Transatlantischer KrisenfallHarry und Meghan gaben wahrlich abgrundtiefe Einblicke

Am Ende wurde es mindestens so schlimm wie erwartet - zumindest für das britische Königshaus. Harry und Meghan ließen bei ihrer Endabrechnung im US-Fernsehen mit dem Buckingham Palace wenig aus - ein Trümmerfeld.

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© AFP/Olivier Douliery
 

Ja, man musste unweigerlich an die Serie "The Crown" denken: Wäre das, was da nun im US-Hauptabendprogramm von CBS ausgestrahlt wurde, genau so vom Online-Streaming-Plattform Netflix gebracht worden, das britische Königshaus hätte sich wohl rechtliche Schritte vorbehalten. Ein transantlantischer Krisenfall.

Doch der Reihe nach: Harry und Meghan, deren Vermählung im Mai 2018 noch Zehntausende in Windsor und Abermillionen vor den Bildschirmen bannte, wollen nicht mehr. Teil jenes an vergangene Jahrhunderte erinnernden Zirkus sein, in den zumindest der Prinz 1984 hineingeboren wurde. Emanzipationsversuche, 2019 Flucht ins Exil auf der anderen Seite des Ozeans, endgültige Aufkündigung aller royalen Pflichten im Februar 2020. Und nun: Abrechnung des 36-Jährigen und seiner 39-jährigen Gattin mit dem Buckingham Palace und dem Bluthund namens Boulevard bei Oprah Winfrey. Idyllisch-verträumt war da nur das Setting in einem von Säulen umrankten TV-Garten, in dem es bereits Frühling spielte.

Großes Interview bei Oprah: Seelenschau von Harry und Meghan

Das Interview von Herzogin Meghan und Prinz Harry brachte nicht die befürchteten persönlichen Angriffe auf die königliche Familie. Trotzdem schockierte das Paar mit einem Blick hinter die Kulissen des Systems Königspalast. Ausgewählte Zitate zu Fotos von Harry und Meghan.

(c) AFP (JUSTIN TALLIS)

"Meine größte Sorge war, dass sich die Geschichte wiederholt."

(Harry über Parallelen beim tragischen Tod seiner Mutter Diana zu der Behandlung seiner Frau Meghan)

(c) AFP (ADRIAN DENNIS)

Es habe Bedenken und Gespräche darüber gegeben, "wie dunkel seine Haut sein könnte, wenn er geboren wird."

(Meghan über Rassismus gegenüber ihr und ihrem Sohn Archie)

(c) AFP (JOE PUGLIESE)

"Sie haben von Beginn unserer Beziehung an angegriffen und so sehr zum Rassismus aufgewiegelt, deshalb hat sich unser Risiko verändert."

(Meghan über Rassismus der britischen Boulevardmedien)

(c) AFP (JOE PUGLIESE)

"Ich fühle mich wirklich im Stich gelassen, weil er durch etwas Ähnliches gegangen ist."

(Harry über die Enttäuschung gegenüber seinem Vater Prinz Charles)

(c) AFP (DANIEL LEAL-OLIVAS)

"Ich kenne die Institution (Monarchie) nicht, deshalb wurde uns gesagt, wir sollen schweigen."

(Meghan zu Einschränkungen ihres Lebens durch den Palast)

(c) AFP (DOMINIC LIPINSKI)

"Ich habe aber das, was meine Mutter mir hinterlassen hat. Und ohne das hätten wir das nicht geschafft."

(Harry über seine finanzielle Situation, nachdem der Königspalast die finanzielle Unterstützung für ihn einstellte)

(c) AFP (DANIEL LEAL-OLIVAS)

"Ich wollte einfach nicht mehr am Leben sein. Ich dachte, es würde die Situation für alle lösen."

(Meghan zu ihren Selbstmordgedanken angesichts des immensen Drucks im Königshaus)

(c) AFP (JOHN STILLWELL)

"Ich denke, das Highlight für mich ist, ihn hinten aufs Fahrrad auf seinen kleinen Kindersitz zu setzen und ihn auf Radtouren mitzunehmen."

