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Missbrauch in FrankreichEndlich kommt Schutzalter für Jugendliche

Während es in den meisten Ländern Europas ein gesetzlich festgeschriebenes Schutzalter für Kinder gibt, hinkt Frankreich hier hinterher. Mehrere Missbrauchsfälle setzen Gesetzgeber unter Druck.

Coline Berry-Rojtman klagt Vater Richard Berry an © (c) AFP (THOMAS SAMSON)
 

In den meisten anderen europäischen Ländern ist "einvernehmlicher Sex" eines Erwachsenen mit einem Kind undenkbar - das Schutzalter schiebt dem einen rechtlichen Riegel vor, in Österreich liegt es bei 14 Jahren. Frankreich will nun erstmals explizit ein solches Schutzalter gesetzlich festschreiben, am Donnerstag berät die Nationalversammlung darüber in erster Lesung. Anlass ist eine beispiellose Serie von Missbrauchsvorwürfen, auch gegen Prominente.

In Frankreich tobt seit Jahresbeginn eine zweite #MeToo-Debatte. Dabei steht nicht mehr Missbrauch in der Filmbranche im Mittelpunkt, sondern Pädophilie, Inzest und sexuelle Gewalt in Familien. Eine Reihe bekannter Persönlichkeiten steht am Pranger - Politikwissenschafter, Schauspieler und Vertreter der Filmbranche. Ihre Kinder oder andere Schutzbefohlene werfen ihnen sexuellen Missbrauch oder zumindest seine stillschweigende Duldung vor.

"Wir glauben Euch"

"Wir hören Euch zu, wir glauben Euch", sagte Präsident Emmanuel Macron Ende Jänner in einer Videobotschaft an die Opfer. Nach dem Willen des Staatschefs soll nun endlich ein reguläres Schutzalter eingeführt werden, bis zu dem es keinen einvernehmlichen Sex mit einem Minderjährigen geben kann. Zwar gibt es auch in Frankreich viele Paragraphen zum Schutz von Minderjährigen, aber nach Ansicht von Kinderrechtsverbänden klafft eine Rechtslücke.

Laut dem Gesetzesantrag, über den die Pariser Nationalversammlung am Donnerstag abstimmt, soll das Schutzalter 15 Jahre betragen und bei Fällen von Inzest sogar bei 18 Jahren liegen. Auf die "sexuelle Penetration" von Minderjährigen sowie Oral-Sex sollen demnach künftig 20 Jahre Haft stehen, bei Inzest zwischen Blutsverwandten sogar 30 Jahre.

Bereits 2018 hatte die Regierung den Straftatbestand der Vergewaltigung erweitert, um Kinder besser zu schützen - auf ein explizites Schutzalter aber verzichtet. Zuvor hatte der Fall eines erwachsenen Franzosen Wellen geschlagen, der nach angeblich "einvernehmlichem" Sex mit einer Elfjährigen freigesprochen wurde.

Die neue #MeToo-Debatte kam zu Jahresbeginn durch ein Buch ins Rollen: Verfasst hat es die Juristin Camille Kouchner, die Tochter des Ärzte-ohne-Grenzen-Gründers und früheren Außenministers Bernard Kouchner.

Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Stiefvater, den bekannten Politikwissenschaftler Olivier Duhamel. Laut dem Werk "La Familia grande" (Die große Familie) soll Duhamel den Zwillingsbruder von Camille Kouchner im Alter von 14 Jahren sexuell missbraucht haben. Die Pariser Intellektuellen-Familie soll den Mantel des Schweigens über die Taten gedeckt haben.

Nach Veröffentlichung des Buches musste Duhamel alle Posten an der Pariser Eliteuni Sciences Po niederlegen. Auch Unidirektor Frederic Mion stürzte nach wochenlangen Studenten-Protesten über den Vorwurf der Mitwisserschaft.

#Metooinceste

Das Kouchner-Buch führte zu einem Dammbruch: Tausende Franzosen berichteten unter Hashtags wie #Metooinceste und #scienceporcs ("Wissenschaftsschweine", ein Wortspiel auf Sciences Po) von sexueller Nötigung in Familien oder an Hochschulen. Auch Prominente wie der beliebte Schauspieler Richard Berry gerieten unter Missbrauchsverdacht.

Dass Pädophilie in Frankreich lange als Ausdruck der Freiheit und Sinnbild männlicher Verführungskraft galt, hatte bereits Ende 2019 ein Buch der Lektorin Vanessa Springora offenbart: Sie klagte den Schriftsteller Gabriel Matzneff an, sie ab dem Alter von 14 Jahren zu Sex genötigt zu haben.

Das Buch schlug ein wie eine Bombe, Verlage kündigten die Zusammenarbeit mit Matzneff auf, die Regierung strich Fördergelder. Dabei war seine sexuelle Vorliebe für Mädchen und Buben alles andere als ein Geheimnis: Der Autor hatte sie seit 1974 in Büchern und Fernsehauftritten öffentlich gemacht und war dafür sogar gefeiert worden.

Kommentare (3)
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Gesetzlichen Kinderschutz gibt es längst

Frankreich war sogar das erste Land der Welt, das im Sexualstrafrecht den Schutzgedanken verankerte und nicht religiöse Moralvorstellungen. Seit der französischen Revolution sind sexuelle Handlungen mit Kindern unter 15 Jahren streng verboten.

ich.daheim
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Wo ist das niedergeschrieben?

Ich hätte gerne ein Quelle fü den Zeitraum 2020. Mus ja in einem Gesetz das 2020 gültig ist stehen.

Spoiler
Das Schutzalter ist schon lang wieder verlorengegangen

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akzueller code penal

Art. 227-25
Wer als Volljähriger ohne Anwendung von Gewalt, Zwang, Drohung oder Ausnutzung von Überraschung einen sexuellen Übergriff an einem Minderjährigen unter 15 Jahren begeht, wird mit fünf Jahren Gefängnis und 500.000 FF Geldstrafe bestraft.

Zusätzlich gibt es Bestimmungen zu Bergewaltigung und Inzest. Was in Frankreich diskutiert wird, ob man juristisch bei unter 15-jährigen prinzipiell eine Einwilligungsmöglichkeit ausschließt. Da geht es darum, ab wann was als Vergewaltigung klassifiziert und welches Gericht zustädig wird.

Aber die Behauptung, die heute im Internet und auch in der "Kleinen" herumschwirrt, das französische Strafrecht würde keine Kinder schützen, ist schlicht und einfach FALSCH.