieser laute auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord, sagte der Pflichtverteidiger des Somaliers, Hanjo Schrepfer. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen. "Offiziell hat er sich noch nicht zur Sache eingelassen", sagte Schrepfer. Sein Mandant soll noch am Samstag in ein Gefängnis in Untersuchungshaft überstellt werden. Er sei trotz einer Beinschussverletzung haftfähig, sagte der Anwalt.

Hinweise auf religiösen Fanatismus

Aus Sicherheitskreisen hieß es am Samstag, der junge Mann habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht.

Am Sonntagnachmittag wird es im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier für die Opfer geben. Daran werden neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung auch Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Samstag in Würzburg mitteilte.

Erwartet werden bei der Feier der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden. Der Kiliansdom liegt nicht weit vom Ort des Geschehens am Barbarossaplatz mitten in der Würzburger Innenstadt.