(Harry über seine Lieblingsbeschäftigung mit Sohn Archie)

(c) AFP (BEN STANSALL)

"Es ist ein Mädchen."

(Harry darüber, dass Meghan und er nun ein Mädchen erwarten)

(c) AFP (ADRIAN DENNIS)
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Idyllisch war nur der Interview-Ort

(Spoiler-Alarm!)

Das 90-minütige Special geriet zu einer Endbilanz - und wird heute übrigens noch zwei (!) Mal vom österreichischen Staatsfunk um 13.50 und 21.10 ausgestrahlt. Die Palette an Themen, die von der bekanntesten Talkshow-Moderatorin der Welt abgefragt wurde, war so naheliegend wie unerbittlich. Die Antworten, die da freiherzig aus den sich immer wieder an ihren Händen wie an Rettungsringen haltenden Geflüchteten flossen, dürften alle Alarmglocken im Buckingham Palace schrillen lassen.

Queen Elizabeth II. (94) ließ selbstverständlich wissen, zeitig zu Bett zu gehen und sich den "Sussex-Zirkus" nicht anzuschauen. Ihr Hofstaat und ihre Krisenberater dürften jedes Wort mitnotiert haben. Das Königshaus selbst wurde mindestens so gnadenlos dargestellt wie in "The Crown", auch wenn Meghan der Regentin sogar Rosen streute (Kalkül?): "Zu mir war sie immer wundervoll". Die Monarchie als versteinertes Konstrukt des Mittelalters, in dem Gefühle auch und gerade von Familienangehörigen nicht buchbares Extra sind.

Es gab Bedenken und Gespräche darüber, wie dunkel Archies Haut sein könnte, wenn er geboren wird.

Meghan

Die schauspielerprobte Meghan im Interview
Die schauspielerprobte Meghan im Interview Foto © AP/Rick Rycroft

Für Harry war es ein spätes, womöglich endgültiges Aufrollen des persönlichen Schicksals. Der Zweitgeborene von Prinz Charles (72) und der in einem Pariser Stadttunnel den Tod getriebenen Prinzessin Diana hat Gründe: "Meine größte Sorge war, dass sich die Geschichte wiederholt", sagte der 36-Jährige und spielte damit auf das Katz-und-Maus-"Spiel" an, das seine Mutter zeitlebens ausfechten musste. Man hatte Harry vor Augen, als er am 6. September 1997 als kleiner Bub  zusammen mit Bruder William den Sarg seiner Mutter bei einem Marsch durch London begleitete. Zugleich sprach er Charles zumindest einige grundlegende Fähigkeiten als Vater ab: "Ich fühle mich wirklich im Stich gelassen, weil er durch etwas Ähnliches gegangen ist." Das hatte man von ihm trotz offensichtlicher Risse in dieser Deutlichkeit noch nicht gehört. Dazu schien sich sein ganzer Körper zu verkrampfen.

Harry am 6. September 1997 neben Dianas Bruder Earl Spencer und Prinz Charles
Harry am 6. September 1997 neben Dianas Bruder Earl Spencer und Prinz Charles Foto © AFP/Gerry Penny

Rassismus und seelische Pein

Noch tiefer ließ seine Frau blicken: Da war die Rede von tief verankertem Rassismus, den man vor allem in ihrem Heimatland und in diesem Ausmaß nicht unbedingt im seit jeher multikulturellen Großbritannien wähnt. "Ich habe an meine Herkunft gedacht, weil sie mich daran erinnerten." Sohn Archie als dunkelhäutiger Prinz? Shocking/undenkbar: "Es gab Bedenken und Gespräche darüber, wie dunkel seine Haut sein könnte, wenn er geboren wird." Meghan sprach offen über Suizidgedanken ("Ich wollte einfach nicht mehr am Leben sein. Ich dachte, es würde die Situation für alle lösen"), zu der sie der Druck im Königshaus brachte und brach in Tränen aus. "All das, nur weil ich atme!" schilderte sie jene Ausweglosigkeit, die sie einst fühlte. Harry ergriff wieder ihre Hand, den Mund fest zusammengepresst. Wahrhaft starker Tobak, der wenig mit dem verkitschten Streichelzoo, an den die Royals oft erinnerten, zu tun hat.

