Im Griff der Mutation Brasilien im verzweifeltem Wettkampf gegen die Pandemie

In Brasilien breitet sich eine ansteckende Mutation des Coronavirus ungebremst aus, die Intensivstationen laufen voll, auch mit jüngeren Patienten. Experten sehen täglich 3000 Tote auf das Land zukommen.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Die Krankenhäuser seien in Brasilien am Limit © AFP
 

Nach der Aufhebung der Urteile gegen ihn ist der ehemalige brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf die politische Bühne zurückgekehrt. Und er geht gleich auf die aktuelle Corona-Situation ein:  "Das Leiden, das das brasilianische Volk durchmacht, ist unendlich größer als jedes Verbrechen, das gegen mich begangen wurde", sagte der Ex-Präsident (2003-2011) am Mittwoch in einer im Fernsehen übertragenen Rede am Sitz der Metallarbeiter-Gewerkschaft in Sao Bernardo do Campo im Großraum Sao Paulo.

Der zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilte populäre linke Politiker war im November 2019 nach 580 Tagen vorläufig aus der Haft in der Stadt Curitiba entlassen worden. Ein Richter am Obersten Gerichtshof Brasiliens hatte die Urteile gegen Lula wegen Korruption am Montag aufgehoben. Damit bekommt der 75-Jährige seine politischen Rechte zurück und kann, falls alles so bleibt, auch wieder bei Wahlen antreten.

Lula versuchte nicht nur, sich bei seiner Position zum Umgang mit der Corona-Pandemie, von der Brasilien besonders betroffen ist, sondern auch bei anderen Themen wie dem Waffenbesitz von dem rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu distanzieren.

Experten befürchten 3000 Tote am Tag

Bolsonaro steckt nun mitten in der schlimmsten Corona-Lage seit Beginn der Pandemie. In Brasilien sind den zweiten Tag in Folge mehr als 2.000 Menschen an Corona gestorben.  Die ansteckende Mutation des Coronavirus  breitet sich zunehmend ungebremst aus, die Intensivstationen laufen voll, auch mit jüngeren Patienten. Das Gesundheitsministerium meldete 2.233 Tote innerhalb von 24 Stunden und 75.412 Neuinfektionen, am Vortag waren es 2.286 Todesfälle sowie 79.876 Neuinfektionen. Insgesamt haben sich in dem südamerikanischen Land bisher mehr als elf Millionen Menschen mit Corona infiziert.

Die Gesundheitseinrichtungen warnen mittlerweile davor, dass die Krankenhäuser an ihre Grenzen geraten. Intensivstationen zur Behandlung von Covid-19-Patienten seien in den Hauptstädten von 15 der 27 Bundesstaaten mittlerweile zu mehr als 90 Prozent belegt, teilte das Wissenschaftsinstitut Fiocruz mit.

Und es könnte noch schlimmer kommen: Experten sehen Brasilien auf tägliche Todeszahlen von 3000 Fällen pro Tag zusteuern.  Zudem ist die Furcht groß, dass sich wegen der Vielzahl an Neuinfektionen weitere Virusmutationen bilden könnten, deren Gefährlichkeit unberechenbar ist.

Für die beiden einwohnerstärksten Städte Sao Paulo und Rio de Janeiro wurden trotz scharfer Kritik von Präsident Jair Bolsonaro, einem entschiedenen Lockdown-Gegner, striktere Einschränkungen beschlossen. Brasilien verzeichnet mittlerweile mehr als 270.000 Corona-Tote. Nur in den USA starben noch mehr Menschen an oder mit dem Virus. Allerdings zählte Brasilien im Verlauf der letzten Woche im Schnitt mehr als 1.600 Tote pro Tag, während die USA auf 1.400 kamen.

Kommentare (3)
future4you
3
33
Lesenswert?

Was Bolsonaro für Brasilien ist

ist die Kickl mit seiner FPÖ für Österreich.
Unter deren Führung wäre das Gesundheitssystem auch in unserem Land schon längst kollabiert.

RonaldMessics
2
30
Lesenswert?

Ob Bolsonaro oder....

...KIckl, alle diese Art von Politiker sind entbehrlich. Sie verführen das Volk mit markigen Sprüchen, stehen über ethischen Grundsätzen, und leben in der Blase eines zerstörerischen Populismus.

pescador
2
14
Lesenswert?

Entbehrlich?

Solche Leute sind für ein Land gefährlich!