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Coronavirus So schätzt Expertin Situation derzeit ein

Wiedermann-Schmidt: Virus weniger ansteckend als die Influenza. Derzeit kein Grund zu Beunruhigung.

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© (c) APA/AFP/
 

Wer in Österreich derzeit Fieber bekommt, den hat - wahrscheinlich - die Influenza erwischt. "Wegen des neuen Coronavirus aus China gibt es derzeit in Europa und Österreich keinen Grund zur Beunruhigung", sagte am Samstag die Reise- und Tropenmedizinerin Ursula Wiedermann-Schmidt, Vakzinologin an der MedUni Wien, gegenüber der APA.

"Wenn jemand hohes Fieber, also 40 Grad oder so bekommt, sollte er jedenfalls den Arzt rufen. Sonst heißt es, zu Hause und im Bett bleiben und - mit der Influenza - möglichst niemand anstecken", erklärte die Expertin. "Wir haben derzeit eben eine Influenza-Welle in Österreich. Die Coronavirus-Erkrankungen, auch jene, die jetzt in Europa festgestellt wurden, sind alle mit Reisen nach Wuhan etc. in China in Verbindung zu bringen."

Vergleich mit Influenza 

Ein wesentlicher Baustein der Bewertung der Situation rund um das neue Coronavirus (2019-nCoV) ist - wie auch sonst bei infektiösen Erkrankungen - die Übertragungsrate. In der Wissenschaft wird sie mit dem Wert R0 ("Basisreproduktionszahl") angegeben. Für den Keuchhusten l(bakterielle Erkrankung) liegt dieser Wert zwischen zwölf und 17, für die Masern bei zwölf bis 18. Das bedeutet jeweils, wie viele Menschen ein Infizierter zusätzlich ansteckt.

Bei der Influenza mit in Österreich jährlich mehreren 100.000 Erkrankten (Experten gehen von bis zu 700.000 Fällen aus, ein Zehntel davon bekommt Komplikationen, die mittlere Zahl der Influenza-Todesopfer liegt bei 2.500) geht man von einem "Basisreproduktionswert" von 1,2 bis zwei aus. Das ist relativ wenig. Aber nur höchstens zehn Prozent der Bevölkerung lassen sich in Österreich gegen die Influenza impfen.

Ursula Wiedermann-Schmidt, sie ist Direktorin des Zentrums für Pathologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien: "Das Coronavirus dürfte bei weitem nicht so ansteckend sein wie Influenza, und die Fälle in China mit tödlichem Ausgang betrafen vorwiegend Personen mit Vorerkrankungen. Die Fälle von Frankreich sind aus China aus den betroffenen Regionen gekommen. In Wien ist das Zentrum für Virologie diagnostisch gerüstet."

Gut vorbereitet

Die notwendigen Labortests sind in Wien etabliert, um in einem Verdachtsfall eine allfällige Infektion mit dem Coronavirus zu bestätigen oder auszuschließen. Sonst unterscheide sich die Vorgangsweise bei potenziellen Patienten nicht von jener mit der Influenza, sagte die Expertin: "Personen mit verdächtigen Symptomen müssen in Krankenhäusern in Quarantäne. Das ist ganz ähnlich wie bei Kranken, die (auch; Anm.) mit einer Influenza eingeliefert werden. Da beugt man ja auch einer Ansteckung anderer Menschen vor."

Die Berechnungen zur Sterblichkeit von 2019-nCoV-Patienten schwanken laut den Fachleuten derzeit zwischen zwei und vier Prozent. Zwei Drittel der Verstorbenen waren bisher in China männlich, 72 Prozent älter als 70 Jahre. Bei 40 Prozent lag eine schwere Vorerkrankung vor.

Auch hier sei das Bild ganz ähnlich wie bei der Influenza, betonte die Wiener Expertin. Menschen mit 2019-nCoV-Infektion sind offenbar erst ansteckend, wenn sie Krankheitssymptome zeigen. Darauf hat auch das deutsche Außenministerium in einer Faktenzusammenstellung zu den Coronavirus-Erkrankungen hingewiesen.

Früherkennung sehr unterschiedlich

Die 2019-nCoV-Erreger sind genetisch zu 80 Prozent identisch mit dem SARS-Virus. In der Lunge benutzen sie an den Zellen den gleichen Rezeptor wie die SARS-Viren von 2002/2003, der ACE2 genannt wird. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt sieben Tage (zwei bis zwölf Tage beobachtet).

Der Umstand, dass die neuen Coronavirus-Erkrankungen in an China angrenzenden asiatischen Ländern sowie in den USA und zuletzt in Frankreich so schnell entdeckt wurden, sprechen laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) für die Effektivität des jeweiligen Gesundheitswesens. Die frühe Erkennung ist der beste Weg, weitere Ansteckungen zu verhindern.

Freilich, die Situation in China ist wohl mit jener in Europa nicht wirklich zu vergleichen, betonte Ursula Wiedermann-Schmidt: "Wenn eine solche Erkrankung ein einem Ballungszentrum mit 40 Millionen Einwohnern auftritt ist das etwas anderes als die Situation bei uns."

Kommentare (4)

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jaenner61
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kein grund zur beunruhigung?

also ganz verstehen kann ich das ganze nicht. da wird von den chinesen in rekordzeit ein spital für 1000 personen aus dem boden gestampft, 18 städte wurden abgeriegelt. 56 millionen menschen sind von der umwelt abgeschnitten. und unsere experten meinen, das dieser coronavirus nicht gefährlicher als die influenza ist.
entweder bagatellisieren unsere sogenannten experten, oder die chinesen übertreiben maßlos.

caesarsalad
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jaenner61

Haben Sie bis zum letzten Satz gelesen?

jaenner61
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ja und weiter

dann haben wir prozentuell eben weniger erkrankungen oder tote, aber an der sache ändert es nicht viel!

eleasar
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2 Ausbreitungsfaktoren: Hygiene und KP-Führung

Leider ist es in China nicht üblich, sich mit Seife die Hände zu waschen. Nicht mal Ärzte haben ausreichend Desinfektionsmaterial. Was sehr zur Verbreitung von Krankheiten beiträgt. Hier ist Europa weit voraus.

Zudem ist die KP-Führung sehr kreativ im Umgang mit Zahlen. Das macht die Lagebestimmung auch nicht einfacher. Alles, was die KP-Führung irgendwie inkompetent oder schlecht aussehen lassen würde, wird verboten und geahndet. Was den Informationsfluss sehr behindert.