Meine größte Sorge war, dass sich die Geschichte wiederholt.

Harry

Jene, die schon in den 1980er- und 1990er-Jahren die von Beginn an unheilvoll inszenierte und in Scheidung und Katastrophe endende Ehe von Prinz Charles mit seiner eher (wenn auch nicht ganz) dem bürgerlichen Milieu entstammenden Frau Diana und nicht zuletzt Camilla Parker-Bowles verschlungen hatten: Sie bekamen nun die Fortsetzung geliefert: "Das ist explosiver Stoff. Das geht in Richtung Worst-Case-Szenario für den Palast", schrieb Jonny Dymond, durchaus seriöser Royal-Korrespondent der altehrwürdigen BBC - und übertrieb kaum. Ein Trümmerhaufen, den man nicht mehr so einfach zusammenkehren können wird. Auch auf die Reaktion von Harrys Bruder William, der sich in den royalen Tross einordnete (und dort blieb!), darf man gespannt sein.

Eine hochbetagte Queen und die schwelende Frage der Fortführung ihrer Ära. Der noch längst nicht vergessene Skandal um ihren einstigen Lieblingssohn Andrew und seine Verbindung zum 2019 verstorbenen Investmentbanker und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Dazu die Sinnfrage, die das britische Volk zum Königshaus jederzeit stellen darf und kann. Und nun die Bombe, die per Fernzünder von zwei in das Exil Geflüchteten ausgelöst wurde.

Das Paar verriet auch: Das zweitgeborene Kind wird ein Mädchen
Das Paar verriet auch: Das zweitgeborene Kind wird ein Mädchen Foto © (c) AP (Joe Pugliese)

Wer in Harry den angesichts seiner Lebensgeschichte nicht ohne Grund Verbitteterten (aber weiterhin und auch ohne Königshaus prächtig Versorgten) und in Meghan vor allem eine gute Schauspielerin sieht, könnte ihnen vorhalten: Wer aus goldenen Löffeln isst, möge sich auch nicht darüber beschweren. Die Welt laboriert bekanntlich gerade jetzt an ganz anderen Problemen. Zudem fällt es manchen Beobachtern zu recht schwer, der US-Amerikanerin so viel Naivität (Meghan: "Ich kenne die Institution Monarchie nicht, deshalb wurde uns gesagt, wir sollen schweigen") abzukaufen. Das Königshaus heißt ja nicht ohne Grund "Die Firma", auch wenn es noch immer nicht ganz die Cosa Nostra ist.

Der britische Boulevard-Blätterwald, ein Unterholz, aus dem man tunlichst flüchten sollte, wird sich mächtig biegen am Tag danach. Allerspätestens jetzt gibt es für die Abtrünnigen kein Zurück mehr.

Kommentare (37)
Limone2
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Plaudertaschen

für viel Geld. Wie charakterlos ist das denn?

beneathome
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58
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Die armen Royals

Eine rührende Geschichte. Von irgend etwas müssen sie nun doch leben. Und was verkauft sich besser als eine Geschichte von den Royals. Das buch ist sicher schon im werden.

redniwo
39
45
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ernst gemeinter vorschlag

kann bitte die kleine zeitung versuchen, einen club der "adeligen berichtsfreiheit" ins leben zu rufen. so eine art Gütesiegel für medien "dieses medium enthält keine berichte über royals"

cockpit
2
42
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Sie müssen es ja nicht lesen

.

lieschenmueller
4
34
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nicht lesen

Da würde ich von Leuten, die sich beruflich damit auskennen, gerne einmal eine Antwort haben.

Diese Aussage, man solle von irgendwelchen Kinigln oder "Stars" keine Berichte bringen in "normalen Zeitungen". Diese hätte man in denen, die beim Friseur und in Wartezimmern liegen zu Genüge. Aber nicht beim Lachsfarbenen oder eben hier in der Kleinen Zeitung, DA bitte nicht.

Vergessend, dass auch in Lezteren genügend Platz ist, die Artikel nichts wegnehmen - und vor allem - keiner mit vorgehaltener Pistole gezwungen wird - genau diese paar Zeilen, die in die Richtung gewidmet sind, zu lesen.

