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Trier Mit 1,4 Promille in Menschenmenge gefahren: Fünf Tote, darunter Baby

Der Fahrer wurde festgenommen, die Ermittlungen laufen. Bei dem Mann soll es sich um einen 51-jährigen Deutschen handeln. Er soll mit seinem SUV wahllos Menschen angefahren haben.

Absperrungen in Trier
Absperrungen in Trier © (c) AFP (JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)
 

Ein Mann hat bei einer Amokfahrt mit einem Sportgeländewagen in der Trierer Innenstadt fünf Menschen getötet, darunter ein neun Monate altes Baby. 14 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Die Polizei nahm unmittelbar nach der Tat einen 51 Jahren alten Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg fest, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft psychisch krank sein könnte. Der Tatverdächtige war betrunken, konnte aber vernommen werden.

"Zickzacklinien" gefahren

Hinweise auf einen politischen Hintergrund gab es zunächst nicht. Das Motiv des Täters ist unklar. "Dieses Ereignis erschüttert ganz Deutschland", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstagabend in Trier. Der Täter sei gezielt vorgegangen und "Zickzacklinien" gefahren, um Leid zuzufügen. Das sei in ganz schlimmem Maße geschehen.

Zu den Opfern zählen neben dem Baby eine 73 Jahre alte Frau, eine 25-Jährige und ein 45 Jahre alter Mann aus Trier, der Vater des Babys. Die Mutter des Babys liegt den Behördenangaben zufolge im Krankenhaus. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einer Stellungnahme tief betroffen.

Amokfahrt dauerte vier Minuten

Der erste Notruf war um 13.47 Uhr eingegangen, wie Franz-Dieter Ankner, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Trier sagte. Die Amokfahrt über mehrere Straßen dauerte vier Minuten, ehe der Tatverdächtige, der Widerstand leistete, festgenommen wurde. Augenzeugen berichteten, dass am Ort des Vorfalls nahe der Porta Nigra, dem weltberühmten Stadttor aus der Römerzeit und Wahrzeichen der Stadt, Menschen durch die Luft geschleudert worden seien.

"Wir haben ein klares Bild von dem Verdächtigen", sagte Lewentz, der von einem schrecklichen Tag sprach. Ankner ergänzte, der Mann habe die vergangenen Tage in einem Auto verbracht. Laut Oberstaatsanwalt Peter Fritzen gibt es Anhaltspunkte für ein psychisches Krankheitsbild. Ein Arzt habe den Mann begutachtet, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Bei dem Mann wurden 1,4 Promille Atemalkohol festgestellt.

Ermittelt werde wegen Mordes in vier Fällen und gefährlicher Körperverletzung in einer ganzen Reihe weiterer Fälle. "Wir gehen davon aus, dass er bei dem Angriff in der Innenstadt heimtückisch handelte, das Fahrzeug als Waffe benutzt hat und deshalb mit gemeingefährlichen Mitteln handelte", sagte Fritzen.

"Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig", heißt es in einer Stellungnahme von Kanzlerin Merkel, die Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag via Twitter veröffentlichte. "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden. Ich denke aber auch an diejenigen, die zum Teil schwere Verletzungen erlitten haben und wünsche ihnen viel Kraft."

Rund 300 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Dieser habe im Ablauf sehr gut funktioniert, die Opfer seien rasch versorgt worden, berichtete der Leiter der Berufsfeuerwehr Trier, Andreas Kirchartz. Die Kliniken in der Stadt hätten sofort auf Notfallbetrieb umgeschaltet, die Patienten hätten unmittelbar dorthin gebracht werden können. Lewentz sagte, dass außerdem rund 450 Polizisten im Einsatz waren.

Am Abend stellten Bürger Kerzen auf, an der Porta Nigra flackerten kleine Teelichter. Sichtbar erschüttert schilderten Augenzeugen, wie Menschen bei dem furchtbaren Zwischenfall durch die Luft geschleudert wurden. "Es ist unfassbar. Wir sind fassungslos", sagte eine Bewohnerin eines Hauses, das an die Fußgängerzone grenzt, durch die der Täter gefahren ist.

Kerzen zum Gedenken der Toten und Verletzten in Trier
Kerzen zum Gedenken der Toten und Verletzten in Trier Foto © (c) AFP (JEAN-CHRISTOPHE VERHAEGEN)

"Schwärzester Tag von Trier nach Zweiten Weltkrieg"

Auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der von "einem Bild des Grauens" spricht, saget: "Ich glaube, es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg." Ein in Trier geborener Mann habe mutmaßlich Triererinnen und Trierer getötet. Dieses Trauma werde die Stadt aufarbeiten. "Ich will wissen, warum jemand das tut", betont Leibe. "Ob ich darauf eine Antwort bekomme, weiß ich nicht."

Trier mit rund 112.000 Einwohnern gilt als älteste Stadt Deutschlands, ist auch bekannt als Geburtsort von Karl Marx (1818-1883). In internationale Schlagzeilen gerät Trier nur selten, schon gar nicht wegen Kapitalverbrechen.

Im Februar hatte im nordhessischen Volkmarsen ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto absichtlich in die Menge gesteuert. Dutzende Menschen wurden verletzt. 2019 hatte ein 50-Jähriger in Bottrop in der Neujahrsnacht gezielt Menschen angefahren. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. In Münster war 2018 ein Mann mit seinem Campingbus in eine Gruppe gerast, es gab fünf Tote. Der Täter erschoss sich, die Ermittler gehen von einer psychischen Erkrankung aus.

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