Und doch wird es es von denen getan, die sich im gleichen Satz dann drüber aufregen. Das ist sicher wie das Amen im Gebet.

Bei Harry und Meghan steht es diesmal unter "International", meistens aber unter "Leute" also bei letzterem gäbe es absolut null Grund zu meckern. Geschuldet wohl, weil ein Königshaus wie das Englische seit vielen-vielen Jahren mehr Gewicht hat als jemand, der ein Liedchen trällert. Deshalb die andere Rubrik.

Vergegenwärtigt Euch, als Ihr, denen das nicht passt: Ihr seid freiwillig hier und fühlt Euch noch bemüßigt, dazu auch noch zu kommentieren.

Was stimmt nicht mit Euch?

Nixalsverdruss
4
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Dieses Interview ist sehr sehr wichtig!

Vor allem für Oprah Winfrey: hat sie doch 7,5 Millionen Dollar ($ 7.500.000,- ) für diese zwei Stunden der medialen Hinrichtung bekommen.
Ob es sinnvoll ist im Leben - egal ob Windsor, Müller-Lüdenscheidt, oder wie sie auch immer heißen mögen - eine öffentliche Abrechnung mit seiner Herkunftsfamilie zu machen, stelle ich in Frage. Das werden aber am ehesten die Psychologen und PR-Berater des Paares sagen können.
Wenn Harry sagt, dass er unter den Medien gelitten hat - wie seine Mutter - und befeuert gleichzeitig die "Kanaille von der Journaille" ist das nicht wirklich verständlich.
Alles zusammen muss gesagt werden: es gibt wichtigere Dinge im Leben, als dieses Interview!

duerni
7
65
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Adelige, Könige, Kaiser, Prinzessinnen und Prinzen, ..........

Menschen wir du und ich - aber eben irgend wann einmal aus Familien entstanden, die mehr hatten, meist auch mehr konnten, weil sie eine bessere Ausbildung bekommen hatten - eine historische Entwicklungssache.
In jedem Rudel von Tieren, in jeder Gruppe von Lebewesen, gibt es eine Hierarchie - auch das ist eine Entwicklungssache.
In beiden Fällen sind dabei überwiegend, die starken Charaktere auch die Führungsfiguren.
Wenn ich mir dagegen die Parteien und auch die Religionen ansehe ..........
Was zählt bei beiden Institutionen? Bilden sie sich selbst ein kritisches Urteil.
Was die Religionen betrifft: Jesus hat gelebt und war ein außergewöhnlicher Mensch. Seine überlieferten Aussagen wurden aber schamlos missbraucht. Wenn man die Geschichte der Päpste kennt, diesen "Stellvertretern Gottes auf Erden" sind Zweifel angebracht an der weltlichen Organisation dieser Religion. Martin Luther war einer der Zweifler.
Was die "armen" Königskinder" und ihre Angeheirateten betrifft - das ist bitte Jammern auf hohem Niveau auch hier bei Meghan und Harry.
Das Elend vieler Menschen lindern weder die Religionen noch die Adeligen - beide könnten es aber!

hermannsteinacher
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Im Königreich England ist dessen Queen Elisabeth

die "Stellvertreterin Jesu Christi"!

lieschenmueller
7
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Das ist so gut geschrieben, duerni,

- verzeihen Sie bitte, was jetzt kommt - dass ich mich frage, ob es von Ihnen selbst ist.

Civium
56
20
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Die hässlichen Windsors können dem kleinen hübschen

Archie nicht das Handtuch reichen, die Schönheit haben die Schwiegertöchter in die Familie gebracht!!

Pardon Windsors, ich meinte Sachsen Coburg und Gotha !!!!

Nixalsverdruss
11
66
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Schade, dass sie keine Foto von sich posten können ...

... würde gerne mal sehen, ob bei Ihnen irgendjemand "Schönheit in die Familie" gebracht hat ... :-)
Absolut unnötiger Kommentar!

Civium
16
7
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Habe nur auf den Rassismus

verwiesen!
Übrigens ich empfinde mich wunderschön!

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